Quartararo nach Sturz verletzt: V4-Yamaha offenbart noch massive Schwächen
Fabio Quartararo muss den Sepang-Test nach nur einem Tag abbrechen - Dennoch benennt der Yamaha-Star die großen Schwächen des neuen V4-Bikes klar
Fabio Quartararo muss seine Yamaha schon nach einem Testtag abstellen
Foto: Getty Getty
Der MotoGP-Test in Sepang hat für Fabio Quartararo ein abruptes Ende gefunden. Nach einem heftigen Sturz am ersten Testtag in Kurve 5 muss der Yamaha-Pilot seine Teilnahme vorzeitig abbrechen. Eine Fingerfraktur und Schmerzen im Arm zwingen ihn, die verbleibenden zwei Testtage auszulassen.
"Der Arm tut ein bisschen weh, aber der Finger ist gebrochen. Deshalb haben wir entschieden, die nächsten zwei Tage nicht mehr zu fahren", erklärt Quartararo.
Es sei zwar schade, denn natürlich wolle er testen, "aber es hat keinen Sinn, zwei weitere Tage zu riskieren". Für ein Rennwochenende hätte er sich durchgebissen, betont der Weltmeister von 2021, doch im Test sei Vorsicht wichtiger, auch mit Blick auf den Saisonauftakt. "Vor allem für den Finger ist es besser so."
Dieser bereite ihm die meisten Probleme. Zwar habe er beim Bremsen keine Einschränkungen: "Ich kann mit einem Finger bremsen, das ist okay." Schwieriger sei alles, was Bewegung ins Bike bringe: "Sobald man die Richtung ändern muss oder über einen Kerb fährt, tun die Vibrationen weh. Und es blutet seit heute Morgen."
Rätselhafter Highspeed-Crash in Sepang
Der Abflug selbst kam für Quartararo überraschend. In der schnellen Rechtskurve rutschte er übers Vorderrad weg, ohne genau zu wissen, warum. "Ich war noch gar nicht richtig in Schräglage. Ich weiß nicht wirklich, was passiert ist. Es war ein Sturz bei hohem Tempo und ich bin ziemlich weit ins Kiesbett geflogen."

Quartararos Blessuren waren im Gespräch mit der Presse deutlich sichtbar
Foto: Icon Sportswire
Unterm Strich zeigte sich der Franzose fast erleichtert, dass er sich dabei nicht noch mehr getan hat: "Nach diesem Crash hätte es viel schlimmer ausgehen können."
Nach dem Sturz saß der Yamaha-Fahrer noch einmal auf: "Ungefähr 15 Runden bin ich danach noch gefahren", bevor gemeinsam mit dem Team die Entscheidung fiel, den Test abzubrechen. "Es gab ein paar nützliche Dinge zu testen, aber dann haben wir entschieden aufzuhören. Wir sind nach Hause gefahren."
Viel Testarbeit, aber große Baustellen
Trotz des frühen Aus kann Quartararo auf die vorangegangenen Tage - inklusive Shakedown - aber zumindest teilweise positiv zurückblicken. Weniger Set-up-Arbeit, mehr Grundlagenforschung mit dem neuen V4-Bike habe auf dem Plan gestanden.
"Wir haben viele Dinge getestet. Natürlich wissen wir, dass uns noch viel fehlt, besonders bei der Pace", so der 26-Jährige. "Wir sind noch sehr, sehr weit weg. Aber ich weiß, dass das Team hart arbeitet." Sein Blick richtet sich nun bereits nach vorne: "Ich drücke die Daumen, dass wir für Thailand etwas haben."
Dort wird am 21. und 22. Februar noch einmal getestet - die letzte Gelegenheit, um die Motorräder für den Saisonauftakt Anfang März (ebenfalls in Thailand) fit zu machen.
Quartararo: Topspeed und Turning fehlen
Welche Problemzonen anzugehen sind, weiß Quartararo genau. "Das Hauptthema ist der Topspeed, und dass das Bike überhaupt nicht einlenkt." Das Turning sei weit von der einstigen Stärke der Yamaha entfernt. Doch der Franzose macht klar: "Das ist normal. Es ist der Beginn des Projekts. Es gibt noch viel Spielraum."
