Quartararo verzweifelt an V4-Yamaha: "Ich bin komplett verloren"
"Nur Überleben" statt Angriff: Die V4-Yamaha reagiert für Fabio Quartararo unberechenbar - Toprak Razgatlioglu gibt für Platz 14 alles und ist enttäuscht
Fabio Quartararo erlebte auch in Brünn ein frustrierendes Wochenende
Foto: Gold Gold
Toprak Razgatlioglu war beim Grand Prix von Tschechien in Brünn der beste Fahrer im "Yamaha-Cup". Im Sprint konnte er in der Anfangsphase Fabio Quartararo überholen und wurde Elfter. Den Grand Prix beendete Razgatlioglu nach dem späten Ausfall von KTM-Fahrer Pedro Acosta als 14.
Trotzdem war der Frust der Yamaha-Fahrer auch in Brünn groß. Das traf vor allem auf Quartararo zu. Bereits nach Platz 13 im Sprint fand der ehemalige Yamaha-Weltmeister gegenüber Canal+ wie so oft deutliche Worte.
"Ich habe nichts gespürt, es ging nur ums Überleben", so Quartararo. "Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, wie es zwischen Vormittag und Nachmittag zu einer so großen Veränderung am Motorrad kommen konnte."
"Ja, es ist frustrierend. Am Vormittag war es nicht überragend, aber auch nicht so schlecht wie am Nachmittag. Das Gefühl für das Motorrad verändert sich jedes Mal, egal ob Sprint oder Rennen."
"Es wirkt so, als wäre ich in der ersten Runde komplett verloren. Ich habe keine Ahnung, warum. Es ist ein seltsames Gefühl auf dem Motorrad. Eigentlich ist das Gefühl nicht so schlecht, aber in den ersten Runden bin ich komplett verloren."
Bei der Krisensitzung in der Yamaha-Box wurde die Situation analysiert. Laut Quartararo hat man dabei herausgefunden, dass er im Sprint in den ersten Runden nicht hart genug gebremst hat.
"Wir haben darüber gesprochen, dass ich zu Beginn des Rennens später bremsen muss." Das versuchte der Franzose im Grand Prix umzusetzen. Von Startplatz 13 hielt er in der ersten Runde seine Position, verlor also nicht wie im Sprint.
Aber aus der zweiten Runde kehrte Quartararo nicht mehr zurück. Er war in Kurve 8 gestürzt. "Ehrlich gesagt wollte ich einfach pushen, aber wenn man wirklich pusht, passiert genau das", kommentiert er seinen Sturz.
"Ich ziehe das vor, anstatt einfach nur hinterherzufahren und 1,5 Sekunden langsamer zu sein. Selbst im Qualifying liegen wir am Ende eine Sekunde zurück. Ich versuche einfach, meine beste Leistung zu bringen."

Der ehemalige Weltmeister will die Saison nur noch heil hinter sich bringen
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
Aber mit der neuen V4-Yamaha kommt Quartararo einfach nicht klar: "Im vergangenen Jahr wusste ich, was ich tue. Ich wusste, wo das Limit ist, ich wusste, wo ich pushen kann."
"In diesem Jahr bin ich verloren, was das Potenzial des Motorrads angeht. Sicher, das Potenzial ist nicht da, aber selbst wenn kein Potenzial da ist, gibt es trotzdem ein Limit." Sein Motto lautet, die Saison heil und unverletzt zu überstehen.
Razgatlioglu: "In der Superbike-WM habe ich gewonnen"
Rätsel hat auch weiterhin Razgatlioglu. Er versteht nicht, warum er zwar im Rennen eine respektable Pace fahren kann, sich aber im Qualifying mit einem neuen Reifen nicht deutlich steigern kann.
"Das Qualifying ist für mich immer sehr schlecht. Ich fahre die Zeitattacke wie im Rennen, nicht wie eine echte Zeitattacke. Das ist das Problem. Im Rennen akzeptiere ich diese Performance, weil ich mich kenne."
"Im Rennen kann ich den Hinterreifen, den Grip und das Bremsen gut managen. Ich weiß das, weil ich immer so fahre. Nur bei der Zeitattacke fällt es mir schwer, den Fahrstil zu ändern."

Der "Yamaha-Cup" findet am Ende des Feldes statt
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
Auch im Grand Prix fuhr Razgatlioglu am absoluten Limit. Sein Problem ist, dass er an die Gruppe zuvor zwar heranfahren kann, aber dann mit dem schwachen Yamaha-Motor keine Möglichkeit hat, andere Fahrer zu überholen.
"Am Anfang hatte ich keinen Spaß", sagt er über sein Rennen in Brünn. "Gegen Ende fing ich an, es zu genießen, weil ich nach etwa zehn Runden angefangen habe, das Motorrad richtig zu fahren. Die Rundenzeiten wurden besser."
"Ich kämpfe im Moment vor allem gegen mich selbst. Ich gebe nie auf. Ich pushe immer mehr als 100 Prozent. Ich rede auf dem Motorrad mit mir selbst. In den letzten etwa acht Runden habe ich mir immer wieder gesagt, dass ich nicht aufgebe."
"Denn es ist wirklich schwer, sie einzuholen, glaub mir, wirklich schwer. Sie machen auf der Geraden immer den Unterschied. Aber ich bin froh, dass ich nicht aufgegeben habe. Nur dafür. Denn Platz 14 ist für mich nichts."
"Punkte sind gut, besser als nichts. Aber Platz 14 ist ... Wenn wir in den Top 10 wären, wäre ich wirklich zufrieden. Aber Platz 14 ist für mich nichts", hält Razgatlioglu seine Enttäuschung über die derzeitigen Ergebnisse fest.
"Hier kämpfe ich um Platz 14. In der Superbike-WM habe ich um den Sieg gekämpft. Das ist der große Unterschied." Der dreimalige Superbike-Weltmeister hat in der MotoGP an neun Rennwochenenden bisher elf WM-Punkte gesammelt.

Toprak Razgatlioglu mit seinem Managher Kenan Sofuoglu
Foto: Mirco Lazzari gp/Getty Images
Alex Rins musste seine Yamaha mit einem technischen Problem in der Box abstellen: "Ich habe das Rennen wegen einer Fehlfunktion aufgegeben. Das hat das Fahrverhalten unberechenbar gemacht."
"Ich hatte einen großen Abstand zum Fahrer hinter mir, aber ich wollte kein Risiko eingehen, weil wir ohnehin immer am Limit fahren. Deshalb bin ich an die Box zurückgekehrt. Es ist schade, das Wochenende so zu beenden."
Jack Miller kam im Grand Prix als 16. außerhalb der WM-Punkteränge ins Ziel. Nur sein Kumpel Cal Crutchlow lag mit der LCR-Honda noch dahinter. Auch Miller kämpft mit den Einschränkungen der neuen V4-Yamaha.
Dass sein Pramac-Teamkollege Razgatlioglu in Brünn schneller war, erwähnt Miller lobend: "Ich meine, wie er das Motorrad verzögert, ist wirklich beeindruckend. Vor allem in den Schikanen. Er hatte hier einfach einen guten Rhythmus. Er war stark."
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