Stallorder bei Ducati: Fahrer sollen "Hirn" einschalten

Werden die Ducati-Fahrer Andrea Dovizioso im Titelkampf gegen Marc Marquez helfen? Danilo Petrucci dementiert Stallorder. Teammanager Paolo Ciabatti erwartet von seinen Fahrern trotzdem, dass sie ihr "Hirn" verwenden.

Die MotoGP-WM befindet sich in der alles entscheidenden Phase. Jeder Punkt zählt. Ausfälle dürfen sich Marc Marquez und Andrea Dovizioso nicht leisten. Zum ersten Mal seit zehn Jahren kämpft Ducati im Spätherbst um den WM-Titel und hat realistische Chancen. Nur elf Punkte fehlen Dovizioso auf Marquez. Welche Rolle werden die jeweiligen Markenkollegen spielen? Zuletzt in Japan mischten Jorge Lorenzo und Danilo Petrucci in der Anfangsphase vorne mit. Marquez musste sich mit drei Ducati-Fahrern auseinandersetzen.

Beim Regenrennen in Motegi führte Petrucci von der zweiten bis zur zwölften Runde. Dann überholte Marquez und Momente später auch Dovizioso. "Nein, ich habe Dovi in Japan nicht vorbeigelassen", hält Pramac-Pilot Petrucci fest und schildert das Überholmanöver: "Ich bin eine andere Linie gefahren. Ich bremste härter und fuhr einen weiten Bogen. In den nächsten Runden habe ich gesehen, dass Dovi und Marc später gebremst haben, aber weiter innen geblieben sind. Es war ein normales Überholmanöver."

Lorenzo führte nur in der ersten Runde und fiel dann zurück. Schlussendlich machten sich Marquez und Dovizioso den Sieg unter sich aus. Aber wird Stallorder in den letzten drei Rennen noch eine Rolle spielen? "Wir wollen keine Stallorder, es wird auch keine geben", stellt Ducati-Teammanager Paolo Ciabatti bei 'MotoGP.com' klar. "Aber ich denke, unsere Fahrer wissen, wie wichtig es für Ducati ist, dass wir um diese Ergebnisse kämpfen. Ich schätze, dass sie sich dementsprechend verhalten werden."

Ducati überzeugt: Lorenzo wird Dovizioso helfen

Ciabatti appelliert an den Teamgeist. Aber würde sich ein Alphatier wie Lorenzo, der verpflichtet wurde, um für Ducati die WM zu gewinnen, Dovizioso einfach so vorbeilassen? "Ich denke, dass er versteht, wie wichtig das für Ducati ist", meint der Teammanager. "Die Dynamik eines Rennens ist sehr kompliziert. Man kann es natürlich nie vorhersagen. Aber wenn er in einer Position ist, in der er Dovizioso beschützen kann, wird er es tun. Das ist das, was man in einem Team erwartet."

Sportdirektor Davide Tardozzi sieht die Situation ähnlich und ist überzeugt, dass sich Lorenzo in der richtigen Situation als Teamplayer verhalten wird: "Jorge liebt Ducati und er weiß, dass wir um die WM kämpfen. Ich glaube, wenn er Andrea helfen kann, dann wird er es tun", meint der Ex-Rennfahrer bei 'MotoGP.com'. "Für ihn stehen die Resultate von Ducati vor seinen eigenen Ergebnissen. Das unterscheidet ihn von anderen Fahrern. Wir haben das von Jorge im Laufe dieses Jahres gesehen. Wegen seiner Einstellung sind wir sehr glücklich mit ihm."

Abgesehen von Lorenzo könnte Petrucci ein Zünglein an der Waage sein und Marquez WM-Punkte wegnehmen. Viermal stand der Italiener in diesem Jahr schon auf dem Podest. "Ich glaube nicht, dass Dovi meine Hilfe braucht", winkt der Pramac-Pilot ab. "Zu 99 Prozent ist er im Training und im Rennen schneller als ich. Momentan gibt es keine Teamorder. 'Dovi' kann es alleine schaffen, er ist sehr schnell. Natürlich möchte ich ihm keine Probleme bereiten. Momentan gibt es keine Stallorder. Jeder fährt für sich selbst."

Sowohl Petrucci als auch Lorenzo jagen ihrem ersten Saisonsieg nach. Theoretisch könnte es zu einer Situation kommen, in denen einer von beiden in der Schlussphase vor Dovizioso das Rennen anführt. Was passiert dann? "Wenn ein Ducati-Fahrer in der Position ist, ein Rennen zu gewinnen, dann freuen wir uns sehr", unterstreicht Ciabatti. "Ensteht eine andere Situation, dann erwarten wir, dass sie ihr Hirn einsetzen und daran denken, wie wichtig es für Ducati ist, dieses Ergebnis zu erreichen."

Marquez ist sich dessen bewusst. "Ducati wird zu Stallorder greifen, denn sie sind ein Team und es geht um die Weltmeisterschaft. Ich verlasse mich auf mich und genauso möchte ich es auch", sagt der WM-Leader. Seinem Rivalen würde er den Titel dennoch gönnen: "Er blickt auf eine lange Karriere zurück, hat hart gearbeitet und verdient es. Er verfügt über das Niveau, es zu schaffen. Das erinnert mich an (Nicky) Hayden 2006, als jeder dachte, (Valentino) Rossi würde gewinnen und letztlich war es Hayden."

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Über diesen Artikel
Rennserien MotoGP
Veranstaltung Phillip Island
Rennstrecke Phillip Island Grand Prix Circuit
Fahrer Andrea Dovizioso , Jorge Lorenzo , Danilo Petrucci
Teams Ducati Team
Artikelsorte News