"Talent war unbestritten": Davide Brivio erklärt Formanstieg von Raul Fernandez
Raul Fernandez steigert sich nach schwierigem Saisonstart deutlich - Trackhouse-Teammanager Davide Brivio nennt die Gründe für den deutlichen Formanstieg
Raul Fernandez beendete die Saison mit einem starken Herbst
Foto: AFP
Raul Fernandez hat in seiner vierten MotoGP-Saison mit seinem ersten Grand-Prix-Sieg den Durchbruch geschafft. Das Jahr begann für den Spanier mit einer Verletzung beim ersten Wintertest in Sepang nicht optimal. Auch im Frühling blieben gute Ergebnisse aus.
Erst im Sommer steigerte sich Fernandez und fuhr regelmäßig in die Top 10. In Indonesien gelang mit Platz drei im Sprint das erste Spitzenergebnis. Anschließend bestätigte er das mit Rang zwei im Sprint in Australien, gefolgt von seinem ersten Sieg.
Beim Saisonfinale in Valencia stand er als Zweiter erneut auf dem Podium. Mit diesen Erfolgen verbesserte sich der Fahrer vom Trackhouse-Aprilia-Team auf den zehnten WM-Platz - sein mit Abstand bestes Ergebnis in der Königsklasse.
"Sein Talent stand nie zur Diskussion", betont Teammanager Davide Brivio gegenüber MotoGP.com. "Im gesamten Paddock weiß man, wie talentiert Raul ist. Ich glaube, es ging darum, mehr Selbstvertrauen zu entwickeln."
"Er hat im Winter seine Trainingsmethode umgestellt und sich stärker auf das konzentriert, was in der physischen Vorbereitung wirklich wichtig ist. Im vergangenen Jahr ist er gegen Rennende langsamer geworden."
"Mir ist in Valencia und vor allem auf Phillip Island besonders aufgefallen, wie konstant er über die gesamte Renndistanz war, ohne einen einzigen Fehler. Er hat keinen Fehler gemacht, war immer sehr konstant. Und das war im vergangenen Jahr nicht möglich oder ist zumindest nicht passiert."
"Es ist also die physische Vorbereitung und zudem das Selbstvertrauen, das wir im Laufe der Saison aufgebaut haben", nennt Brivio die entscheidenden Gründe für den Formanstieg und die besseren Ergebnisse von Fernandez.
"Zu Beginn der Saison hatten wir Schwierigkeiten, Punkte zu holen, Platz 17, 18. Wir hatten zu gewissen Zeitpunkten auch einige harte Diskussionen. Denn wenn man Raul Fernandez heißt und als 17. oder 18. ins Ziel kommt, dann stimmt irgendwo etwas nicht."
"Wenn er ein Fahrer ohne Talent oder Potenzial wäre, dann könnte man sich nicht beschweren oder so hart sein. Aber bei ihm sagten wir: Komm schon. Du hast Talent, was ist los? Ich glaube, er hat immer daran geglaubt, gut zu sein."
"Im vergangenen Jahr war er frustriert. Er war unzufrieden, weil er nicht in die Top 5 kam, weil er kein Rennen gewinnen konnte und so weiter. Und ich sagte: Bevor man ein Rennen gewinnen kann, muss man ein Top-10-Ergebnis holen."
"Bevor man ein Podium erreicht, muss man zunächst in den Top 5 sein. Es ist ein Prozess, ein Weg. Das geht nicht einfach so. Es ist harte Arbeit, Fortschritt, Schritt für Schritt." 2024 erzielte Fernandez in einem Grand Prix einen sechsten Platz als bestes Ergebnis.
Raul Fernandez nennt Brivio als Schlüsselperson
Der 25-Jährige betonte in den vergangenen Wochen mehrmals, dass ihm die Gespräche mit Brivio sehr geholfen haben. Dadurch konnte er seine Einstellung ändern und letztendlich besserten sich seine Ergebnisse.
"Davide ist die Person, die seit seinem Einstieg im vergangenen Jahr begonnen hat, alles besser zu machen", lobt Fernandez. "Ich denke, dass er der Hauptgrund dafür ist, dass das Team jetzt stark ist. Er hat die Bereiche verbessert, in denen das Team nicht zu 100 Prozent konkurrenzfähig war."
