Trackhouse-Erfolg in Assen für Brivio "ein Traum" - Aprilia zollt Respekt
Trackhouse überrascht in Assen mit einem historischen Doppelsieg und stellt das Aprilia-Werksteam in den Schatten - Wie Brivio und Rivola den Erfolg bewerten
Davide Brivio feierte den Doppelerfolg mit seinen Fahrern auf dem Podest
Foto: Gold Gold
Doppelsieg im Sprint, Doppelsieg im Grand-Prix-Rennen und ein internes Kräfteverhältnis, das ins Wanken gerät: Am Rennwochenende in Assen hat das Kundenteam Trackhouse die MotoGP-Welt überrascht und selbst innerhalb der eigenen Aprilia-Familie für Gesprächsstoff gesorgt.
Während Trackhouse-Teammanager Davide Brivio von einem "historischen Moment" spricht, reagiert Aprilia-CEO Massimo Rivola bemerkenswert offen und selbstkritisch.
Brivio: "Ein Traum für jedes Team"
Für Brivio war der Auftritt in Assen mehr als nur ein sportlicher Erfolg. Der Italiener sieht es als ein Ereignis, das sich so nur selten im Motorsport ergibt: "Für mich und das Team ist das ein Traum, besonders für ein Nicht-Werksteam. Erst im Sprint Platz eins und zwei, und dann am Sonntag im Rennen, das noch wichtiger ist."
Der Doppelerfolg sei dabei kein Zufall gewesen, sondern Ergebnis eines konsequenten Entwicklungswegs. Das Team sei zwar jung im MotoGP-Paddock, habe sich aber schnell stabilisiert. Besonders die Fahrer spielten laut Brivio eine zentrale Rolle: Ai Ogura und Raul Fernandez hätten sich entscheidend weiterentwickelt.
"Wir hatten Ai als Rookie, Raul mit großem Talent, und wir versuchen, ihn in die Lage zu versetzen, dieses Potenzial auszuschöpfen", erklärt der erfahrene Teammanager.
Fahrer machen den Unterschied
Ein weiterer zentraler Punkt in der Analyse des Trackhouse-Erfolgs: Technisch herrscht Gleichstand innerhalb des Aprilia-Ökosystems. Identisches Material und enger Datenaustausch mit dem Werksteam von Aprilia schaffen beste Voraussetzungen.
"Wir haben exakt dasselbe Material. Wir teilen alle Informationen, unsere Ingenieure treffen sich täglich mit denen des Werksteams", erklärt Brivio. Die Erklärung für den Performance-Unterschied in Assen sei daher eher im Detail zu suchen: "Ich denke, dieses Wochenende waren unsere Fahrer einfach besser. Besonders im letzten Sektor waren Ai und auch Raul fantastisch", so der Italiener weiter.
Gleichzeitig hebt er hervor, dass beide Teams letztlich voneinander profitieren würden, denn Entwicklung sei keine Einbahnstraße, sondern ein gemeinsamer Prozess.
Rivola zeigt Respekt und mahnt
Auf Seiten des Werksteams bleibt die Reaktion auf den Erfolg des eigenen Satellitenteams ungewöhnlich offen. Motorsportchef Massimo Rivola nimmt die Niederlage sportlich, aber auch mit klarer Botschaft an die eigenen Fahrer und Abläufe.
"Ich bin ehrlich gesagt glücklich für sie. Ich habe immer gesagt, ich wollte den Tag sehen, an dem sie uns schlagen, und das haben sie geschafft", gratuliert Rivola der Mannschaft.
Gleichzeitig verweist er - wie auch schon Brivio - auf die enge technische Zusammenarbeit innerhalb der Aprilia-Struktur: Werksteam und Kundenteam würden vollständig integriert arbeiten, inklusive gemeinsamer Meetings und Datenaustausch. "Wir brauchen sie schnell. Wenn sie schnell sind, lernen wir auch von ihnen und werden selbst schneller", unterstreicht Rivola die Synergieeffekte der Teams.
Ogura: Für Brivio einer der Besten
Besonders viel Aufmerksamkeit erregte Ai Ogura mit seinem Premierensieg. Der Japaner gilt im Paddock als ruhiger, analytischer Fahrer mit stetigem Lernfortschritt. Das bestätigt auch Brivio: "Er ist einer der besten Fahrer, mit denen ich je gearbeitet habe."
Ogura arbeite extrem konstant, lerne kontinuierlich dazu und mache kaum Rückschritte. Gerade seine Herangehensweise sei entscheidend: nicht explosiv, sondern systematisch. "Er geht Schritt für Schritt, nutzt Erfahrung und Lernen konsequent. Das ist sehr angenehm zu sehen", betont der Trackhouse-Teammanager.
Auch Oguras Rolle über den Sport hinaus hebt Brivio hervor: Der 25-Jährige sei ein wichtiges Vorbild für junge Talente in Asien und könne eine ganze Generation inspirieren.
Warum der Erfolg kein Zufall ist
Trotz des jüngsten Sensationserfolges von Trackhouse betonen beide Seiten unisono, dass der Erfolg in Assen nicht aus dem Nichts kam. Die Entwicklung des technischen Pakets durch Aprilia hat laut Brivio einen entscheidenden Sprung gemacht, insbesondere seit der zweiten Hälfte der vergangenen MotoGP-Saison.
"Das hat uns diese Leistung ermöglicht. Der Fortschritt war massiv, und unsere Fahrer machen das Maximum daraus", erklärt er. Dass beide Piloten inzwischen auf ähnlichem Niveau performen, unterstreiche dies: Einer gewann den Sprint, der andere das Rennen, ein Zeichen ausgeglichener Stärke bei Trackhouse.
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