Trotz WM-Führung: Jorge Martin rätselt über Formverlust
Jorge Martin ist zwar aktuelle WM-Leader, doch zufrieden ist der Aprilia-Pilot keineswegs - Was den Spanier auf seiner RS-GP zuletzt ausgebremst hat
Jorge Martin führt zwar die WM an, doch die Saison war voller Aufs und Abs
Foto: Getty Getty
Jorge Martin hat am Sachsenring vor der Sommerpause vor allem eines geschafft: Schadensbegrenzung. Der Aprilia-Pilot beendete den Deutschland-Grand-Prix auf einem fünften Rang und nahm damit wichtige Punkte mit.
Doch während das Ergebnis auf dem Papier solide aussieht, war Martin mit seinem aktuellen Leistungsniveau nicht zufrieden. Der aktuelle Weltmeisterschaftsführende sieht seine Position weniger als Ergebnis eigener Dominanz, sondern vielmehr als Folge der Fehler seiner unmittelbaren Konkurrenten.
"Es war ein solides Wochenende, und es ist immer wichtig, ein Rennen zu beenden. Ich habe die maximal möglichen Punkte geholt", erklärt Martin rückblickend.
Gleichzeitig macht er deutlich, dass die aktuelle Situation nicht seinem Anspruch entspricht: "Wir sind sehr weit weg von den anderen und auch sehr weit weg von den anderen Aprilias. Auf der einen Seite ist das gut, weil es bedeutet, dass das Motorrad funktioniert. Aber es gibt etwas, das wir nicht richtig verstehen."
Das Rätsel um die verlorene Geschwindigkeit
Besonders beschäftigt Martin der Vergleich mit dem Saisonbeginn. In den ersten Rennen fühlte sich die Aprilia für ihn deutlich besser an, inzwischen fehlt ihm die Konstanz. Der Spanier glaubt, dass die Basis des Motorrads wiedergefunden werden muss, mit der er zu Beginn des Jahres konkurrenzfähig war.
"Ich weiß nicht, warum ich mich am Anfang der Saison viel besser gefühlt habe, aber jetzt verliere ich etwas Geschwindigkeit. Wir müssen dahin zurückkommen, wo ich glaube, dass wir sein können", rätselt Martin über das verlorene Momentum.
Die Suche nach der Ursache führt für ihn vor allem zur Abstimmung der RS-GP. Während andere Fahrer laut seiner Einschätzung eine klare Arbeitsgrundlage gefunden haben, befindet sich sein Team weiterhin in einer Phase des Experimentierens.
"Ich denke, wir sind jetzt ziemlich weit weg von dem Motorrad, das wir im ersten Teil der Saison in Austin, Brasilien und Le Mans hatten. Ich sehe, dass die anderen Fahrer mit ihren Motorrädern stabiler sind. Sie wissen, was sie haben, und fahren einfach." Auf seiner Seite habe das Team zuletzt häufig versucht, die Maschine an unterschiedliche Strecken anzupassen. Vielleicht sei aber genau das das Problem.
Die Lösung sieht Martin in einer detaillierten Analyse der erfolgreichen und schwierigen Wochenenden. "Wir müssen anschauen, wann ich schnell war, was funktioniert hat, und wann ich langsam war, was nicht funktioniert hat. Danach müssen wir in diese Richtung weiterarbeiten", gibt er die Marschroute vor.
Aktuelle WM-Führung, aber mit Warnsignal
Trotz der Probleme steht Martin zur Halbzeit an der Spitze der Weltmeisterschaft. Eine Situation, die er im Januar sofort unterschrieben hätte. Dennoch warnt der Aprilia-Pilot davor, sich darauf auszuruhen, zumal der Vorsprung nicht groß ist.
"Wenn du mir im Januar gesagt hättest, dass ich nach der Hälfte der Saison WM-Führender bin, hätte ich sofort unterschrieben", so Martin. Die Freude darüber sei aber nicht der entscheidende Punkt. "Ich bin natürlich glücklich, weil es immer ein schönes Gefühl ist, vorne zu liegen. Aber ich denke, es ist eher nebensächlich."
"Jetzt müssen wir die Geschwindigkeit finden, denn ich kann jetzt führen, aber wenn ich weiterhin Rennen wie dieses fahre, werde ich nicht lange vorne bleiben", weiß der Spanier.
Martin sieht die Ausgangslage dennoch positiv. Das Potenzial sei vorhanden, und die Meisterschaft bleibe völlig offen. "Wir haben einen großartigen ersten Teil der Saison gefahren. Ich war sehr selbstbewusst. Die letzten Rennen waren schwieriger, aber ich weiß, dass das Potenzial hoch ist", bleibt er kämpferisch.
Gleichzeitig räumt er ein, dass seine Führung teilweise durch Fehler der Konkurrenz entstanden sei: "Vielleicht führe ich mehr wegen der Fehler der anderen als wegen meiner eigenen Ergebnisse. Aber ich führe, und wir müssen weiterarbeiten."
Vertrauen zurückgewinnen, nicht nur am Bike
Für Martin selbst erwiesen sich vor allem die Wochenenden in Barcelona und am Balaton als schwierig. Stürze warfen ihn auch in seiner körperlichen Verfassung erneut zurück.
"Barcelona war vielleicht nach so vielen Stürzen der Moment, in dem etwas Klick gemacht hat. Mugello war dann sehr stark. Ungarn war ein schwieriges Wochenende [mit dem Startcrash]. Danach hatte ich dieses Problem mit meinem Rücken, und vielleicht habe ich ab diesem Punkt etwas Vertrauen verloren."
Am Sachsenring selbst habe es aber nicht an Selbstvertrauen gemangelt. Vielmehr stieß Martin mit der aktuellen Abstimmung an eine Grenze. "Ich wusste, dass wir das Limit etwas verschieben müssen, weil ich vor allem mit der Front zu kämpfen hatte."
Deshalb nimmt er neben der Technik auch sich selbst in die Pflicht: "Wir müssen daran arbeiten, vielleicht auch an meinem Stil, und verstehen, wie ich schneller sein kann."
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