Die einzigen Fortschritte im Vergleich zum Vorjahresmotorrad sieht er beim Verzögern. "Wir können mit beiden Rädern etwas besser stoppen." Das Motorrad sei dadurch stabiler am Heck. Beim Grip hingegen herrsche weiter Stillstand.
"In Sachen Grip ist es nicht besser. Das Einzige, was wir gewonnen haben, ist, dass wir leichter bremsen können. Ansonsten gibt es nicht viele Verbesserungen."
Rins bestätigt Quartararos Feedback
Durch Quartararos Ausfall lastet die Testarbeit in Sepang nun auf den Schultern von Teamkollege Alex Rins sowie den Testpiloten Augusto Fernandez und Andrea Dovizioso.
Rins spulte am ersten Tag ein umfangreiches Programm ab und zog ein insgesamt positives Fazit. "Wir sind viele Runden gefahren. Es war ein bisschen schade in den ersten Stints, weil wir den Medium-Reifen nutzen mussten. Mit den weichen Reifen haben wir dann einige Schwingen getestet", verrät der Spanier.
"Insgesamt war es ein guter Tag. Wir haben uns verbessert und einen Schritt nach vorne gemacht", ergänzt Rins, wenngleich er einräumt: "Dieses Bike hat noch nicht viele Kilometer zurückgelegt. Es fehlt etwas Power, aber die Rundenzeit ist nicht schlecht."
Ähnlich wie Teamkollege Quartararo sieht auch er beim Kurvenverhalten der V4-Yamaha das größte Entwicklungspotenzial: "Wir haben versucht, mehr Turning finden. Das initiale Einlenken war etwas schlechter als beim Bike vom letzten Jahr." Neben der Schwinge spiele dabei auch das Chassis eine Rolle, so Rins.
Fokus richtet sich auf Basisabstimmung
Für den Rest des Tests sei das Hauptziel, eine Basis zu finden. Die wichtigsten neuen Teile seien bereits beim Shakedown und am ersten Testtag bewertet worden.
"Jetzt geht es mehr um die Abstimmung als um neue Teile. Unser Fokus für die nächsten zwei Tage liegt also darauf, zu fahren, das Motorrad ein bisschen besser zu verstehen und die Abstimmung zu optimieren, erklärt der Yamaha-Pilot. Denn bislang habe man praktisch noch kein echtes grundlegendes Set-up erarbeitet.
Ob diese Basis rechtzeitig gefunden wird, lässt Rins offen. "Die Plattform, die wir jetzt haben, besteht nur aus den Teilen, die wir getestet haben." Deshalb liege noch einiges an Arbeit vor dem Team, vor allem mit Blick auf Rennsimulationen.
Immerhin: Die grundlegende Entwicklungsarbeit - also zu entscheiden, welche neuen Teile funktionieren und welche nicht - sei bereits erledigt. "Jetzt müssen wir anfangen, wirklich für das Racing zu arbeiten", blickt Rins auf die nächsten Tage.
Quartararo trotz Wechselgerüchten motiviert
Auch wenn Quartararo dabei nicht aktiv ins Geschehen eingreifen wird, dürfte er dennoch im Gespräch bleiben, insbesondere wegen dynamischen Lage auf dem Fahrermarkt.
Dass er von anderen Herstellern umworben wird, wertet der Franzose positiv: "Ich bin lieber in dieser Position, als keinen Platz für nächstes Jahr zu haben. Also ist alles positiv." Auch mental sieht er kein Problem darin, weiter Vollgas zu geben und motiviert zu bleiben, selbst wenn seine Zukunft anderswo liegen sollte.
"Ich lebe im Moment. Ich will immer mein Bestes geben", betont er und versichert, dass seine Motivation für das Yamaha-Projekt trotz allem ungebrochen sei. "Genau das hält mich motiviert: wirklich involviert zu bleiben und alles zu geben."
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