"Sollte ich raus sein, ist KTM schuld": Vinales kritisiert Hinhaltetaktik
Die MotoGP-Zukunft von Maverick Vinales bleibt offen - KTM zögert weiter mit der Entscheidung - Für den Spanier wächst der Ärger über die Hinhaltetaktik
Wird sich Maverick Vinales aus der MotoGP verabschieden müssen?
Foto: Stephen Blackberry / NurPhoto via Getty Images
Die MotoGP-Zukunft von Maverick Vinales ist offen. KTM hat eine Option auf den Spanier, doch er weiß weiterhin nicht, ob er auch 2027 in einem der beiden Teams einen Platz haben wird. Diese Ungewissheit sorgt bei Vinales für Sorgen, Frust, aber auch für Kritik an der österreichischen Marke.
"Ich habe KTM immer meine Loyalität bewiesen", sagte Vinales zuletzt in Brünn. "Im Winter wurde mir gesagt, ich sei im Werksteam. Dann war ich bei Tech3, und jetzt weiß ich nicht einmal mehr, wo ich stehe."
"Ich habe einen Vertrag, der besagt, dass ich bis zu einem bestimmten Datum warten muss. Ich breche keine Vereinbarungen. Ich muss einfach warten, weil es keine andere Möglichkeit gibt."
"Ich hätte meine Zukunft im Winter klären können. Das Team fordert Ergebnisse zu einem Zeitpunkt, an dem ich verletzt bin. Vielleicht kann ich gerade nicht auf meinem höchsten Niveau performen, aber in zwei Monaten werde ich es können."
Zunächst war Vinales zuversichtlich, dass er körperlich bis Brünn fit sein würde. Das war aber nicht der Fall. Nach der Operation an der linken Schulter Ende März hat er weiterhin Schmerzen im linken Bizeps.
"Es ist schwer zu verstehen, wie sich die Verletzung entwickelt, weil ich manchmal das Gefühl habe, dass ich viel Kraft dazugewinne, und dann habe ich in der nächsten Woche wieder Schmerzen, und so geht das immer weiter."
"Im Moment ist das wirklich eine Achterbahnfahrt. Aber wie auch immer, nach der zweiten Operation wusste ich, dass ich einige Monate brauchen würde, um fit zu sein. Das Einzige ist der ganze Druck rund um das nächste Jahr und all das."
"Die Sache ist die: Wie ich schon gesagt habe, muss ich niemanden überzeugen", sagt Vinales. "Als ich vergangene Saison vor der Verletzung bei 100 Prozent war, war ich die Referenz bei KTM."
"Sie müssen verstehen, dass dieses Motorrad kein Straßenmotorrad ist. Wenn ich jetzt auf ein Straßenmotorrad steige, bin ich vollkommen fit dafür. Aber dieses Motorrad erfordert eine völlig andere Kraft."
"Und die einzige Möglichkeit, diese Kraft aufzubauen, ist, hier zu sein. Aber wir fahren nur sechs Tage im Monat, also ist es schwer, die körperliche Verfassung für die MotoGP aufzubauen."
"Wenn man einen verletzten Fahrer hat, muss man ihm vertrauen. Ich weiß, dass ich wieder bei 100 Prozent sein werde, aber ich weiß nicht, ob das morgen sein wird oder vielleicht erst im Oktober. Das ist eben die Sache."
Pit Beirer: Warum KTM bei Vinales abwartet
Im KTM-Werksteam werden ab dem kommenden Jahr aller Voraussicht nach Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio fahren. Bei Tech3 liebäugelt CEO Günther Steiner mit einem Moto2-Fahrer, vor allem mit Senna Agius.
Der zweite Platz ist offen und könnte an Vinales gehen. "Ja, ich kann seinen Frust verstehen", sagte KTM-Motorsportchef Pit Beirer zuletzt in Brünn gegenüber MotoGP.com. "Aber er muss auch ein bisschen unsere Seite verstehen."
"Irgendwie müssen wir das bestmögliche Paket zusammenstellen. Also haben wir wirklich gewartet. Wir haben ihm sehr viel Zeit gegeben, um zurückzukommen, und es gibt nichts, was wir mehr wollen, als ihn wieder in seiner alten Form zu sehen."

Pit Beirer hat Maverick Vinales bisher keine Entscheidung mitgeteilt
Foto: Gold and Goose
"Wenn wir so weitermachen, wird er einer der Jungs in der Box sein. Er hat auch eine sehr starke Führungsrolle in dieser Box übernommen, was großartig für uns ist, weil ich das Gefühl habe, dass das in Zukunft ein sehr starkes Team sein wird."
"Aber bei seiner Box haben wir noch die Möglichkeit, die Entscheidung auch etwas später zu treffen und jedem, der noch involviert ist, die Chance zu geben, sich zu zeigen und Stärke zu beweisen."
"Ja, ich kann Maverick verstehen, und ich fühle mich in dieser Situation nicht wohl", so Beirer, "weil er so ein guter Typ ist und auch schon zu Beginn des vergangenen Jahres so viel für uns getan hat. Also, das ist alles nicht vergessen."
"Aber mit Blick auf die Zukunft müssen wir das Beste für die Tech3-Box tun. Deshalb hat Günther mich gebeten, geduldig zu bleiben, und das sind wir gerade. Aber das bedeutet nicht, dass Maverick nicht einer unserer Favoriten ist. Gebt uns einfach noch etwas mehr Zeit."
Günther Steiner: Die Entscheidung liegt bei KTM
Da Vinales einen Vertrag mit KTM hat und nicht mit Tech3, liegt die Entscheidung auch bei KTM und nicht beim französischen Team. Daran hat sich auch unter der neuen Eigentümerstruktur nichts geändert.
Steiner betonte zuletzt in Brünn, dass er sich natürlich mit KTM abstimmt, aber:"Es ist eigentlich auch nicht meine Entscheidung. Nur damit ihr es wisst: Sein Vertrag läuft im Moment mit KTM. Ich habe damit nichts zu tun."

