Tech3: Steiner plant 2027 mit Rookie - auch wegen der neuen Regeln
Günther Steiner stellt bei Tech3 die Weichen für 2027 und plant fest mit einem Rookie - Gerade in der neuen Regelära sieht er Chancen für den Nachwuchs
Günther Steiner setzt auf frisches Blut statt reiner Erfahrung
Foto: Getty Getty
Die Fahrerplanung für die MotoGP-Saison 2027 nimmt immer konkretere Formen an und ist auch bei Tech3 in vollem Gange. Teameigentümer Günther Steiner hat sich jüngst ausführlich zur möglichen Fahrerpaarung der Zukunft und insbesondere zur Option eines Moto2-Rookies geäußert.
Dabei wird klar: Ergebnisse allein sollen künftig nicht mehr das einzige Entscheidungskriterium sein, wenn es darum geht, sich auf neue Talente festzulegen.
Besonders interessant ist der Blick auf den Moto2-Piloten Senna Agius, über den Steiner grundsätzlich positiv spricht, aber auch Defizite benennt. "Was ich an ihm mag: Er ist ziemlich schnell", so Steiner. Gleichzeitig fehle noch Konstanz. "Die zwei Rennen, die er gewonnen hat, hat er dominiert. Und er ist noch sehr jung in der Moto2. Das sind die guten Dinge", analysiert der Tech3-Verantwortliche.
Steiner: Regelumbruch für Rookies ein Vorteil
Die Überlegungen gehen jedoch weit über einzelne Fahrerprofile hinaus. Tech3 ist laut Steiner grundsätzlich offen für die Verpflichtung eines Nachwuchsfahrers, insbesondere im Hinblick auf die technischen Umbrüche in der kommenden Saison.
Dann greifen neue MotoGP-Regeln mit weniger Motorleistung, reduzierter Aerodynamik und einem Wechsel auf Pirelli-Reifen, was die Karten im Feld neu mischen dürfte.
Ein perfekter Zeitpunkt für einen Rookie? "Wir werden nie wissen, was zu jung oder zu alt ist, bevor man es nicht ausprobiert", erklärt Steiner dazu. "Wenn du einen Rookie nimmst, gehst du immer ein Risiko ein. Aber man muss diese Entscheidung anhand dessen treffen, was man vor sich hat, ohne Emotionen."
Gerade die anstehenden Regeländerungen sieht Steiner als Chance für Neueinsteiger. "Ich denke, nächstes Jahr ist eine gute Gelegenheit für Moto2-Fahrer, in die MotoGP zu kommen", so seine Einschätzung. Durch den Abbau von Aero-Elementen und den Reifenwechsel werde der Einstieg erleichtert. Gleichzeitig müssten erfahrene Fahrer "vieles verlernen", was den Wettbewerb zusätzlich öffne.
"Man hört nicht gerne, dass man Dinge vergessen soll, die man immer so gemacht hat. Aber genau das passiert jetzt", formuliert es der Tech3-Boss. Für ihn ist das ein zentraler Punkt der aktuellen Entwicklung im Grand-Prix-Sport: Erfahrung verliere kurzfristig an Gewicht, Anpassungsfähigkeit werde wichtiger.
Vergleich mit Fahrerscouting in der Formel 1
Dabei spielt auch die strukturelle Unsicherheit bei der Talentbewertung für Steiner eine Rolle. Ein direktes Testprogramm wie in der Formel 1 gebe es im Motorradrennsport kaum.
"Du kannst sie nicht einfach auf ein Bike setzen und testen wie in der Formel 1. Du musst darauf vertrauen, dass ihr erster Kontakt mit der MotoGP funktioniert." Gleichzeitig könne auch ein Test nur "ein Bild zeichnen" und keine endgültige Antwort liefern.
Interessant ist dabei Steiners Vergleich mit der Formel 1: Auch dort wisse man erst im Rennen wirklich, wie ein Fahrer funktioniere. Neben reinen Resultaten zählten Persönlichkeit, Charakter und der Umgang mit Drucksituationen. "Danach halten Talentscouts schon früh Ausschau", weiß der Ex-Haas-Teamchef. "Das alles spielt eine Rolle und ist hier viel weniger ausgefeilt als in der Formel 1."
Für die konkrete Fahrerauswahl 2027 stellt Steiner eine klare Priorität auf: Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit. Gleichzeitig betont er, die Auswahl auf dem Fahrermarkt begrenzt sei: "Wir sind in einer Situation, in der es nicht mehr viele Optionen gibt. Aber ich möchte auf jeden Fall auf einen Neuling setzen."
"Was die derzeitigen Fahrer angeht", fährt Steiner fort, "müssen wir einfach abwarten, wer aus unserer Sicht im Moment der beste Fahrer ist, der Schnellste. Daran wird die Entscheidung festgemacht." Mit Blick auf die Regeländerungen betont er: "Ein guter Fahrer wird sich schneller anpassen als ein nicht so guter."
Unterm Strich zeichnet sich bei Tech3 ein klarer Kurs ab: 2027 könnte bewusst ein Jahr des Umbruchs für das Team werden. Ein Rookie ist dabei kein Experiment am Rand, sondern eine realistische Option im Zentrum der Strategie. Oder, wie Steiner es zusammenfasst: "Wenn man es nicht versucht, weiß man es nicht. Vielleicht liegen wir falsch, aber dann muss man auch bereit sein, wieder etwas zu ändern."
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