Pramac-Teammanager: "Razgatlioglu noch kein richtiger MotoGP-Fahrer"
Pramac-Teammanager Gino Borsoi spricht Klartext über Razgatlioglus MotoGP-Rookie-Saison - Der Türke kämpft noch mit den Reifen und der neuen Fahrweise
Einen WM-Punkt hat Toprak Razgatlioglu bisher gesammelt
Foto: Anadolu Anadolu
Superbike-Weltmeister Toprak Razgatlioglu war bei den ersten vier MotoGP-Rennwochenenden oft auf dem Niveau der anderen drei Yamaha-Fahrer, aber da das neue V4-Motorrad noch nicht konkurrenzfähig ist, sind gute Ergebnisse kaum möglich.
Razgatlioglu sprach schon mehrmals davon, dass die Situation "schwierig" sei und es oft "keinen Spaß mache". Aber er versucht, sein Bestes zu geben und die Saison als Lehrjahr zu betrachten.
Pramac-Teammanager Gino Borsoi, selbst ehemaliger Rennfahrer, kann Razgatlioglus Frust verstehen. Als Rookie steht der dreimalige Superbike-Weltmeister noch am Anfang seiner MotoGP-Karriere.
"Nun, meiner Meinung nach muss er seine MotoGP-Mentalität noch verbessern", sagt Borsoi. "Ich kann nicht allzu viel sagen. Er ist noch in diesem Prozess, aber nicht mehr so weit weg wie am Anfang."
"Seine Fortschritte sind klar, aber noch nicht ausreichend, um auf dem Niveau unseres Paddocks zu sein. Er ist ein netter, wirklich professioneller Kerl und gut für uns. Außerdem ist er sehr klug."
"Sobald wir ihm etwas beibringen, versteht er es wirklich. Er versucht, es sofort umzusetzen, wenn er wieder auf die Strecke geht. Wie viele Monate oder Saisons er brauchen wird, um einer der MotoGP-Spitzenfahrer zu werden, weiß niemand."
"Aber er ist definitiv ein talentierter, ein kluger Fahrer. Ich hoffe, dass es wirklich bald so weit sein wird." Razgatlioglu versucht, auch von seinen drei erfahrenen Markenkollegen zu lernen.
Beim Montagstest in Jerez war auch Yamaha-Testfahrer Andrea Dovizioso in der Pramac-Box und unterhielt sich mit dem Türken. "Ich vertraue ihm immer, ich höre ihm immer zu", sagt Razgatlioglu über den dreimaligen MotoGP-Vizeweltmeister.

Toprak Razgatlioglu und Teammanager Gino Borsoi
Foto: Icon Sportswire
"Er ist sehr wichtig für mich, weil er das Geschehen manchmal von außen beobachtet und immer versucht, mir zu helfen und einen Weg zu finden. Er erklärt es mir, aber es ist nicht leicht, es umzusetzen."
"Wenn ich ihn in meiner Box sehe, freue ich mich immer, weil er mir wirklich hilft, den MotoGP-Stil zu verstehen. Wir arbeiten sehr oft zusammen." Ein weiterer wichtiger Bereich ist das Verständnis der Michelin-Reifen.
Borsoi: Das Motorrad fährt Toprak
Razgatlioglus Zeitpunkt für den MotoGP-Wechsel kam deshalb für Borsoi zu einem denkbar schwierigen Moment: "Er muss sich an die Michelins anpassen, die sich von den Pirellis komplett unterscheiden."
"Und dann muss er nächstes Jahr alles vergessen. Es war ehrlich gesagt der schwierigste Moment, um in unser Fahrerlager zu kommen. Es ist eine große Aufgabe, aber er kann das schaffen."
"Toprak ist hierhergekommen, weil er zeigen will, dass er schnell ist. Im Moment kann er das aus verschiedenen Gründen nicht. Erstens, weil ihm etwas Erfahrung fehlt. Zweitens, weil das Motorrad es im Moment nicht zulässt."
"Aber er hat drei Weltmeisterschaften gewonnen. Natürlich wird er es nie akzeptieren, hinten zu sein. Das ist klar, das verstehe ich. Wahrscheinlich hätte jemand anderes viel früher die Nerven verloren."
"Jemand anderes hätte viel früher angefangen, auf den Tisch zu hauen. Ich habe es schon vorher gesagt: Er muss noch einige Dinge verbessern, um ein richtiger MotoGP-Fahrer zu sein."
"Aber nicht weil er das Talent nicht hätte, sondern weil ihm die Erfahrung fehlt", so Borsoi. "Das Hauptproblem für ihn ist im Moment, die Reifen zu verstehen. Ehrlich gesagt hat er große Schwierigkeiten mit dem Vorderrad, beim Anbremsen."
"Er merkt, dass er nicht so bremsen kann, wie er es möchte. Dann spricht er hin und wieder über die Motorbremse, dass die Elektronik für ihn nicht funktioniert. Aber es ist wirklich eine Kombination von Dingen, die ihn am Fahren hindern."
Deshalb meint Borsoi, dass Razgatlioglu derzeit noch mehr ein "Passagier" ist: "Im Moment fährt mehr das Motorrad ihn, als dass er das Motorrad fährt. Es gibt Momente wie in Amerika oder sogar im letzten Teil des Rennens in Jerez."
"Da war er derjenige, der das Motorrad gefahren hat. Er war am Ende schneller als am Anfang. Das hat neue Diskussionen angestoßen. Wir untersuchen nun, warum er es schafft, am Ende schneller zu sein als am Anfang mit neuen Reifen. Es ist absurd, aber es ist ein Ausgangspunkt, der uns helfen kann."
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