Quartararo in Mugello makellos: "Er macht den Unterschied", sagt Rossi

Fabio Quartararo sichert sich in Mugello den dritten Saisonsieg und baut seine WM-Führung aus - Anerkennung gibt es dafür auch von Valentino Rossi

Quartararo in Mugello makellos: "Er macht den Unterschied", sagt Rossi

"Hier hat wahrscheinlich niemand damit gerechnet, eine Yamaha, eine Suzuki und eine KTM auf dem Podium zu sehen", sagt Fabio Quartararo nach seinem Sieg beim Grand Prix von Italien. Denn der MotoGP-Kurs in Mugello gilt eigentlich als Ducati-Strecke. Der Hersteller konnte die letzten vier Rennen hier gewinnen.

Nicht so an diesem Sonntag: Nach dem Sturz von Francesco Bagnaia, der in Führung liegend in Arrabiata 2 (Kurve 9) früh aus dem Rennen ausschied, war Quartararo dem Feld nach einem kurzen Kampf mit Johann Zarco (Pramac-Ducati) schnell enteilt. Dank einer fehlerfreien Vorstellung kam er mit großem Vorsprung ins Ziel.

"Es fühlt sich gut an zu gewinnen, vor allem weil ich diesen Sieg Jason widmen kann", gedenkt Quartararo dem verstorbenen Moto3-Piloten Jason Dupasquier, der nach einem schweren Sturz im Qualifying seinen Verletzungen erlag.

Sieg in Gedenken an Jason Dupasquier

"Es war schwierig, im Rennen fokussiert zu bleiben, insbesondere nach der Schweigeminute", gibt der MotoGP-Rennsieger zu. "Aber als es losging, sagte ich mir: Denke nicht über die Ducatis nach, über die anderen Fahrer und deren Pace - zieh es durch. So mag ich es, Rennen zu gewinnen. Dieser Sieg ist für ihn und seine Familie."

Dass Yamaha den Ducatis in Mugello nicht nur Paroli bieten, sondern sie auch besiegen konnte, führt Quartararo auf zwei Dinge zurück. "Wir haben ein gutes Gesamtpaket. Unser Topspeed ist zwar nicht der beste, aber wir haben jetzt auf zwei Strecken gewonnen, wo eigentlich die Ducatis als Favorit galten - in Katar und hier."

"Was uns gefehlt hat, war das Start-Device für die Front", erklärt er weiter. "Unsere Starts waren schrecklich und jetzt haben wir uns stark verbessert." Denn Yamaha kann jetzt nicht nur das Heck, sondern auch die Front des Bikes absenken.

Quartararo lobt neues Holeshot Device

"Ich denke, wir haben ein großes Potenzial. Es war unser erster Start mit dieser Vorrichtung und wir haben nur eine Position verloren - hier in Mugello. Das zeigt, wie gut es funktioniert", betont Quartararo, der sich am Start nur Bagnaia geschlagen geben musste. In den Trainings hatte er das neue System zuvor ausgiebig getestet.

"Bei den Übungsstarts war es merkwürdig, weil das Motorrad so tief liegt. Daran muss man sich gewöhnen, gerade am ersten Bremspunkt. Aber das Gefühl war gut und mir ist eine gute Bremsphase in Kurve 1 gelungen", freut sich Quartararo. Zum erwarteten Kampf mit Bagnaia kam es nach dessen Sturz in Runde zwei nicht.

"Wir haben über die Kurve, in der er gestürzt ist, in der Safety Commission gesprochen", verrät Quartararo. "Der Randstein ist dort kritisch, weil er etwas niedriger ist. Wenn man zurück auf die Strecke fährt, kann einem da schnell das Vorderrad wegklappen. Deshalb fährt dort normalerweise auch keiner auf den Randstein."

Bagnaias Sturz bereits kommen sehen

Doch Bagnaia sei etwas weiter hinausgetragen worden als normal: "Er ist lange auf diesem Randstein geblieben, deshalb habe ich es kommen sehen. Hinzu kam der Wind, der uns in diese Richtung gepusht hat. Da passieren leicht Fehler."

"Es ist schade für ihn, aber ich habe die Gelegenheit natürlich genutzt", erzählt Quartararo weiter. "Der Kampf mit Zarco hat mir gefallen. Ich war so glücklich, nach drei oder vier Runden als Erster in die erste Kurve einzubiegen." Zuvor hatte der Pramac-Pilot ihn dank der Ducati-Power am Ende der Geraden immer wieder passiert.

Bei freier Fahrt konnte sich Quartararo dann schnell einen komfortablen Vorsprung erarbeiten und blieb das ganze Rennen über fehlerfrei. Die starke Performance führt er zum einen auf Fortschritte bei Yamaha, aber auch seine persönliche Entwicklung zurück. "Ich habe im vergangenen Jahr viel dazu gelernt", sagt der 22-Jährige.

Als Fahrer und Person "reifer geworden"

"Nach dem Doppelsieg zum Saisonstart führte ich auf einmal die WM an. Da fragt man sich schon: Was passiert hier gerade?" Danach wollte er oft zu viel, machte Fehler, stürzte und schloss die Saison auf einem enttäuschenden achten Platz ab.

Fabio Quartararo

Quartararo sieht sich im dritten MotoGP-Jahr als Fahrer und Person gestärkt

Foto: Motorsport Images

"Jetzt bin ich reifer geworden, nicht nur als Fahrer, sondern auch als Person. Und das hilft uns in unserer Arbeitsweise an einem Rennwochenende", analysiert der Yamaha-Pilot, der sich auch mit der M1 wieder deutlich wohler fühlt als im Vorjahr.

"2019 hatte ich mit dem Motorrad ein wirklich gutes Gefühl für die Front. Ich konnte das Limit spüren. 2020 war das nicht der Fall. Ich war schnell, aber ständig in Sturzgefahr. Jetzt ist das Gefühl für die Front wieder da. Das ermöglicht mir, ans Limit zu gehen und die Situation besser zu kontrollieren", erklärt Quartararo.

Lob von Rossi: "Er ist Favorit auf den Titel"

Sein Markenkollege Valentino Rossi glaubt aber, dass das weniger am Motorrad als vielmehr am Fahrer liegt. "Ich denke, Quartararo macht den Unterschied - und das nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Schon in Katar und Portugal war er sehr stark, auch in Jerez, wo er aber das Problem mit dem Arm hatte", so der Italiener.

"In Le Mans waren es schwierige Bedingungen für Yamaha. Aber hier hat er sein Maximum gegeben und keine Fehler gemacht. Er ist sehr stark auf einer Runde, was in der MotoGP heute sehr wichtig ist. Er ist in einer bestechenden Form."

"Wenn er diese Probleme mit dem Arm lösen konnte, ist er der Favorit auf den Titel, weil er der Schnellste ist", legt sich Rossi nach sechs Rennen fest. "An diesem Wochenende konnte nur Pecco mit ihm mithalten, doch leider unterlief ihm ein Fehler. Sonst wäre der Kampf zwischen den beiden sicherlich spannend geworden."

In der WM liegt Quartararo jetzt mit 105 Punkten vor Zarco (81) und Bagnaia (79). Über seinen Arm sagt er: "Heute gab es keinerlei Probleme damit. Ich denke, Mugello ist eine der physisch anspruchsvollsten Strecken. Insofern bin ich sehr glücklich, die Operation gehabt zu haben. Sie kam zum genau richtigen Zeitpunkt."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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