"Wenn er nicht gekommen wäre, weiß ich nicht, ob wir jetzt um Podestplätze oder Siege kämpfen würden. Wir wissen natürlich, dass wir ein gutes Motorrad haben, aber für mich ist er einer der Gründe, warum Trackhouse nun um solche Positionen kämpfen kann."

Davide Brivio bei der Siegerehrung in Australien
Foto: Getty Images AsiaPac
Sein erstes Top-10-Ergebnis in diesem Jahr gelang mit Platz sieben im Regen von Le Mans. Brivio glaubt, dass das die Wende einleitete: "Ab Le Mans begann sich etwas aufzubauen. Dann hatten wir mehrere Rennen hintereinander, in denen er in den Top 10 war."
"Von Platz 17, 18 konstant in die Top 10 - das gab ihm Vertrauen. Und dieses Vertrauen ist im Laufe der Saison immer weiter gewachsen, bis wir in Indonesien das Sprint-Podium hatten. Das war wahrscheinlich der Klick. Und dann Phillip Island, der Sieg."
"Sepang war schwierig. Aber dann kam Portimao, wo es nicht so schlecht lief. In Portimao hatten wir jedoch eine Verletzung", spricht Brivio Schulterschmerzen nach einem Sturz an. "Er wollte irgendwie fahren. Er sagte: 'Ich kann es versuchen.'"
"Auch in dieser Hinsicht ist er jetzt reifer. Er sagte dann: 'Nein, okay, ich verstehe. Es ist besser, wenn ich aufhöre.' Also sagte ich: 'Lassen wir es gut sein und werden vollständig fit für Valencia, statt zwei schwierige Wochenenden mit Schmerzen und allem Möglichen zu haben.'"
Der Plan ging auf. In Valencia qualifizierte sich Fernandez für den vierten Startplatz. Im Sprint wurde er Vierter und im Grand Prix sorgte er als Zweiter hinter Marco Bezzecchi für einen Aprilia-Doppelsieg.
Aprilia sieht Festhalten an Fernandez als bestätigt
Somit hat sich Fernandez im Laufe des Jahres zum zweitstärksten Aprilia-Fahrer entwickelt. "Wir dürfen nicht vergessen", sagt Aprilia-Chef Massimo Rivola, "dass Raul zwei Jahre hintereinander den Sepang-Test verpasst hat."
"Das ist der Test, bei dem man beginnt zu verstehen, was mit dem Motorrad vor sich geht. Dann fand er einen Teamkollegen vor, der als Rookie sofort vom ersten Moment an extrem schnell war. Also begann er natürlich ein wenig zu kämpfen."
"Ich denke, einer der Schlüsselpunkte war der Test in Aragon, bei dem wir Dinge ausprobiert haben, die ihm sehr viel Selbstvertrauen gegeben haben. Ab diesem Moment war er immer in den Top 10. Wir haben gesehen, dass die Ergebnisse besser und der Rückstand immer geringer wurde."

Raul Fernandez jagte beim Valencia-Finale seinen Markenkollegen Bezzecchi
Foto: AFP
"Ich glaube nicht, dass wir über sein Talent diskutieren müssen", trifft Rivola die gleiche Aussage wie Brivio. "Worüber wir diskutieren müssen ist höchstens die Art und Weise, wie er gearbeitet hat. Jetzt, mit Davide und auch mit Fabiano, die ihm helfen, hat er Menschen, denen er vertraut."
Denn auch Technikdirektor Fabiano Sterlacchini ist regelmäßig in der Trackhouse-Box. Das Satellitenteam wurde im Laufe der Zeit immer enger an das Werk angebunden. Auch die Motorräder sind praktisch Werksmaschinen.
Das bestätigt Brivio: "Sie müssen identisch sein, denn wir haben eine Vereinbarung mit Aprilia, dass sie uns ihr neuestes Material liefern. Natürlich verstehen wir, dass, wie in diesem Jahr, Marco das Aero-Update früher bekommen hat."
"Ich glaube, das war in Mugello, während wir es später in Österreich bekommen haben, wegen Produktionszeiten und so weiter. Aber das Ziel ist, dass wir das gleiche Motorrad haben. Und bei Raul und Marco würde ich sagen, ihre Motorräder sind identisch."
In der Teamwertung belegte Trackhouse den siebten Platz. Hinter Gresini und VR46 war man das drittbeste Satellitenteam.
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