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Rivola will bei starker Aprilia-Form 2026 "nicht von Dominanz sprechen"

Aprilia-CEO Massimo Rivola über die aktuell starke Phase der Marke, den Ausfall von Ducati-Star Marc Marquez, und technischen Spagat zwischen 2026 und 2027

Rivola will bei starker Aprilia-Form 2026 "nicht von Dominanz sprechen"

Paolo Bonora, Marco Bezzecchi, Massimo Rivola, Jorge Martin, Fabiano Sterlacchini

Foto: Aprilia Racing

Aprilia hat die MotoGP-Szene derzeit klar im Griff. Nach fünf von von 22 Rennwochenenden der Saison 2026 liegt man in der Fahrerwertung mit den beiden Werkspiloten - Marco Bezzecchi und Jorge Martin - auf den ersten zwei Tabellenplätzen, die beiden Piloten vom werksunterstützten Trackhouse-Team - Ai Ogura und Raul Fernandez - rangieren auf den Plätzen fünf und sechs. In der Teamwertung belegen die zwei Aprilia-Teams die ersten zwei Positionen. Und natürlich liegt Aprilia auch in der Herstellerwertung ganz vorn.

Beim Grand Prix von Frankreich in Le Mans am vergangenen Wochenende gab es erstmals in der MotoGP-Geschichte den Fall, dass das Podium komplett von Aprilia-Fahrern besetzt wurde. Jorge Martin feierte seinen ersten Grand-Prix-Sieg mit der Marke aus Noale, WM-Spitzenreiter Marco Bezzecchi, der bereits dreimaliger Saisonsieger ist, belegte P2. Trackhouse-Pilot Ai Ogura errang als Dritter den ersten MotoGP-Podestplatz für sich selbst, für sein Heimatland Japan den ersten seit mehr als 13 Jahren.

Die Aprilia RS-GP26, die sowohl vom Werksteam als auch vom Trackhouse-Team eingesetzt wird, ist derzeit klar das Maß der Dinge im Feld. Mit den innovativen technischen Lösungen, nicht zuletzt dem "F-Duct" nach Formel-1-Vorbild, gräbt Aprilia mit dem diesjährigen Bike bislang sogar Ducati das Wasser ab. Aprilia-CEO Massimo Rivola ist nach dem totalen Erfolg in Le Mans aber bemüht, die Bäume nicht in den Himmel wachsen zu lassen.

Marco Bezzecchi, Jorge Martin

Auf der RS-GP26 hat Bezzecchi schon dreimal und jetzt auch Martin gewonnen

Foto: AFP

"Wir reden hier von einer halben Zehntelsekunde. Die Lücke zu KTM und Ducati ist verschwindend gering", so Rivola, der in diesem Zusammenhang auch daran denkt, dass Ducati-Star Marc Marquez bei den bisherigen Saisonrennen nicht auf der Höhe seines Könnens fahren konnte und seit dem Sprint in Le Mans nun sogar abermals ausfällt, weil er sich sowohl an der rechten Schulter als auch am rechten Fuß hat operieren lassen müssen.

"Ich wünsche Marc alles Gute und hoffe, dass er hundertprozentig fit zurückkommt", sagt Rivola und erklärt: "Schließlich wollen wir gegen das beste Motorrad und den besten Fahrer antreten. Wir wollen sehen, was wir unter den bestmöglichen Bedingungen erreichen können."

Wahrnehmung der Marke Aprilia "heute ganz anders"

Ob mit oder ohne Marc Marquez in Bestform: Die Form, die Aprilia im bisherigen Verlauf der MotoGP-Saison 2026 geschlossen an den Tag legt, die erinnert schon an die Dominanz der italienische Marke, wie sie einst in den kleinen Klassen - damals 125er- und 250er-Klasse - zu sehen war. Hat die aktuell starke MotoGP-Form auch Auswirkungen auf die Absatzzahlen?

Logo: Aprilia Racing

Die MotoGP-Erfolge wirken sich bei Aprilia positiv auf die Verkaufszahlen aus

Foto: Pierre-Louis Le Mouellic

"Auf jeden Fall", versichert Rivola. Seine Erklärung: "Siege, insbesondere MotoGP-Siege, steigern das Ansehen der Marke und den Absatz. Es ist zwar nicht mehr so wie früher, als man am Sonntag gewann und am Montag verkaufte. Es hilft aber auf jeden Fall sehr."

"Die Wahrnehmung von Aprilia ist heute eine ganz andere als noch vor ein paar Jahren. Ich glaube aber nicht, dass wir von einer Phase der Dominanz sprechen können. Es sind erst fünf Rennen gefahren, zwar fünf gute Rennen, aber die Saison ist lang und MotoGP ist nicht 125er oder 250er. Es ist eine ganz andere Nummer", so der Aprilia-CEO.

Nicht zuletzt aufgrund der Situation um Marc Marquez, der mindestens noch den an diesem Wochenende anstehenden Katalonien-Grand-Prix in Barcelona wird aussetzen müssen, deutet zum jetzigen Zeitpunkt vieles darauf hin, dass die beiden Aprilia-Werkspiloten Marco Bezzecchi und Jorge Martin den WM-Titel 2026 unter sich ausmachen.

Rivola hat keine Angst vor 2027 - im Gegenteil ...

Die spannende Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt: Wie wird sich das auf die Entwicklung der 850er-Aprilia für die MotoGP-Saison 2027 mit dem dann gültigen, grundlegend neuen Technischen Reglement auswirken?

"Wenn man mich fragt, welches Motorrad das beste ist, dann sage ich immer, das nächste", grinst Rivola. "Warum? Ganz einfach, weil ich immer wieder sage, dass ich [in Noale] von Jahr zu Jahr ein noch besseres Unternehmen sehe."

"Ein großes Lob an dieser Stelle auch an Fabiano Sterlacchini", verweist der Aprilia-CEO auf den vor eineinhalb Jahren von KTM zu Aprilia gekommenen Technikchef. "Er bringt die letzten Puzzleteile ein, die uns meiner Meinung nach noch gefehlt haben, um ein starkes Unternehmen zu werden: ein Rennsportunternehmen mit einer sehr schnellen Markteinführung, mit einer rennsportorientierten Herangehensweise an Probleme, und mit zügigen Entscheidungen."

Fabiano Sterlacchini

Technikchef Fabiano Sterlacchini hat großen Anteil an den Aprilia-Erfolgen

Foto: Gold & Goose / Getty Images

"Natürlich", so Rivola weiter, "wollen wir mit der RS-GP26 das bestmögliche Ergebnis über die gesamte Saison hinweg erreichen. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass wir für 2027 keinerlei Kompromisse eingehen werden. Fakt ist, dass wir all das Know-how, das wir uns gerade aneignen, in die Entwicklung für 2027 einbringen werden. Obwohl das Reglement ein anderes sein wird, so wird letztlich all das, was wir jetzt lernen, für nächstes Jahr sehr nützlich sein".

Die ersten Testfahrten mit der 850er-Aprilia für die MotoGP-Saison 2027 fanden vor wenigen Tagen in Jerez (Spanien) statt. Im Sattel der Neukonstruktion saß Lorenzo Savadori, der bei Aprilia seit vielen Jahren der offizielle Test- und Entwicklungsfahrer ist und der hin und wieder Wildcard-Einsätze absolviert, oder aber - sofern notwendig - für verletzte Stammfahrer einspringt.

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