Stoner analysiert Marquez: "Hatte eine Schwäche, aber keiner hat sie genutzt"
Casey Stoner analysiert Marc Marquez' MotoGP-Dominanz und behauptet, der Spanier habe jahrelang eine Schwäche gehabt, die niemand bemerkte
Casey Stoner nimmt Marc Marquez unter die Lupe - und kritisiert seine Gegner
Foto: Getty Getty
Der frühere MotoGP-Star Casey Stoner hat die Dominanz von Marc Marquez analysiert und dabei eine bemerkenswerte These aufgestellt: Der Spanier habe über Jahre hinweg eine klare Schwachstelle gehabt, die jedoch von der Konkurrenz nie erkannt oder gezielt ausgenutzt worden sei.
Gleichzeitig lobt Stoner Marquez' außergewöhnliche Rennintelligenz und sein Reifenmanagement als entscheidenden Erfolgsfaktor in der modernen MotoGP. "Es gibt keinerlei Zweifel an seinem Talent oder an seiner Geschwindigkeit. Wenn das jemand täte, hätte er wahrscheinlich ein Problem", erklärt er bei Crash.net.
"Es gibt im Moment viele schnelle Fahrer, aber ich denke nicht, dass viele von ihnen ihr fahrerisches Können voll ausschöpfen. Genau dort schlägt Marc sie derzeit."
Stoner selbst hatte nie die Gelegenheit, Marquez direkt auf der Strecke zu bekämpfen. Der Australier beendete seine Karriere Ende 2012, woraufhin Marquez seinen Platz bei Honda übernahm und die Königsklasse in den folgenden Jahren prägte.
Trotz der verpassten direkten Duelle ist Stoner überzeugt: Der Fahrer aus Cervera ist bis heute die klare Referenz der Serie. Gleichwohl verweist er auch auf eine frühere Schwäche von Marquez. Seiner Ansicht nach hätte es durchaus einen Ansatzpunkt gegeben, um den Serienchampion unter Druck zu setzen.
Welche Schwäche das genau gewesen sein soll, behält der Doppelweltmeister allerdings für sich: "Marc hatte in der Vergangenheit eine große Schwachstelle, die meiner Meinung nach niemand bemerkt hat, und über die ich noch nicht sprechen werde.
Stoner: Verletzung hat Marquez noch besser werden lassen
"Aber es war überraschend, dass es niemand geschafft hat, sie auszunutzen - vermutlich, weil alle ihn als den 'Endboss' gesehen haben und ihn einfach nur als unglaublich schwierigen Gegner betrachteten, statt zu verstehen, was sie selbst tun oder verbessern mussten oder wie sie gegen Marc kämpfen sollten."
Nach Stoners Einschätzung haben gerade die schwierigen Verletzungsjahre Marquez noch stärker gemacht. Der Spanier habe in dieser Phase mental und strategisch zugelegt.
"Meine MotoGP-Karriere dauerte genauso lange wie der Zeitraum zwischen Marcs letzten beiden Titeln. Doch was er in diesen für ihn schwierigen Jahren geleistet hat, war einfach der Sprung auf ein höheres Niveau an Stärke, Intelligenz und Geduld. Meiner Meinung nach fehlt genau das all jenen, die gegen ihn antreten."
Ein zentraler Punkt in Stoners Analyse zu Marquez ist das Reifenmanagement - ein Aspekt, der aus seiner Sicht oft unterschätzt wird. "Niemand scheint zu verstehen, was er während der Rennen macht, um die Reifen zu schonen", betont der Australier.
"Sie sehen nur seine Geschwindigkeit und dass er jedes Wochenende eine andere Karte ausspielt. Aber ein wiederkehrendes Thema, das ich im Laufe des Jahres 2025 beobachtet habe und das niemand ausreichend erkannt hat, war sein Reifenmanagement."
Was Marquez anders macht als seine Konkurrenten
Dabei sieht Stoner vor allem Unterschiede im Umgang mit der Elektronik. Während viele Fahrer stark auf Assistenzsysteme setzen, gehe Marquez deutlich feinfühliger vor.
"Eine Sache, in der er meiner Meinung nach sehr gut ist: Alle anderen verlassen sich nur auf die Elektronik. Wenn das Motorrad zu rutschen oder zu schleudern beginnt, greift die Elektronik stärker ein. Marc hingegen begrenzt das Eingreifen der Elektronik."
"Er schont die Reifen maximal, denn wenn die Elektronik eingreift, muss sie kein extrem schnelles Rutschen regeln, sondern ein viel langsameres und berechenbareres", erklärt der ehemalige MotoGP-Pilot. Der Effekt zeige sich vor allem in der Schlussphase der Rennen: "So halten seine Reifen deutlich länger."
"Wenn die Elektronik später eingreift und das Gripniveau sinkt, hat er immer noch mehr Haftung, weil er anfangs viel behutsamer mit den Reifen umgegangen ist. Er war zum Schluss immer unglaublich stark, weil er in der Anfangsphase sehr schonend mit den Reifen war. Ich glaube, das haben viele nicht ausreichend verstanden."
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