Pol Espargaro am Freitag Zweiter, doch sein Sturz macht ihn wütend

Honda-Pilot Pol Espargaro startet stark ins letzte MotoGP-Wochenende der Saison, doch der Spanier übt Selbstkritik: "Mein Sturz war überflüssig"

Pol Espargaro am Freitag Zweiter, doch sein Sturz macht ihn wütend

Seit dem MotoGP-Test in Misano fühlt sich Pol Espargaro mit der Honda RC213V deutlich wohler. Eine veränderte Geometrie und mehr Grip am Hinterrad lassen ihn so attackieren, wie er es gewohnt ist, was sich zuletzt auch in den Ergebnissen widerspiegelte.

Nach dem zweiten Platz beim Grand Prix der Emilia-Romagna und Rang sechs in Portimao will der Spanier die MotoGP-Saison 2021 beim Heimrennen in Valencia mit einem Spitzenergebnis abschließen. Den Trainingsfreitag beendete er jedenfalls schon mal auf einem vielversprechenden zweiten Platz.

Nach dem neuen Rang im verregneten ersten Training fehlten Espargaro am Nachmittag mit einer persönlichen Bestzeit von 1:30.939 Minuten nur zwölf Tausendstel auf den Freitagsschnellsten Jack Miller. Dabei schickte sich der Spanier an, den Ducati-Piloten am Ende noch einzuholen, stürzte aber in Kurve 6.

Pol Espargaro ärgert sich über sich selbst

"Ich bin zufrieden mit dem Tag. Am Morgen war es knifflig, also ging ich nicht so viel Risiko ein. Am Nachmittag wollte ich es mir dann so ein bisschen selbst beweisen und es lief ziemlich gut", resümiert der Honda-Pilot und schiebt selbstkritisch hinterher: "Das einzige Problem war, dass ich zu viel wollte."

 

"Ich wusste, dass ich in ein paar Kurven Probleme mit dem Vorderrad habe. Ich habe zu viel gepusht und bin gestürzt. Deshalb war ich so verärgert. Ich war sauer auf mich selbst, nicht etwa auf das Team oder das Motorrad", erklärt er seine Emotionen.

"Klar gibt es am ersten Tag immer das ein oder andere Problem, das es zu lösen gilt. Aber ich wusste, dass ich stürzen könnte, wenn ich es in einigen Streckenabschnitten übertreibe - und genau das ist passiert. Deshalb war ich wütend, denn ich hätte es verhindern können. Der Sturz war überflüssig", bekräftigt Espargaro.

Wo er in Valencia stark und schwächer ist

Angesprochen auf die Abschnitte, die ihm besser liegen oder noch Schwierigkeiten bereiten, verrät er: "Ich denke, meine größte Schwachstelle ist Kurve 4 (erste Rechts- nach drei Linkskurven). Kurve 2 zählt zu meinen stärkeren Punkten. In den Rechtskurven habe ich etwas mehr riskiert und konnte mir einen Vorteil verschaffen."

"Die erste Kurve war noch etwas feucht, ich denke also, dass es noch Spielraum gibt, um schneller zu sein. Mit dem Vorderrad hatte ich ein paar Probleme. Ich sah, dass einige bereits den harten Vorderreifen ausprobierten. Ich denke, dass wir ihn auch nutzen können, wenn die Streckenverhältnisse besser werden."

"Für den Moment war es aus meiner Sicht aber richtig, beim Medium-Reifen zu bleiben. Gleichzeitig hätten wir den Sturz mit dem harten Reifen womöglich vermeiden können. Aber wie auch immer, wir haben heute gute Arbeit geleistet", so der Spanier.

Honda-Pilot will noch nicht vom Sieg sprechen

Daran will er morgen anknüpfen: "Das Motorrad ist nach dem Sturz nicht allzu sehr beschädigt. Darum sorge ich mich nicht. Und mein Selbstvertrauen ist hoch." Nach Portimao sprach Espargaro sogar von der Möglichkeit, in Valencia um den Sieg zu kämpfen.

Wie steht er jetzt dazu? "Zu sagen, dass ich bereit bin zu gewinnen, wäre verfrüht. Ich würde gerne mit dem Sieg rechnen, aber im Moment sehe ich mich nicht in der Lage dazu", räumt der 30-Jährige ein. "Wir werden die Pace erst morgen sehen. Auf die Bestzeit wird uns dann sicher mehr fehlen, denn die Ducatis sind sehr stark."

Doch Espargaro weiß: "Wir müssen in der Startaufstellung so weit vorne wie möglich starten, um etwas zu erreichen, denn es ist schwierig, auf dieser Strecke zu überholen." Er sei aber zuversichtlich, morgen eine gute Zeitattacke fahren zu können.

"Klar, wenn man für eine Runde pusht, kann immer viel passieren, wie zum Beispiel ein Sturz. Aber ich fühle mich gut, das Motorrad funktioniert gut. Wir müssen noch an der Schwäche am Vorderrad arbeiten, die es mich nicht erlaubt, schneller in die Kurven einzubiegen und später zu bremsen. Trotzdem bin ich insgesamt zufrieden."

Zustand der Strecke in Valencia nicht optimal

Über den Zustand der Strecke äußert sich der Honda-Pilot mit gemischten Gefühlen: "Der Grip ist nicht riesig. Die Strecke wurde vor ein paar Jahren neu asphaltiert, und ich erinnere mich, dass der Asphalt sehr dunkel war. Als ich gestern über die Strecke lief, sah sie allerdings ziemlich gebraucht aus", berichtet Espargaro.

"Das liegt daran, dass hier in Valencia viel gefahren wird. Insofern ist der Grip nicht derselbe wie in den anderen Jahren, als er sehr hoch war. Aber im Trockenen ist er immer noch sehr gut. Nicht so hoch, wie ich es gerne hätte - zum Beispiel in Silverstone." Dort fuhr der Spanier in dieser Saison auf die Poleposition.

Pol Espargaro

Auf seiner Heimstrecke hofft Pol Espargaro auf einen guten Saisonabschluss

Foto: Motorsport Images

Und noch etwas fiel ihm auf: "Der Asphalt ist hier und da gerissen. Das passiert normalerweise an Orten, wo es super heiß und super kalt wird. Oder wo der Untergrund sich stark bewegt. Hier ist das allerdings nicht der Fall, weshalb ich etwas schockiert war."

"Aber trotzdem waren die Zeiten am ersten Tag, selbst nachdem es am Vormittag geregnet hatte und die Strecke schmutzig war, nicht so schlecht", betont Espargaro und relativiert seine Kritik: "Der Grip war recht gut. Ich habe also nicht so viel Grund, mich zu beschweren. Es gibt auch keine Bodenwellen. Es ist in Ordnung."

Weitere Co-Autoren: Germán Garcia Casanova. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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