Stoppies wie Toprak Razgatlioglu und Jack Miller: Brembo liefert Einblicke

Faszination Stoppie: Bremsenlieferant Brembo erklärt, was genau passiert, wenn ein Fahrer in der MotoGP oder Superbike-WM zu einem Stoppie ansetzt

Stoppies wie Toprak Razgatlioglu und Jack Miller: Brembo liefert Einblicke

Wheelies waren in den vergangenen Jahrzehnten die beliebteste Art und Weise, um nach einer Session oder nach einem Rennen den Emotionen freien Lauf zu lassen. Zuletzt aber kamen Stoppies, also das Fahren auf dem Vorderrad, stark in Mode. Superbike-Weltmeister Toprak Razgatlioglu und MotoGP-Pilot Jack Miller sind auf diesem Gebiet die Vorreiter.

Doch war passiert bei einem Stoppie? "Bei einem Stoppie bleibt das Vorderrad fest am Boden, während das Hinterrad nach oben katapultiert wird: Eine hohe Geschwindigkeit ist für diesen Stunt nicht erforderlich, sie wäre sogar eher hinderlich für den Erfolg des Stunts. Alle Stuntmen erklären, dass man einen Stoppie schon bei 40-60 km/h machen kann", erklärt Bremsenlieferant Brembo.

Besonders beeindruckend sind die langen Stoppies von Yamaha-Werkspilot Toprak Razgatlioglu. "Normalerweise verläuft das Manöver bei ihm so, dass er mit 80 km/h im zweiten Gang in die Boxengasse einfährt und dann mit 12 bis 14 bar die Vorderbremse betätigt", erklärt Brembo. "Sobald das Hinterrad abhebt, verringert Razgatlioglu den Druck auf 2 bis 3 bar, um das Gleichgewicht halten zu können."

Toprak Razgatlioglu

Toprak Razgatlioglu feierte seinen WM-Erfolg in der WSBK natürlich mit einem Stoppie

Foto: Motorsport Images

"Die Körperhaltung ist dabei auch sehr wichtig, angefangen von den Ellbogen, die locker bleiben müssen, bis zu den Knien, die angezogen werden sollten, so als ob man den Tank umarmen möchte", beschreibt Bremsenlieferant Brembo. "Es wäre ein Fehler, den Oberkörper in eine unnatürliche Position nach vorne zu bringen, da der Gesamtschwerpunkt von Mensch und Motorrad dann unausgewogen wäre."

"Nach ein paar Zehntelsekunden sollte der Druck auf die Vorderradbremse schrittweise reduziert werden, um ein Kippen nach vorne zu vermeiden: Das Hinterrad bleibt in dieser Phase in der Luft", schildern die Bremsenexperten aus Italien.

 

Wenn der Fahrer das Abheben des Hinterrads provoziert, dann muss über die Finger eine Kraft von 6,5 bis 7,2 kg auf den Bremshebel ausgeübt werden. Das ist mehr als beim harten Anbremsen nach einer Geraden, wie der auf dem Losail International Circuit in Katar.

Für die Bremsanlagen sind Stoppies aber auf Grund der niedrigen Geschwindigkeiten keine große Belastung. "Die Temperatur der Beläge und der Bremsflüssigkeit hält sich in Grenzen hält, sodass das Bremssystem keiner thermischen Belastung ausgesetzt ist", bestätigt Brembo.

"Trotzdem wird dieses Kunststück von vielen Teammanagern nicht gern gesehen", wissen die Italiener. "Nicht so sehr wegen des Risikos, die mechanischen Komponenten zu zerstören - auch wenn es den einen oder anderen gibt, der sich zum Beispiel Sorgen um das Öl im Innern des Motors macht - als vielmehr wegen der Gefahr eines Sturzes, der zu einer dummen Verletzung, dem Bruch von Teilen des Motorrads oder auch nur zu einem schlechten Eindruck vor den Kameras führen könnte."

Mit Bildmaterial von Brembo.

geteilte inhalte
kommentare
Nicky Haydens Vater verstorben: Die Motorsportwelt trauert um Earl Hayden
Vorheriger Artikel

Nicky Haydens Vater verstorben: Die Motorsportwelt trauert um Earl Hayden

Nächster Artikel

WSBK-Piloten in der MotoGP: Warum sich Valencia 2006 nie wiederholen wird

WSBK-Piloten in der MotoGP: Warum sich Valencia 2006 nie wiederholen wird
Kommentare laden