Reifen nicht verheizt: So fand Raul Fernandez das entscheidende Limit
Vom Sturz im Sprint zum Sieg am Sonntag: Raul Fernandez gelang in Silverstone eine Meisterleistung - Der Spanier erklärt seinen großen Vorsprung
Raul Fernandez dominierte das Rennen vom Start weg
Foto: AFP
Raul Fernandez erlebte in Silverstone die Höhen und Tiefen eines MotoGP-Wochenendes. Im Qualifying verpasste der Trackhouse-Aprilia-Fahrer seine erste Poleposition um lediglich 21 Tausendstelsekunden.
Nach einem verpatzten Start schied Fernandez im Sprint durch einen Sturz aus. "Was habe ich mir selbst gesagt? Du bist ein Idiot", blickt er auf diesen Crash am Samstag zurück.
"Wir hatten mit Davide [Brivio] darüber gesprochen, keinen Fehler zu machen, und dann habe ich einen dummen Fehler gemacht. Natürlich begann alles mit einem schlechten Start, aber danach habe ich die Situation nicht wirklich gut gemanagt."
"Deshalb war ich ziemlich frustriert mit mir selbst. Heute war ich also sehr fokussiert, denn das Einzige, was ich kontrollieren kann, ist das, was von mir selbst abhängt. Deshalb habe ich mich auf mich konzentriert."
Im Grand Prix lieferte Fernandez eine Meisterleistung ab. Beim Start setzte er sich in der ersten Kurve gegen Polesetter Jorge Martin (Aprilia) durch und fuhr anschließend auf und davon.
Sein Vorsprung wuchs rasch auf bis zu viereinhalb Sekunden an. Machte er sich keine Sorgen, dass der Medium-Hinterreifen nicht bis zum Ende durchhalten würde? "Ich glaube, das Warm-up hat mir geholfen zu verstehen, wo das Limit liegt."
"Ich war ziemlich sauer auf mich selbst und habe vielleicht zu stark gepusht. Dabei habe ich verstanden, dass das Limit des Reifens vielleicht bei einer 58,4 oder 58,5 liegt und man danach direkt versuchen muss, niedrige 59er-Zeiten zu fahren."
"Deshalb habe ich mir über die Leistung des Reifens im letzten Teil des Rennens keine Sorgen gemacht", sagt Fernandez. Dennoch kam Martin im letzten Rennviertel bis auf zwei Sekunden heran. Fernandez teilte sich das Rennen aber perfekt ein.
Jorge Martin wurde keine Gefahr
Deshalb spricht er auch selbst von einem perfekten Rennen: "Jorge kam um etwa drei oder vier Zehntelsekunden näher, und in der nächsten Runde hatte ich wieder meinen Vorsprung von vier Sekunden."
"Darüber bin ich glücklich, denn ich habe das Rennen gemanagt, als würde ich gewinnen - und das auf einer Strecke, auf der ich normalerweise keine guten Ergebnisse erziele."
"Jetzt kann ich vielleicht sagen, dass es eine gute Strecke für mich ist. Jedenfalls bin ich glücklich. Nach der Frustration vom Sprint hat mir das Team geholfen, diese Frustration in gute Energie umzuwandeln, die ich auf dem Motorrad nutzen konnte."
"Ich bin wirklich glücklich. Ich freue mich sehr für mein Team, für Justin, denn ich glaube, dass es das erste Mal ist, dass er einen von uns in der MotoGP gewinnen sieht. Darüber freue ich mich sehr."
Trackhouse-Chef Justin Marks besuchte die MotoGP in Silverstone. Er ist nicht bei jedem Rennen vor Ort, da der Rennstall auch drei Autos im NASCAR-Cup in den USA einsetzt.
Fernandez denkt nicht an eine WM-Chance
Für Fernandez war es der zweite Grand-Prix-Sieg. Im Herbst 2025 gewann er in Australien erstmals. Welcher Sieg war besser? "Ich glaube, Australien war der beste Sieg, weil es nach so vielen Jahren mein erster war."
"Aber natürlich bin ich glücklich, denn dieser Sieg ist etwas Besonderes, weil wir nun drei Podestplätze in Folge geholt haben und heute der Sieg dabei war. Deshalb bin ich glücklich. Jetzt wollen wir mehr."
"Ich bin glücklich und möchte es mit dem Team genießen, aber wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Also: genießen, nach Hause zurückkehren, hart trainieren und stärker zurückkommen."
In der WM-Wertung ist Fernandez Sechster und hat 56 Punkte Rückstand. Trotz seines ersten Saisonsieges sieht er sich nicht unmittelbar im Kampf um den WM-Titel, denn das war in diesem Jahr auch nicht das vorrangige Ziel.
"Wie ich schon zu oft gesagt habe: Ich denke nicht wirklich an die Meisterschaft. Ich glaube, ich habe noch zu viele Dinge zu lernen. Die Fahrer, die vor mir sind, haben viel mehr Erfahrung. Deshalb denke ich immer noch nicht daran."
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