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Interview

Quartararo-Interview: "Denke jeden Abend über diesen ersten Honda-Test nach"

Fabio Quartararo spricht im Interview über seinen bevorstehenden Wechsel von Yamaha zu Honda: Was ihn überzeugt hat und wie er sich jetzt fühlt

Quartararo-Interview: "Denke jeden Abend über diesen ersten Honda-Test nach"

Fabio Quartararo sehnt seinen Wechsel von Yamaha zu Honda schon herbei

Foto: Gold Gold

Das folgende Exklusiv-Interview mit Fabio Quartararo fand am vergangenen Wochenende im Fahrerlager von Misano statt, geführt von unseren Kollegen der spanischsprachigen Ausgabe von Motorsport.com, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network. Das Gespräch geschah vor dem Hintergrund gewisser Spannungen zwischen Quartararo und Yamaha.

Nachdem sein Wechsel zu Honda für die MotoGP-Saison 2027 bestätigt worden ist, absolviert der Weltmeister von 2021 derzeit nur noch eine Art Übergangssaison, in der er mit der Frustration zu kämpfen hat, auf einem Motorrad anzutreten, das derzeit weit entfernt davon ist, wo es sein müsste.

Zu allem Übel wird Yamaha Quartararo daran hindern, am kommenden Montag am Test in Spielberg (Österreich) teilzunehmen. Dort hätte er die Pirelli-Reifen testen können, die ab 2027 zum Einsatz kommen werden. Das zündete die Lunte und vergiftete nur noch mehr ein Verhältnis, das einst wie ein Märchen begann, aber auf weit weniger idyllische Weise enden wird.

Frage: "Fabio, wenn Sie zurückblicken, was werden Sie Ihrer Meinung nach aus Ihren letzten Jahren bei Yamaha mitnehmen?"

Fabio Quartararo: "Die Fähigkeit, nach einem Jahr 2024 zu reagieren, das überhaupt nicht einfach war. Als wir damals ein Motorrad hatten, das besser funktionierte, insbesondere auf eine Runde, wusste ich, wie ich reagieren musste. Auch wenn wir in einigen Rennen nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt haben, konnte ich mir zumindest wieder beweisen, dass ich den Speed immer noch habe."

Frage: "Was hat die Atmosphäre zwischen beiden Seiten so angespannt gemacht?"

Quartararo: "Ich glaube, es liegt daran, wie viel Zeit wir damit verbracht haben, um Positionen zu kämpfen, die nicht die waren, die wir uns ausgerechnet hatten. 2021 haben wir um die Weltmeisterschaft gekämpft. 2022 waren wir im Titelkampf dabei, auch wenn wir ihn nicht gewonnen haben."

"Aber dann gab es drei Jahre in Folge, nämlich 2023, 2024 und 2025, in denen wir wirklich nicht um das gekämpft haben, was wir wollten. Es gab schwierige Momente und ich glaube, es hängt alles sehr stark damit zusammen."

Fabio Quartararo

Die Verbindung Quartararo/Yamaha endet mit Saisonende 2026

Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images

Frage: "Gab es keinen weniger unangenehmen Weg, diese Beziehung zu beenden?"

Quartararo: "Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, beide Seiten haben versucht, ihr Bestes zu geben. Es gab zwar angespanntere Momente, aber was in der Presse erscheint, wird aufgebauscht. Dadurch wirken die Dinge viel schlimmer als sie tatsächlich sind. Natürlich hätte es besser laufen können, aber man sollte auch nicht denken, dass dies ein Krieg ist."

"Es ist wie in einer Beziehung. Es gibt schwierige Momente, das ist normal. Wir haben noch drei gemeinsame Monate vor uns. Nach acht gemeinsamen Jahren ist jetzt nicht die Zeit für Streit. Wir werden das Ganze so gut wie möglich zu Ende bringen. Ich hoffe, dass wir in Zukunft positiv über alles das sprechen können, was wir erreicht haben."

Frage: "Wie lautet Ihre Einschätzung des Projekts selbst? Was sind die Schwachstellen oder Probleme, die Sie daran gehindert haben, so große Fortschritte zu machen, wie Sie erwartet hatten?"

Quartararo: "In diesem Jahr hat mich der erste Test, den wir in Barcelona absolviert haben, positiv überrascht. Aber dann ist es uns insgesamt nicht gelungen, einen Schritt nach vorne zu machen. Wenn man ein neues Motorrad an den Start bringt, gibt es viele Dinge anzupassen."

"Wir haben es aber nicht geschafft, Fortschritte in Sachen Geschwindigkeit, Kurvenverhalten, Grip oder Motorleistung zu erzielen. Für mich ist es schwierig, eine genaue Einschätzung abzugeben. Ich bin mir sicher, dass die Leute bei Yamaha diese technischen Fragen besser beantworten können als ich."

Frage: "Glauben Sie, es lag an einem Mangel an Ressourcen oder Investitionen?"

Quartararo: "Ich weiß nicht, wie hoch das Budget von Yamaha ist. Das ist so, als würde man zum Arzt gehen und den Patienten um die Diagnose bitten. Was ich will, sind Verbesserungen, die Ergebnisse bringen. Dafür bin ich hier."

Frage: "Nächstes Jahr wechseln Sie zu Honda. Es kommen Pirelli-Reifen zum Einsatz, und Sie werden nur sehr wenige Testtage haben, um sich an das Motorrad und die Reifen anzupassen. Machen Sie sich Sorgen, dass Sie vielleicht nicht vollständig vorbereitet zum ersten Rennen antreten werden?"

