Schraube in der Schulter löst sich: Vinales gibt auf und bangt um Zukunft
Eine gelockerte Schraube in der Schulter stoppt Maverick Vinales in Austin - Der Eingriff ist für Dienstag geplant, ein Jerez-Start aber noch ungewiss
Maverick Vinales bestritt in Austin nur das erste Training am Freitag
Foto: Getty Getty
Für Maverick Vinales war das Rennwochenende auf dem Circuit of The Americas, wo er 2024 als Aprilia-Fahrer gewonnen hat, früh vorbei. Nach dem ersten Freien Training musste der Spanier das Handtuch werfen. Das hatte sich bereits am Donnerstag abgezeichnet, aber nach 17 Trainingsrunden herrschte für den Fahrer des Tech3-KTM-Teams Gewissheit.
Seit einigen Wochen hat Vinales wieder Schmerzen in der linken Schulter, die er sich in der vergangenen Saison bei einem Sturz im Qualifying auf dem Sachsenring verletzt hatte. Da die Schmerzen immer stärker wurden, entschied er sich, die Schulter genauer untersuchen zu lassen.
"Ja, nach Brasilien habe ich die Untersuchungen gemacht, weil ich es überprüfen wollte. Donnerstagmorgen habe ich hier ein CT machen lassen", erläutert Vinales. Dabei wurde festgestellt, dass sich eine Schraube gelockert hatte.
Diese Schraube wurde ihm als Folge der Operation auf dem Sachsenring in der Schulter eingesetzt. Dass sie sich gelockert hat, ist wohl erst in den vergangenen Wochen passiert, denn Vinales betont, dass bei den Trainings im Winter mit Jorge Lorenzo alles in Ordnung war.
"Die Sache ist, dass ich mich von Woche zu Woche besser gefühlt habe, ohne Schmerzen. In Sepang [beim Test] war alles normal. Ich war in guter Form, alles war erholt, ich hatte ein gutes Wintertraining absolviert."
"Danach spürte ich nach jedem Training und nach jedem Rennen immer mehr Schmerzen. Jedes Mal hatte ich weniger Kraft und mehr Schmerzen. Also war klar, dass da irgendetwas nicht stimmt. So kann ich nicht weiterfahren, das ist nicht normal."
Das Training in Austin war dann der endgültige Beweis, dass Vinales so nicht weiterfahren kann: "Ich verliere 0,7 Sekunden in nur vier Kurven, wo ich die Richtung wechseln muss. Gerade hier in Austin, wo Sektor eins meine stärkste Stelle war, verliere ich 0,7 Sekunden."
"Es hat also keinen Sinn weiterzumachen, wenn ich nicht auf dem Niveau bin." Immerhin ist er froh, nun die Ursache der Schmerzen zu kennen: "Die Schraube, mit der sie die Sehne befestigt haben, hat sich gelöst. Das ist das Schlimmste daran."

Am Dienstag steht der Eingriff an der linken Schulter bevor
Foto: Getty Images South America
"Das Gute ist, dass die Schraube in einer guten Position ist und die Sehne vollständig verheilt ist, das Labrum ist verheilt, der Knochen ist verheilt. Man müsste sie also theoretisch nur herausnehmen und dann die Reha machen, um zurückzukommen."
Gibt es eine Vermutung, wie sich die Schraube lösen konnte? "Die Ärzte meinten, dass sich die Schraube vielleicht beim Sturz in Malaysia in der letzten Kurve ein kleines bisschen verschoben hat, und dann hat sie sich nach und nach herausgearbeitet."
Vinales macht sich Sorgen um weitere MotoGP-Karriere
Vinales wird nun unmittelbar von den USA zurück nach Europa fliegen, wo für Dienstag der Eingriff geplant ist, um die Schraube zu entfernen. Da das nächste Rennen erst Ende April in Jerez stattfindet, hat er einige Wochen Zeit zur Genesung.
Überstürzen will er ein Comeback aber nicht. Bereits am Donnerstag meinte der 31-Jährige, dass er sich Sorgen um seine Zukunft und seine Karriere macht. Und auch nachdem er sich am Freitag für die Operation entschieden hatte, fand er klare Worte.
"Ich werde nicht fahren, wenn ich in dieser Verfassung bin. Ich werde keinen Vertrag bekommen, weil ich offensichtlich zu 100 Prozent fit zurückkommen muss und dann verstehen muss, ob ich vollständig fit bin, um auf dem Maximum weiterzufahren."
"Sonst hat Fahren für mich keinen Sinn. Ich kenne mein Niveau, ich muss dort sein. Und ja, das Beste ist, zurückzukommen, wenn ich vollständig fit bin und ich KTM und meinem Team Tech3 meine beste Version geben kann. Sonst hat es keinen Sinn."
"Mein Ziel ist es, vollständig fit zurückzukommen. Ich weiß nicht wann. Die Ärzte sind sehr positiv. Sie sagen: Ja, in Jerez wirst du fit sein. Ich sage: Okay, aber ich bin lieber vorsichtiger und gebe mir und allem die nötige Zeit, weil ich meine beste Version zeigen möchte."
"Ich muss vollständig fit zurückkommen", betont Vinales. "Ich habe auch viel mit [MotoGP-Arzt] Charte gesprochen, und er sagte: Es bringt nichts, wenn du dieses Wochenende fährst, denn wenn du mit dieser Schulter stürzt, kannst du großen Schaden anrichten."
Pit Beirer fühlt mit Vinales mit
Aufgrund der Situation sind auch die Gespräche mit KTM über die Zukunft vorerst auf Eis gelegt worden. Zu Saisonbeginn war die eigentliche Idee, dass Vinales im nächsten Jahr im Werksteam der Teamkollege von Alex Marquez sein würde.
KTM-Motorsportchef Pit Beirer ist nach Austin gereist und bedauert es, dass Vinales schon wieder einen Rückschlag erleiden musste. Denn im vergangenen Jahr war er bis zu seiner Verletzung der stärkste Fahrer der österreichischen Marke.

Pit Beirer ist an diesem Wochenende in den USA vor Ort
Foto: Alexander Trienitz
"Ja, es ist schrecklich, weil ihr alle die Geschichte verfolgt habt, wie er uns so großartige Ergebnisse geliefert hat, als das Projekt vielleicht in der schwierigsten Phase aller Jahre steckte", blickt Beirer bei MotoGP.com zurück.
"Seit er vergangenes Jahr in Spielberg zurückgekommen ist, haben wir nur über seine Schulter gesprochen, über die fehlende Kraft und die Schmerzen. Dann war ich beim Sepang-Test, und er war absolut fit, keine Schmerzen, wieder glücklich, mit dem breiten Lächeln im Gesicht."
"Und nur wenige Wochen später verlor er langsam wieder an Kraft, die Beweglichkeit wurde schlechter, und wir konnten uns nicht wirklich erklären warum. Es ergab keinen Sinn, denn im MRT war das Band vollständig verheilt."
"Aber dann haben wir gestern Nacht herausgefunden, dass sich eine Schraube plötzlich zu bewegen beginnt und aus dem Knochen heraustritt. Ja, der Junge hat kein Glück. Und damit kommt für uns eine frustrierende Zeit, weil wir endlich mit Maverick beweisen wollen, dass wir es schaffen können. Und es sieht immer noch so aus, als müssten wir auf diese Chance warten."
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