Suzuki von Podien überrascht: Privilegien bald Geschichte

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Suzuki von Podien überrascht: Privilegien bald Geschichte
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24.07.2018, 10:45

Suzuki-Technikchef Ken Kawauchi spricht über die Entwicklungsfehler der Vergangenheit, die die GSX-RR 2018 so stark machen

Das Suzuki-Werksteam konnte sich nach einem durchwachsenen Jahr 2017 in dieser Saison erholen und bereits vier Podestplätze feiern. Die Konzessionen, die dem Team nach dem mageren Vorjahr zugestanden wurden, dürften schon bald wieder Geschichte sein. Suzuki-Technikchef Ken Kawauchi freut das, denn die GSX-RR ist nach den Motor-Problemen wieder auf den richtigen Entwicklungsweg zurückgekehrt.

"Im Vorjahr haben wir unsere Motor-Spezifikation stark abgeändert für die gesamte Saison. Der große Unterschied zwischen den zwei Motor-Specs war die Handhabe", erklärt Kawauchi. Suzuki musste die gesamte Saison 2017 mit der schwierigen Abstimmung antreten, da man 2016 mit Maverick Vinales tolle Ergebnisse einfahren konnte. Als Folge der schwierigen Saison mit dem verletzten Alex Rins und dem überforderten Andrea Iannone darf Suzuki 2018 nun Privilegien genießen.

Gemeinsam mit KTM und Aprilia stehen den Piloten neun statt nur sieben Motoren zur Verfügung. Die Entwicklung ist im Gegensatz zu den Top-Teams nicht eingeschränkt, mehr Wildcard-Starts (sechs statt drei) und mehr Testfahrten sind ebenfalls erlaubt. "Zu Saisonmitte haben wir ein paar Lösungen für die Probleme ausprobiert. Wir haben neue Teile gebracht und auch am Chassis gearbeitet, um eine bessere Balance zu finden. Aufgrund der Regularien durften wir allerdings keinen neuen Motor verwenden. Durch die vorgenommenen Änderungen konnten wir die Saison mit einem konkurrenzfähigen Bike abschließen, vor allem in den letzten vier Rennen."

"Wollen in jedem Rennen um Podestplätze kämpfen"

Suzuki schaffte zu Saisonende 2017 die Trendwende ab dem Japan-Grand-Prix und verpasste das Podium zweimal nur knapp. Die Motorprobleme hatte man bereits verstanden, die Erkenntnisse flossen in die Entwicklung der diesjährigen Maschine ein. "Vom ersten Moment mit der 2018er-Maschine an, wüssten wir, welchen Weg wir gehen müssen. Wir haben auch realisiert, dass wir ein paar gute Eigenschaften aus dem Vorjahr als Resultat der ständigen Weiterentwicklung mit dem neuen Motor einsetzen könnten."

Die Verbesserungen machten sich bereits zu Saisonbeginn sichtbar. In den ersten neun Rennen schaffte es Iannone sechsmal in die Top 10, zweimal stand er als Dritter (Austin und Barcelona) sogar auf dem Podium. Rins festigte diesen Eindruck mit Platz drei in Argentinien und Rang zwei in Assen. Zwar sah er fünfmal das Ziel nicht, in den anderen vier Rennen landete er allerdings jeweils in den Top 10.

Kawauchi gibt zu: "Vor dem Saisonstart war unser Ziel ehrlich gesagt, dass wir in jedem Rennen um Podestplätze kämpfen wollen, wir haben aber solch gute Ergebnisse so früh nicht erwartet. Wir sind ziemlich zufrieden mit dem Saisonauftakt mit beiden Piloten. Wir sind sehr konkurrenzfähig, obwohl wir einige Stürze überstehen mussten. Auch in jenen Rennen hätten wir an der Spitze kämpfen können." Von Rins erwartet der Technikchef weitere Top-6-Resultate. Iannone lobt er für seine Anpassungsfähigkeit an die Suzuki.

Wann gewinnt Suzuki wieder ein Rennen?

Durch die vier Podestplätze steht Suzuki bei nun fünf "Concession Points", bei sechs würden die Privilegien in der kommenden Saison wieder wegfallen. Ein Sieg würde drei weitere Punkte bescheren - wie lange muss die Mannschaft noch warten? Immerhin konnte zuletzt Vinales 2016 in Silverstone ein Rennen auf einer Suzuki gewinnen. "Es gibt da einen Spanier in der MotoGP, der sehr, sehr stark ist", lacht der Technikchef.

In Assen war Rins bereits sehr knapp an seinem ersten Erfolg dran, dennoch bleibt Kawauchi realistisch: "In dieser Spitzenklasse ist es nicht einfach, ein Rennen zu gewinnen. Man benötigt das Zusammenspiel vieler Faktoren. Natürlich ist unser Bike jetzt sehr konkurrenzfähig und unsere Fahrer sehr schnell - wir brauchen aber noch eine Gelegenheit, um das alles optimal zusammenzuführen. Sollten wir die Chance bekommen, wollen wir natürlich so schnell wie möglich einen Sieg einfahren - allerdings ist diese Kategorie hart umkämpft."

Umkämpft ist auch die Hierarchie innerhalb des Teams. Iannone steht nach neun Rennen auf WM-Platz neun mit 75 Punkten, Rins konnte durch seine vielen Stürze bislang 53 Punkte einfahren. Er liegt auf WM-Rang elf. Der interne Konkurrenzkampf treibt das Team an. "Es ist sehr wichtig. Das haben wir im Vorjahr auch gesehen, als sich Alex verletzt hat und Andrea die Entwicklung allein über hatte. Er konnte keine guten Ergebnisse einfahren. In diesem Jahr befinden sich beide Fahrer in einem guten Zustand. Sie fahren in manchen Rennen gegeneinander und verfolgen dieselben Ziele. Für das Team ist das ideal."

Suzuki entwickelt derzeit bereits Teile für die kommende Saison und bereitet sich so bereits auf jenen Tag vor, wenn die Privilegien wieder wegfallen - um einen ähnlichen Fehler wie 2017 zu vermeiden. Beim Barcelona-Test vor dem Rennen in Mugello wurden bereits einige neue Teile getestet. Vor allem auf die Stabilität beim Bremsen und am Kurveneingang liegt derzeit der Fokus. "Wir konnten bestätigen, dass wir uns in die richtige Richtung entwickeln. Allerdings werden die meisten Verbesserungen erst im kommenden Jahr zum Einsatz kommen."

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