Steiner erklärt: Darum verzichten die MotoGP-Teams auf Gewinnbeteiligung
Die Hersteller wollten Prozente vom Gewinn - MotoGP SEG setzte sich mit einem Fixbetrag durch - Tech3-Chef Steiner erklärt die Hintergründe der Entscheidung
Die MotoGP besteht auch bis 2031 aus elf Teams
Foto: AFP
Die MotoGP Sports Entertainment Group (MotoGP SEG) sowie die Hersteller Ducati, Aprilia, KTM, Honda und Yamaha haben sich auf einen neuen kommerziellen Vertrag für die Jahre 2027 bis 2031 geeinigt.
Im Rahmen des Grand Prix von Tschechien wurde die Einigung in einer Pressekonferenz verkündet. Man sprach von einem "wegweisenden Moment" für die MotoGP. Auch die sechs Satellitenteams haben diesen Vertrag unterschrieben.
Ein Knackpunkt bei den zähen Verhandlungen, die sich über Monate gezogen haben, war die finanzielle Aufteilung. Die Hersteller plädierten für einen prozentualen Anteil an den MotoGP-Einnahmen.
Dieses Modell gibt es zwischen Liberty Media und den Formel-1-Teams. MotoGP SEG bestand stets auf einem Fixbetrag. Schließlich wurde einem Fixbetrag von knapp acht Millionen Euro pro Jahr und Team zugestimmt.
Warum wurde doch auf eine prozentuale Gewinnbeteiligung verzichtet? "Logischerweise will jeder mehr", sagt Tech3-CEO Günther Steiner im Gespräch mit Motorsport-Total.com. "Wir alle wollen immer mehr. So ist der Mensch."
Der Südtiroler hat das Tech3-Team mit einem Investorenkonsortium übernommen, das mittelfristig Geld mit seinem Investment in die MotoGP verdienen will. Aber laut Steiner gab es gute Gründe, zum jetzigen Zeitpunkt einen Fixbetrag zu akzeptieren.
Die EU-Kommission genehmigte den MotoGP-Kauf von Liberty Media Ende Juni 2025. Die Pläne, die Rennserie besser zu vermarkten und größer zu machen, stehen deshalb noch am Anfang.
"Ich glaube, das Konstrukt ist so: Diese Dynamik wegen Gewinnbeteiligung ist entstanden, weil Liberty übernommen hat. Aber Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut", sagt Steiner. "Ich sehe es so."

Günther Steiner findet den Fixbetrag pro Team vernünftig
Foto: Qian Jun/MB Media/Getty Images
"Liberty hat letztes Jahr übernommen. Man kann jetzt nicht Liberty überfallen und sagen, das und das wollen wir. Man muss zuerst zeigen, was man kann. Und dann, logischerweise, sobald mehr für alle da ist, können wir auch teilen."
"Aber im Moment, glaube ich, dass jeder zufrieden ist mit dem, was er bekommt und auf dem sollten wir aufbauen. Das ist meine Meinung. Und irgendwie wurde eben der Kompromiss gefunden."
"Jetzt müssen wir mal alle eine gute Arbeit machen, um den Sport da hinzubringen, dass es mehr wird, dass mehr reinkommt. Im Moment sind wir noch nicht da." Deshalb hält Steiner den Fixbetrag derzeit für den vernünftigsten Ansatz.
Denn er glaubt, dass eine Gewinnbeteiligung auch riskant sein könnte: "So ein Schuss kann auch nach hinten losgehen. Stell dir mal vor, wir alle als Hersteller oder als Teams sagen, wir wollen am Gewinn beteiligt sein."

MotoGP-CEO Carmelo Ezpeleta und Liberty-Media-CEO Derek Chang
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
"Und auf einmal geht der Gewinn zurück. Wie stehen wir dann da? Nicht sehr intelligent. Alle sehen immer nur, dass es alles sowieso besser wird. Aber manchmal muss man einen Schritt zurück machen, bevor man zwei nach vorne macht."
"Wenn man dieses Risiko abwägt, ist der Status quo, glaube ich, besser. Wir lassen mal etwas stehen, wie es ist, schauen, wie es sich entwickelt, und dann kommen wir wieder zusammen und schauen beim nächsten Vertrag, was machbar ist."
Die nächsten fünf Jahre werden zeigen, wie Liberty Media, MotoGP SEG und die Teams die MotoGP als Produkt weiterentwickeln. Mit elf Teams hat man dafür eine stabile Grundlage geschaffen.
"Gigantismus" im Sport seit der Pandemie
Blickt man auf die Sportwelt generell, dann hat sich seit der COVID-19-Pandemie ein "Gigantismus" ausgebreitet. Der Formel-1-Kalender wurde auf 24 Rennen plus sechs Sprints ausgeweitet.
Der MotoGP-Kalender wuchs auf 22 Rennen mit Sprints bei allen Rennwochenenden. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Amerika wurde von 32 auf 48 Nationen und auf insgesamt 104 Spiele ausgeweitet.
"Ich glaube, das ist die Gesellschaft", meint Steiner. "Wir wollen immer alle mehr, wir verbrauchen mehr. Aber ich glaube, wir haben einfach technologisch mehr Möglichkeiten, mehr zu konsumieren."

Der Formel-1-Kalender wuchs in den vergangenen Jahren
Foto: AFP
"Und solange der Mensch das will, glaube ich, muss man dem Menschen das geben, was er will. Nach der Pandemie ist es auf einmal losgegangen, fast schon ohne Limit sozusagen."
"Das Limit ist einfach der menschliche Körper, weil man kann nicht mehr machen. Und wieso das nach der Pandemie so ist, weiß ich nicht, aber ich glaube einfach, die Welt verändert sich, entwickelt sich weiter. Uns wird immer mehr gegeben."
"Ein einfacher Zugriff. Früher hat man sich gefreut, wenn man einen Fernsehsender hatte, wo du ein Rennen schauen konntest. Heute wählst du aus zwischen iPad, Fernseher, Telefon, weiß der Kuckuck was noch alles."
"Ich glaube, das wird sich von alleine regeln, wann genug ist. Ich hatte immer das Bedenken, dass in der Formel 1 irgendwann eine Sättigung erreicht ist, wo die Leute sagen, ich schaue nicht 24 Rennen, ich will nur 16."
Aber Steiner findet, dass Liberty Media in der Formel 1 die richtige Balance geschaffen hat, dass diese Übersättigung eben nicht eingetreten ist und auch 24 Rennen kommerziell erfolgreich sind.
"Es gibt Sprintrennen, es gibt Stadtkurse, es gibt Nachtrennen, es gibt weiß der Geier was. Jedes Rennen hat eine Spezialität und deswegen schauen sich die Leute das an. Wenn du, wie man auf Englisch sagt, Cookie Cutter hättest, glaube ich, würde es schwer sein, 24 Rennen erfolgreich zu vermarkten."
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