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Trackhouse ohne Davide Brivio: So plant das Team die Zukunft

Mit Francesco Guidotti als möglichem Nachfolger, Fahrerwechseln und einem neuen Sponsoren-Deal stellt Trackhouse die Weichen für eine Zukunft ohne Davide Brivio

Trackhouse ohne Davide Brivio: So plant das Team die Zukunft

Davide Brivio verabschiedet sich nach dieser Saison von Trackhouse

Foto: Getty Getty

Der Abschied von Davide Brivio zum Ende der Saison hat Trackhouse und Teambesitzer Justin Marks dazu veranlasst, einen Umstrukturierungsprozess einzuleiten. Dieser umfasst Änderungen im Fahreraufgebot, die Ernennung von Francesco Guidotti zum Teamchef sowie die Festigung des Titelsponsorings.

Die Nachricht von Brivios Entscheidung wurde während des Frankreich-Grand-Prix bekannt. Quellen innerhalb des amerikanischen Teams zufolge tauchten Berichte über eine Verbindung des Italieners zu Honda nur wenige Stunden auf, nachdem er Marks über seine Absicht informiert hatte, das Team zu verlassen.

Die Lücke, die Brivio hinterlässt, wird enorm und nur schwer zu schließen sein. Seine neue Rolle bei Honda Racing Corporation (HRC) soll Berichten zufolge näher am geschäftlichen Bereich als am eigentlichen Rennbetrieb angesiedelt sein.

Nur wenige Personen im Fahrerlager verfügen über eine vergleichbare Erfahrungstiefe. Brivio ist seit fast drei Jahrzehnten in der MotoGP tätig und bekleidete Schlüsselpositionen bei Yamaha und Suzuki, bevor er 2021 für kurze Zeit in die Formel 1 zu Alpine wechselte, wo er als Rennleiter fungierte. 2024 kehrte er mit der Aufgabe zurück, das langfristige Projekt von Trackhouse aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Francesco Guidotti als Brivio-Nachfolger

Unter Brivios Führung errang das amerikanische Team 2025 in Australien seinen ersten MotoGP-Sieg und sammelte insgesamt vier Podiumsplätze. Darüber hinaus etablierte sich Trackhouse als eines der stärksten Teams der Meisterschaft.

Dabei profitierte es von den jüngsten Fortschritten Aprilias. Ein starker Saisonstart hat es auf den zweiten Platz der Teamwertung gebracht, direkt hinter dem Werksteam von Aprilia.

Brivio genießt im Fahrerlager einen hervorragenden Ruf für seine Fähigkeit, Organisationen Struktur zu verleihen und kreative Lösungen für komplexe Herausforderungen zu finden. Genau deshalb ist er besonders schwer zu ersetzen.

Nach Gesprächen mit mehreren Kandidaten scheint Trackhouse kurz davor zu stehen, den ehemaligen KTM-Teammanager Francesco Guidotti als Nachfolger zu verpflichten. Laut Motorsport.com, eine Partnerseite von Motorsport-Total.com, sind beide Seiten daran interessiert, die Vereinbarung so schnell wie möglich abzuschließen, auch wenn zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Verträge unterzeichnet sind.

Es wäre nicht überraschend, wenn Guidotti seine Aufgaben noch vor Ende der laufenden Saison übernehmen würde. Denn anngesichts von Brivios bevorstehendem Wechsel zu Honda und der Einführung des neuen technischen MotoGP-Reglements ab der Saison 2027 wird seine aktuelle Position zunehmend heikel.

Der Grund dafür ist sein Zugang zu vertraulichen Informationen über Aprilias zukünftige Motorräder. Es wäre also naheliegend, dass Trackhouse Brivios Vertrag beendet, sobald die Einigung mit seinem Nachfolger abgeschlossen ist.

Wer fährt 2027 für Trackhouse-Aprilia?

Neben der Suche nach einem neuen Teamchef zwingt Brivios Abschied auch Justin Marks dazu, den Fahrermarkt neu zu bewerten, um die Aufstellung für 2027 festzulegen.

Der Wechsel von Ai Ogura zu Yamaha schafft automatisch einen freien Platz in der Trackhouse-Garage. Dieser soll voraussichtlich von Enea Bastianini besetzt werden, vorausgesetzt KTM hält sein Versprechen ein, den Italiener freizugeben. Der zwischen beiden Parteien geschlossene Vertrag galt ursprünglich für die Saisons 2025 und 2026 und enthält eine Option für 2027, die ausschließlich KTM ziehen kann.

Motorsport.com zufolge ist Bastianinis erwarteter Wechsel zum Teil auf den Wunsch von Aprilia zurückzuführen. Die Marke hatte ihn bereits als möglichen Ersatz für Jorge Martin im Auge, bevor die Verpflichtung von Francesco Bagnaia ins Spiel kam.

Sollte KTM Bastianini tatsächlich freigeben, richtet sich der Fokus auf die Frage, wer sein Teamkollege werden wird. Mehrere Faktoren werden diese Entscheidung beeinflussen, und nicht alle davon sind sportlicher Natur. Wäre allein die Leistung ausschlaggebend, wäre Raul Fernandez wohl längst verlängert worden.

Der Spanier bescherte Trackhouse den ersten MotoGP-Sieg der Teamgeschichte und sammelte mit drei Podien mehr Top-3-Ergebnisse als jeder andere Fahrer des Teams.

Möglicherweise wäre am vergangenen Sonntag in Mugello sogar ein weiterer Podestplatz hinzugekommen, hätte er sich in der ersten Bremszone nicht verschätzt. Dieser Fehler warf ihn vom zweiten auf den vorletzten Platz zurück, ehe er sich noch auf Rang acht vorkämpfte. Den Sprint am Samstag hatte Fernandez gewonnen.

Trotz dieser Leistungen hat der Spanier bislang kein Vertragsangebot von Trackhouse erhalten - eine Situation, die wenig Vertrauen in seine Zukunft beim Team schafft.

Diese Ungewissheit hat zu Spekulationen geführt, dass die Schulteroperation, die Fernandez seit seiner Verletzung in Portugal im vergangenen Jahr aufgeschoben hat, eine Rolle bei den jüngsten Gesprächen von Marks mit Manuel Gonzalez spielen könnte.

Der Aufwärtstrend des Teams ist auch den kommerziellen Partnern nicht entgangen. Der wichtigste davon ist SuperFile, die beim Rennen in Austin als Titelsponsor zu Trackhouse stießen, nachdem bereits eine erfolgreiche Zusammenarbeit im NASCAR-Programm der Marke bestanden hatte. Das Unternehmen trat erstmals beim Daytona 500 mit Trackhouse auf und feierte später mit dem Team einen Sieg in Watkins Glen.

SuperFile-CEO Shane Valdez besuchte anschließend den MotoGP-Lauf in Jerez und soll sowohl von den Geschehnissen auf der Strecke als auch vom Wachstumspotenzial der Meisterschaft beeindruckt gewesen sein. Die Zusammenarbeit mit Trackhouse soll demnach ausgebaut und langfristig angelegt werden.

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