Rivola: Bagnaia "will die schlagen, die andere ihm vorgezogen haben"
Aprilia-CEO Massimo Rivola spricht über Neuzugang Francesco Bagnaia und dessen Motivation, seinen Noch-Arbeitgeber Ducati ab der Saison 2027 zu schlagen
Massimo Rivola holt Francesco Bagnaia für 2027 von Ducati zu Aprilia
Foto: Gold Gold
Ein italienisches Nationalteam in Schwarz, Aprilia-Schwarz. Marco Bezzecchi und Francesco Bagnaia, die neuen "Men in Black". Sie werden keine gefährlichen Außerirdischen jagen, sondern Rivalen, die genauso geschickt wie sie selbst sind, wenn es darum geht, MotoGP-Bikes schnell zu fahren. Bezzecchi und Bagnaia werden das ab der Saison 2027 als Teamkollegen auf der Aprilia RS-GP tun.
Der italienische Hersteller mit Sitz in Noale hat die Verpflichtung von Bagnaia offiziell bekanntgegeben. Der zweimalige MotoGP-Weltmeister hat einen Vierjahresvertrag bis einschließlich 2030 unterschrieben (MotoGP-Transferticker 2027 mit allen offiziell bestätigten Fahrerwechseln).
Zur Saison 2027 übernimmt Bagnaia im Aprilia-Werksteam den Platz von Jorge Martin, der wiederum ins Yamaha-Werksteam wechseln wird. Aprilia-CEO Massimo Rivola erkannte die Chance, Bagnaia zu verpflichten. Und wie schon in anderen Fällen zuvor, so zögerte er auch in diesem Fall nicht eine Sekunde.
Bagnaia und Bezzecchi, beides Mitglieder der VR46-Akademie, werden künftig nicht nur weiterhin gemeinsam trainieren. Sie werden ab der kommenden Saison auch dieselbe Marke und dieselben Farben in der Königsklasse der Motorrad-WM vertreten.
"Einen mehrmaligen Weltmeister zu haben, ist sicherlich eine tolle Chance", sagt Rivola im Gespräch mit der italienischsprachigen Ausgabe von Motorsport.com, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network.
"Die Tatsache, dass er sich für uns entschieden hat, ist definitiv eine Quelle der Motivation. Und die Tatsache, dass er jeden Tag mit Marco trainiert, ist auch ein Zeichen des Vertrauens, das er in uns setzt, wenn man sieht, was Marco erreicht hat."
"Ich glaube, in seinem Kopf denkt er vielleicht: 'Wenn sie es geschafft haben, Marco auf ein so hohes Niveau zu bringen, werden sie das auch mit mir schaffen.' Es ist großartig, dass diese Botschaft da ist. Außerdem ist es eine riesige Motivation, zwei Italiener zu haben, die wirklich außergewöhnlich sind und unsere Flagge stolz auf einem schwarzen Motorrad zeigen können", so der Aprilia-CEO.
Rivola arbeitet "lieber mit Vollblutpferden als mit Eseln"
Aprilia hat bereits Erfahrung mit zwei Spitzenfahren im Team, zum Beispiel in diesem Jahr mit Bezzecchi und Martin. Rivola hat keine Bedenken, zwei Topstars zusammenzubringen. Und er hat auch für die kommenden zwei Jahre keine Bedenken. Sein Motto: Zwei Superstars zu haben ist besser als zwei Fahrer zu haben, die sich zwar gut verstehen, auf der Strecke aber langsamer sind.
"Wie zwei Hähne im selben Hühnerstall miteinander auskommen werden, das werden wir sehen. Ich arbeite lieber mit Champions, mit Vollblutpferden statt mit Eseln. Ehrlich gesagt kennen wir uns mit Vollblütern aus. Denn unsere Erfahrung mit Martin zeigte uns einen Fahrer mit unglaublicher Explosivität, vielleicht sogar zu viel. Das ging soweit, dass er die Aufregung, als Weltmeister zu uns zu kommen, nicht ganz bewältigen konnte."
Damit bezieht sich Rivola auf die Saison 2025, Martins erste bei Aprilia, und darauf, wie der von Pramac-Ducati nach Noale gekommene Weltmeister in seinem ersten Jahr auf der RS-GP mehr Rennen mit Verletzungen verpasst hat als er bestritten hat.
Mit Blick auf sein Fahrerduo für 2027 sagt der Aprilia-CEO: "Ich muss sagen, die Motivation ist groß. Wir haben eine riesige Herausforderung vor uns. Ich glaube auch, dass 'Pecco‘ Mut bewiesen hat, denn abgesehen vom VR46-Faktor und den täglichen Trainingsduellen mit Bezzecchi steckt in ihm auch der Wunsch nach Wiedergutmachung."
"Ich denke, wenn er sich für uns entschieden hat, dann deshalb, weil er glaubt, dass er diejenigen schlagen kann, die andere Fahrer ihm gegenüber vorgezogen haben. Ich sage jetzt nicht, die ihn abgelehnt haben. Aber ich sage, ihm vorgezogen haben, obwohl er derjenige war, der ihnen den WM-Titel zurückgebracht hat."
"Er hat außerdem", so Rivola weiter über Bagnaia, "auf mehr Geld verzichtet, was ihm die japanischen Hersteller angeboten haben. Also, Willkommen an Bord. Das wird für uns eine Chance sein. Ich habe keinen Zweifel, dass wir das Beste daraus machen werden".
Aprilia lässt Fahrer wieder aufblühen: Gelingt es auch mit Bagnaia?
Die Gelegenheit, mit Rivola zu sprechen, war zu gut, um sie ungenutzt verstreichen zu lassen, ohne ihn noch etwas anderes zu fragen. Nämlich, einem talentierten Fahrer zu helfen, nach einer schwierigen Phase wieder zu seiner Bestform zurückzufinden.
"Nehmen wir Maverick [Vinales] als Beispiel", sagt Rivola. "Das war unglaublich. Ein Fahrer, der bei seinem vorherigen Team [Yamaha] völlig den Faden verloren hatte, hat danach ein fantastisches Rennen in Austin gewonnen, und zwar brillant. Das gehört nach wie vor zu den besten Leistungen, die wir in den vergangenen Jahren gesehen haben. Auch Bezzecchi hat enorme Fortschritte gemacht."
"Schauen wir uns auch Martin an. Er kam als Weltmeister zu Aprilia. Und nach einer Saison, wie er sie hatte, ist es toll zu sehen, wie er sein Selbstvertrauen zurückgewinnt. Ich will dabei nicht leugnen, dass es [2025] vielleicht eine instinktive Reaktion seinerseits war, die völlig verständlich und gerechtfertigt war."
"Wenn man bedenkt, welche Verbindung sein Verstand zwischen uns, unserem Motorrad und den Schmerzen, die er durchgemacht hat, hergestellt haben könnte, ist es sehr ermutigend, ihn heute so zu sehen. Sagen wir mal so: Bislang haben wir mit den Fahrern ziemlich gute Arbeit geleistet."
"Der schwierigste Teil liegt jedoch in diesem Jahr noch vor uns", sagt Rivola und bezieht sich dabei auf den WM-Kampf 2026 zwischen den beiden Aprilia-Werkspiloten Bezzecchi und Martin.
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