Quartararo: "Bei den Tests bekommt man ein Gefühl für das Motorrad, aber ich kann nicht sagen, dass ich beim ersten Rennen antrete und mein Ziel der Sieg sein wird. Das wäre nicht richtig. Vielleicht fahre ich zwei Tage mit dem Motorrad und fühle mich unglaublich gut. Aber klar ist, dass wir in den ersten paar Grand Prix weiter dazulernen müssen."

"Wenn ich mich bereit fühle, um das Podium oder den Sieg zu kämpfen, werde ich es versuchen. Aber wir können nicht erwarten, dass wir gleich mehrere Schritte überspringen können. Nur weil ich zu Honda wechsle, heißt das nicht, dass das Motorrad plötzlich das beste sein wird. Wir müssen arbeiten, Anpassungen vornehmen und Schritt für Schritt vorgehen. Schritt für Schritt, aber zügig."

Frage: "Yamaha lässt Sie nicht am Montagstest in Österreich teilnehmen, was bedeutet, dass Sie die Pirelli-Reifen nicht testen können. Finden Sie die Haltung des Herstellers nicht bis zu einem gewissen Grad logisch?"

Quartararo: "Aus meiner Sicht ja, sie ist logisch. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, weniger. Aber ich möchte lieber nicht näher darauf eingehen, um mich nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Wenn ich an Yamahas Stelle gewesen wäre, hätte ich vielleicht dasselbe getan."

Frage: "Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, wie Ihr erster Einsatz auf der Honda beim Valencia-Test verlaufen wird? Machen Sie sich Sorgen, dass es vielleicht nicht so laufen könnte, wie Sie sich das vorstellen?"

Quartararo: "Um ehrlich zu sein, denke ich jeden Abend, wenn ich ins Bett gehe, darüber nach, wie dieser erste Einsatz mit der Honda verlaufen wird. Aber ich denke nicht nur über diesen Test in Valencia nach."

"Es wird ein bisschen seltsam sein, denn ich habe meine gesamte Karriere bei Yamaha verbracht und es ist eine sehr große Veränderung. Es ist nicht Nervosität. Es ist Aufregung und Anspannung. Aber ich habe mich entschieden, dorthin zu gehen, weil ich alles geben werde, was ich habe."

Frage: "Was hat Sie letztendlich davon überzeugt, sich dem Honda-Projekt anzuschließen?"

Quartararo: "Es ist eine komplizierte Situation, die sich nicht vollständig erklären lässt. Es kam ein Punkt, an dem ich mich von Yamaha trennen und nach einem neuen Projekt suchen wollte. Wir hatten Treffen mit mehreren Herstellern, darunter auch Honda."

"Bei diesen Treffen hatte ich viele Fragen, und abgesehen davon, dass sie mir diese beantwortet haben, wurden mir bei Honda Aspekte des Projekts gezeigt, die mich dazu bewogen haben, mich dafür zu entscheiden."

Fabio Quartararo

Fabio Quartararo ist überzeugt, noch immer seinen alten Biss zu haben

Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images

Frage: "Als Sie sich für Honda entschieden haben, war Ducati das Maß aller Dinge. Warum haben Sie nicht versucht, eine Ducati zu bekommen?"

Quartararo: "Weil ich glaube, dass Honda seit einigen Jahren eine Phase durchläuft, in der das Unternehmen wieder gewinnen will. Das Unternehmen setzt alle seine Ressourcen darauf an, ein Comeback zu schaffen. Mit den Regeländerungen, den neuen Motorrädern und den neuen Reifen glaube ich, dass Honda für eine Überraschung sorgen und ein sehr konkurrenzfähiges Motorrad auf die Beine stellen kann."

Frage: "Machen Sie sich keine Sorgen, dass jemand wie Marc Marquez Honda aus ähnlichen Gründen verlassen hat, wie es jetzt bei Ihnen und Yamaha der Fall ist?"

Quartararo: "Ich glaube, sie haben es verstanden. Honda hat den besten Fahrer überhaupt verloren. Da haben sie verstanden, was Marc gefordert hat. Ihnen wurde klar, dass sie viel aggressiver vorgehen mussten. In den vergangenen zwei Jahren hat Honda einen ziemlich großen Schritt nach vorne gemacht."

Frage: "Hast Sie mit Marc darüber gesprochen?"

Quartararo: "Nein, gar nicht."

Frage: "Es ist schon eine Weile her, seit Sie regelmäßig um Siege gekämpft haben. Woher wissen Sie, dass Sie diesen 'Biss', Ihren Siegeshunger, nicht verloren haben?"

Quartararo: "Weil ich ihn hier spüre (berührt sein Herz; Anm. d. Red.). Es ist wie bei einem Hund, der drei Tage lang nichts gefressen hat. Wenn er Futter vor sich hat, sieht man, wie er sich darauf stürzt. Im Moment bin ich dieser Hund."

"Ich weiß, dass ich es schaffen werde, wenn ich eine echte Chance auf den Sieg oder einen Kampf um Spitzenplätze bekomme. Das haben wir im vergangenen Jahr in Silverstone gesehen. Die Umstände haben es mir dort ermöglicht, um den Sieg zu kämpfen, und ich war zur Stelle. Ich habe immer noch denselben Biss."

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