Sturz, Regen, neue Reifen: Moreiras intensiver Einstand in der MotoGP
Trotz Sturz und zwei Sekunden Rückstand zieht Diogo Moreira ein positives Testfazit - Der MotoGP-Rookie spricht offen über die größten Baustellen seiner Anpassung
Diogo Moreira hat in den drei Testtagen wichtige Erkenntnisse gewonnen
Foto: AFP
Rookie Diogo Moreira hat seinen ersten großen Vorsaisontest in der MotoGP mit einem klaren Lernfokus abgeschlossen. Nach drei intensiven Tagen landete der Brasilianer auf Rang 20, rund zwei Sekunden hinter der Spitze.
Das Ergebnis war für ihn jedoch zweitrangig. Entscheidend war das Verständnis für Bike, Reifen und Arbeitsweise im neuen Umfeld. Ein Sturz am Dienstag in Kurve 5 sorgte zwar für einen kurzen Rückschlag, änderte aber nichts an der insgesamt positiven Bilanz des Moto2-Weltmeisters und LCR-Honda-Piloten.
Schon nach den ersten Ausfahrten wurde Moreira deutlich, wo der größte Unterschied zwischen Moto2 und MotoGP liegt: "Am Ende würde ich sagen: die Geschwindigkeit."
Vor allem die Linienwahl habe sich stark verändert. In der Moto2 müsse man viel Kurvenspeed mitnehmen, während in der MotoGP mit ihrer enormen Leistung der Kurvenausgang entscheidend sei. Man müsse den Fokus stärker auf die Exit-Phase legen. Insgesamt, so Moreira, befinde er sich "auf einem guten Weg".
Der Umstieg sei körperlich wie fahrerisch anspruchsvoll. Im Winter habe er deshalb sein Training angepasst, sowohl im Fitnessstudio als auch auf dem Motorrad. Eine wirkliche Pause gönnte sich der MotoGP-Rookie dabei nicht: "Nur eine Woche nach dem letzten Rennen in Valencia", berichtet Moreira. Es sei wichtig, ständig auf dem Motorrad zu sitzen, das habe ihm geholfen, sich vorzubereiten.
Verständnis der Reifen als Schlüssel
Die ersten Runden auf dem MotoGP-Prototypen 2026 beschreibt der Brasilianer als besonders intensiv und von Nervosität begleitet. Das Motorrad sei "definitiv schwieriger" zu fahren als eine Moto2-Maschine, sagte der amtierende Champion offen.
Entscheidend sei nun, weiter zu lernen, Runden und Stunden auf dem Motorrad zu sammeln. Beim Thailand-Test werde sich vieles schon leichter anfühlen, ist er überzeugt.
Ein weiterer großer Umstellungsfaktor für den Aufsteiger sind die Reifen. Der Wechsel von Pirelli auf Michelin erfordert laut Moreira einen anderen Fahrstil. Mit Pirelli sei er eine andere Art zu fahren gewohnt gewesen. "Aber nach dem Shakedown und den drei Tagen hier war es einfacher zu verstehen, wo wir hinmüssen."
Am Mittwoch kamen zusätzlich Regenbedingungen hinzu - eine Premiere für Moreira auf dem MotoGP-Bike. Das sei "am Ende gut" gewesen, wenngleich auf den ersten Runden etwas beängstigend. Doch über sieben Umläufe hinweg habe sich das Gefühl im Nassen stetig verbessert, auch in Bezug auf die Reifen.
Die Michelin-Regenreifen fühlten sich zwar anders an als das, was er bisher kannte, besonders am Kurveneingang. "Aber der Reifen ist gut. Das Gefühl im Regen war super. Wir müssen unter diesen Bedingungen einfach weiter lernen", so Moreira.
LCR-Teamchef lobt Rookie Moreira
Generell habe er in den bisherigen fünf Testtagen sehr viel gelernt. Gebrauchte Reifen lägen ihm bereits recht gut, dort habe er ein solides Tempo. Mit neuen Reifen müsse er noch besser verstehen, wann er Gas geben und wie er in die Kurve einlenken muss.
Trotz des Sturzes und einzelner technischer Probleme blieb der Eindruck auch im Team durchweg positiv. LCR-Boss Lucio Cecchinello lobte den Neuling ausdrücklich.
Das Team und HRC seien "sehr, sehr zufrieden", weil Moreira extrem präzises Feedback an die Techniker und Ingenieure liefere. Er antworte klar, sei sensibel für Veränderungen und verstehe, was er gerade teste. Man sei mit seiner bisherigen Performance sehr zufrieden. "Wichtig sei, dass er seinen Lernprozess ohne allzu großen Druck fortsetzen kann. Wir wollen ihm nicht zu viele Aufgaben aufbürden."
Zum Abschluss des dreitägigen Tests zog Moreira selbst ein positives Gesamtfazit. Der Fortschritt sei "super" gewesen, stetig habe sich das Gefühl verbessert, besonders am letzten Nachmittag. Die Basisabstimmung habe gut funktioniert, man sei viele Runden gefahren und habe das Motorrad deutlich besser verstanden.
Ruhig bleiben und stetig dazulernen
Der wichtigste Rat aus dem Team sei Gelassenheit gewesen. Ruhe bewahren, Schritt für Schritt arbeiten. Man habe das ganze Jahr Zeit, sich zu verbessern und zu lernen. "Tag für Tag, Rennen für Rennen", beschreibt er die Devise. Er fühle sich wohl im Team und bekomme viel Unterstützung. Man müsse den Prozess genießen.
Für längere Gespräche mit den anderen Honda-Piloten habe im Testtrubel kaum Zeit bestanden, berichtet Moreira. Jeder habe seine eigene Arbeit mit seinem Team.
Dennoch habe er gesehen, dass Fahrer wie Joan Mir, Luca Marini und auch Testpilot Aleix Espargaro beim Shakedown schnell unterwegs waren. Das stimme ihn optimistisch, dass das Bike Potenzial habe. Nun gehe es darum, den eigenen Weg zu finden und sich auf die eigene Aufgabe zu konzentrieren, so der Rookie.
Auf eine komplette Rennsimulation verzichtete er zum Schluss: "Ich war sehr müde, und dann macht eine Rennsimulation keinen Sinn." Eine Sprintsimulation habe er aber bereits beim Shakedown absolviert. Der nächste wichtige Schritt in seiner MotoGP-Lernkurve soll beim kommenden Test in Thailand folgen.
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