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Tech3-Chef Steiner: Liberty kann die MotoGP auf die nächste Stufe bringen

Günther Steiner sieht in Liberty Medias Einstieg eine große Chance für die Zukunft der MotoGP - Der Tech3-Chef warnt jedoch vor zu großen Erwartungen

Tech3-Chef Steiner: Liberty kann die MotoGP auf die nächste Stufe bringen

Günther Steiner glaubt, dass die MotoGP besser vermarktet werden kann

Foto: Getty Getty

Günther Steiner kennt die Mechanismen des modernen Motorsports. Nach vielen Jahren in der Formel 1, unter anderem als Teamchef von Haas, hat der Südtiroler inzwischen bei Tech3 eine neue Rolle im MotoGP-Paddock übernommen.

Die Übernahme der kommerziellen Rechte an der MotoGP durch Liberty Media verfolgt er mit Interesse und sieht darin vor allem eine Chance für die Königsklasse auf zwei Rädern.

Bei den Gesprächen zwischen Liberty Media und den MotoGP-Teams, die zu einem Rahmenvertrag für die nächsten fünf Jahre führten, war Steiner nach eigener Aussage zwar eingebunden, aber nicht Teil der Verhandlungen auf Ebene der gesamten Meisterschaft.

"Ich bin natürlich nur bei den unabhängigen Teams involviert. Ich war nicht bei irgendwelchen Gesprächen dabei, die darüber hinausgingen", erklärt Steiner.

Der Tech3-Chef glaubt, dass Liberty große Anstrengungen unternimmt, die Serie weiterzuentwickeln. "Die Meisterschaft wächst offensichtlich, und sie wollen sie weiter wachsen lassen. Es geht um den Sport, und manche Menschen sind vielleicht etwas überrascht von einigen Dingen, aber ich denke, sie machen einen guten Job."

Politik gehört in jedem Motorsport dazu

Die politischen Prozesse innerhalb der MotoGP unterscheiden sich laut Steiner nicht grundlegend von denen in der Formel 1. Zwar seien die beiden Rennserien unterschiedlich, die grundsätzlichen Mechanismen blieben jedoch gleich.

"Politik gibt es überall, hier genauso wie in der Formel 1", weiß Steiner. "Jeder versucht, das Beste für sein Unternehmen oder sein Team herauszuholen. Das ist normal."

Anhaltende Diskussionen rund um die künftige Ausrichtung der MotoGP bewertet Steiner deshalb nicht als ungewöhnlich oder problematisch. Dazu gehöre auch, dass am Ende niemand vollständig zufrieden ist. "Man muss eine Mitte finden, die für beide Seiten funktioniert. Am Ende müssen beide ein bisschen unglücklich sein, dann ist es ein guter Deal", blickt der 59-Jährige auf die neue Vereinbarung.

Steiner weiß: Veränderung braucht Zeit

Eine größere Einbindung der Teams in Entscheidungsprozesse hält Steiner grundsätzlich für sinnvoll. Gleichzeitig warnt er davor, von Liberty sofortige Veränderungen zu erwarten. Die Strukturen der MotoGP seien über viele Jahre gewachsen.

"Ich denke, alle Teams tragen zum Sport bei und sollten deshalb auch gehört werden. Aber Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut. Man darf das nie vergessen", mahnt er.

Dabei verweist Steiner auch auf seine eigene Vergangenheit in der Formel 1. Als er Anfang der 2000er-Jahre dort tätig war, habe die Serie noch ganz anders funktioniert. "Ich war in den 2000ern in der Formel 1, als Bernie Ecclestone noch die Kontrolle hatte. Es hat sich alles über die Zeit verändert", erinnert er sich.

Der Wandel unter Liberty sei ebenfalls kein Prozess gewesen, der über Nacht abgeschlossen wurde. "Man kann nicht erwarten, dass Liberty kommt und von einem Tag auf den anderen alles verändert. So funktioniert das Leben nicht", erklärt Steiner.

Auch bestehende Verträge und Strukturen würden eine schnelle Revolution verhindern. "Es gibt technische Verträge und Vereinbarungen, die bestehen. Man kann nicht einfach sagen: Wir machen jetzt alles anders und reißen alte Verträge weg. Man muss auf den nächsten Zyklus warten", weiß der erfahrene Teamchef.

Trotzdem glaubt Steiner an die Erfahrung des neuen Eigentümers. "Liberty weiß, wie man so etwas macht. Sie haben es in der Formel 1 bewiesen. Liberty war es, die die Formel 1 verändert haben, niemand sonst. Es sind dieselben Menschen."

MotoGP muss nicht Formel 1 kopieren

Bei der Bewertung der MotoGP will Steiner allerdings keinen direkten Vergleich zur Formel 1 ziehen. Die Motorrad-WM müsse ihren eigenen Weg finden.

"Ich vergleiche sie nicht mit der Formel 1, weil sie das auch gar nicht braucht", sagt Steiner. "Sie kann ihre eigene Geschichte schreiben." Die größte Stärke der MotoGP sieht der Südtiroler ohnehin im sportlichen Kern. "Was hier sehr stark ist, ist der Sport selbst und die Menschen, die die Show auf die Beine stellen. Es sind sehr gute Leute hier, die Rennen fahren und diesen Sport möglich machen."

Gleichzeitig erkennt Steiner eine Herausforderung innerhalb des eigenen Umfelds: "Die Schwäche dieser Menschen ist vielleicht, dass sie den Sport so sehr lieben, dass sie manchmal die Möglichkeiten nicht sehen, wohin er gehen kann."

Soll heißen: Die große Leidenschaft der Beteiligten könne manchmal verhindern, das gesamte Potenzial zu erkennen. "Ich sage nicht, dass sie es nicht können, aber man muss erkennen, welche Chancen dieser Sport in der Zukunft hat", so Steiner.

Dabei gehe es nicht darum, die MotoGP künstlich an der Formel 1 zu messen. "Niemand interessiert sich dafür, ob sie genauso groß wird wie die Formel 1. Darum geht es nicht. Es geht darum, welche Vision dieser Sport für sich selbst haben kann."

Nächster Schritt: mehr kommerzielle Stärke

Die Rennen selbst seien bereits auf einem hohen Niveau. "Es gibt viel Action, es gibt viele gute Menschen, und die Durchführung funktioniert ebenfalls sehr effizient", lobt Steiner. Den größten Hebel sieht er im Bereich der Vermarktung des Sports.

"Es geht darum, die kommerzielle Seite stärker zu machen, denn dort wurde bisher nie ausreichend investiert." Genau hier liege großes Potenzial durch den Einstieg von Liberty.

Die bisherigen Verantwortlichen hätten die MotoGP erfolgreich aufgebaut, nun komme zusätzliche Unterstützung hinzu: "Die Regulatoren haben einen sehr guten Job gemacht und den Sport dorthin gebracht, wo er heute ist. Aber jetzt gibt es mit Liberty jemanden im Hintergrund, der helfen kann, den nächsten Schritt zu machen."

Für den Tech3-Chef steht deshalb nicht die Frage im Mittelpunkt, ob die MotoGP irgendwann die Formel 1 übertreffen kann. Entscheidend sei vielmehr, das vorhandene Potenzial auszuschöpfen. "Es ist ein sehr cooler Sport mit großartigen Menschen. Wir müssen ihn nur gemeinsam auf die nächste Stufe bringen."

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