Günther Steiner hat noch keinen Fahrer für 2027 vorgestellt
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"Ich glaube, um seine Situation einschätzen zu können, müssen wir sicherstellen, dass er wieder der echte Maverick ist", findet der Tech3-Chef. "Und wir müssen sehen, ob es an der Schulter liegt oder an was auch immer."
"Ich meine, ich glaube nicht, dass er mit seinen Ergebnissen zufrieden ist. Mit den letzten Ergebnissen ist er selbst als Erster unzufrieden. Es geht darum, zu seinen alten Leistungen zurückzufinden. Und deshalb geben wir ihm Zeit."
Kein Test mit der 850er-KTM und Pirelli-Reifen
Seit Vinales in Barcelona nach der Genesungspause zurückgekehrt ist, war Platz elf in Barcelona sein bisher bestes Ergebnis. Ansonsten hat er noch zwei WM-Punkte für 15. Plätze im Balaton Park und in Brünn gesammelt.
Auch in den wenigen Tagen Pause zwischen den Rennwochenenden in Brünn und in Assen gab es keinerlei Neuigkeiten. Erneut äußerte Vinales seinen Frust über seine Situation und findet deutliche Worte für KTM.
"Nein, es gibt keine Neuigkeiten. Aber KTM hat mich auch nicht geholt, um den Test am Montag in Brünn zu fahren, daher ist ziemlich klar, was ich daraus schließen kann", sagt Vinales, dass er glaubt, bei KTM keinen Platz mehr zu bekommen.

Körperlich ist Maverick Vinales noch nicht komplett fit
Foto: Getty Images AsiaPac
"Ob ich mich Stand heute draußen sehe? Dass sie mich den Test nicht fahren ließen, ergibt auch keinen Sinn, wenn ich bleiben sollte." KTM nominierte stattdessen Pedro Acosta für diesen Test, obwohl der Spanier zu Ducati wechselt.
"Ich habe nicht darum gebeten, das Motorrad zu testen", so Vinales weiter. "Zwei Wochen lang haben sie herumlaviert, ob ich es testen würde oder nicht, und am Ende habe ich aus der Presse erfahren, dass Pedro Acosta es testen wird."
"Es wäre so einfach gewesen, mich anzurufen und es mir zu sagen. Klar, körperlich bin ich nicht bei hundert Prozent, aber ich denke, eine schnelle Runde kann ich fahren."
"Aber sie haben mir nichts gesagt, sie haben mich nicht angerufen, um mir das mit Acosta mitzuteilen, obwohl sie mich zwei Wochen vorher angerufen hatten, um mir zu sagen, dass ich testen würde. Mit solchen Dingen ist es für mich ziemlich klar."
Vinales: "Bin ich nicht mehr dabei, lag es an KTM"
Da Vinales die Vertragsklausel von KTM bisher respektiert hat, hat er keinen Kontakt mit anderen Teams aufgenommen. Mittlerweile gibt es kaum noch freie Plätze und Vinales wird auch von anderen Teams nicht als Topkandidat angesehen.
Deshalb ist sich der 31-Jährige sicher, dass es die Schuld von KTM wäre, wenn er im nächsten Jahr nicht in der MotoGP sein würde: "Der Plan der Gruppe war, dass ich im Werksteam sein würde. Also, was sie mir jetzt sagen... Man glaubt es oder nicht."
"Es ist schwierig. Wie wird mein Leben außerhalb des Rennsports sein? Nun, mit meinen Töchtern, meiner Frau, ruhig. Falls ich hier weggehe, gibt es tausend andere Dinge zu tun. Die Welt geht nicht unter."
"Wenn ich nicht in der Meisterschaft bin, wird es an einer Seite liegen, und das ist KTM, nicht an jemand anderem. Als der Zeitpunkt gekommen war, als sie wussten, dass ich nicht ins Werksteam gehen würde, hätten sie mich freigeben sollen."
"Ich hätte mich selbst gekümmert. Alles habe ich aus der Presse erfahren, nicht von jemand anderem. Niemand hat mich beiseite genommen und mir erklärt, wie die Dinge laufen würden."
"Wenn ich also die Meisterschaft verlasse, wird es nur einen Schuldigen geben, das ist ganz klar." Einen Wechsel in die Superbike-WM zieht Vinales nicht in Betracht. Sollte seine MotoGP-Karriere zu Ende gehen, "dann wird es Zeit sein, das Leben zu genießen."
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