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"Uccio"-Interview: "Valentino hat uns um mindestens einen Sieg gebeten"

VR46-Teamchef Alessio "Uccio" Salucci über starken Auftakt in die Saison 2026, Transfermarkt für 2027 und seinen größten Hoffnungsträger in der Akademie

"Uccio"-Interview: "Valentino hat uns um mindestens einen Sieg gebeten"

Teamchef und Teambesitzer bei VR46: Alessio "Uccio" Salucci und Valentino Rossi

Foto: Gold Gold

Mit Fabio Di Giannantonio als Speerspitze zählt das VR46-Team von Valentino Rossi, geleitet von dessen langjährigem Kumpel Alessio "Uccio" Salucci als Teamchef und von Pablo Nieto als Teammanager, zu den positiven Überraschungen der noch jungen MotoGP-Saison 2026. Sowohl in der Fahrerwertung als auch in der Teamwertung ist VR46 dasjenige Team, das das Ducati-Aufgebot im Feld aktuell anführt.

Im Interview für die italienische Ausgabe von Motorsport.com, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network, spricht VR46-Teamchef "Uccio" Salucci über den starken Auftakt in die Saison, über den Transfermarkt für 2027 sowohl auf Fahrer- als auch auf Herstellerebene, über die von Teambesitzer Rossi ausgegebenen Saisonziele für 2026, und über seinen eigenen größten Hoffnungsträger in Reihen der jungen Nachwuchspiloten in der VR46-Akademie.

Frage: "Uccio, das VR46-Team ist sehr gut in die Saison 2026 gestartet. Ihr seid häufig vor dem Ducati-Werksteam ins Ziel gekommen. Wie zufriedenstellend ist das für dich und das gesamte Team?"

Alessio Salucci: "Es ist sehr zufriedenstellend. Wir sind wirklich gut in die Saison gestartet. Leider war die vergangene Saison ein bisschen zu inkonstant, aber in den letzten fünf, sechs Rennen [der Saison 2025] konnte ich sehen, dass wir auf dem richtigen Weg waren, vor allem mit 'Diggia'."

Starker Saisonstart 2026 nicht nur Verdient von Di Giannantonio

"Ich sage immer, um eine gute Saison zu haben, muss man die vorherige stark beenden. Es ist sehr schwierig, eine Saison schlecht zu beenden und in der nächsten gut abzuschneiden. Ich bin glücklich, weil wir die führende Ducati stellen, das gefällt mir. Ich freue mich auch, dem Ducati-Werksteam gute Unterstützung zu bieten. Sie beobachten uns ohnehin. Sie sehen, wie schnell wir sind, und deshalb sind wir hier."

"Und dann liegt es auch an 'Diggia', denn er fährt wirklich gut. Er hat den Dreh mit diesem Motorrad raus, es ist sein zweites Jahr im Team. Voriges Jahr haben wir seinen Crewchief gewechselt. [Massimo] Branchini kam ins Team, jetzt arbeiten sie im zweiten Jahr zusammen. Sie verstehen sich immer besser, was mich sehr freut."

Fabio Di Giannantonio

Fabio Di Giannantonio ist stark in die MotoGP-Saison 2026 gestartet

Foto: Getty Images South America

Frage: "Bleiben wir bei den aktuellen Ereignissen. Wie viel von den Ergebnissen ist auf die Fortschritte des Teams zurückzuführen und wie viel auf Di Giannantonio? Denn es scheint, dass er, seit er bei euch im Team ist, deutliche und bedeutende Fortschritte gemacht hat."

Salucci: "Ich würde sagen, 50:50. Vergangenes Jahr war unser erstes Jahr als werksunterstütztes Team. Das ist nicht nur ein Label, sondern ein ganz anderes Projekt. Das ist eine tolle Sache, aber gleichzeitig gibt es viel zu stemmen. Man hat viel mehr Material, aber auch viel mehr Meetings. Es ist, als würde man seinen Fuß auf einen anderen Planeten setzen. Es ist wunderbar, aber man muss Erfahrung sammeln."

"Im vergangenen Jahr hatten wir Massimo Branchini als Neuzugang im Team. Das Projekt war neu, Fabio [Di Giannantonio] hatte noch nie zuvor mit ihm zusammengearbeitet. Fabio hatte die Wintertests wegen einer Schlüsselbeinverletzung verpasst. In der modernen MotoGP-Welt ist das ein echtes Problem. Man bezahlt dafür teuer. Ich hatte gehofft, wir würden nur für die ersten drei Rennen dafür bezahlen müssen. Stattdessen haben wir etwa die halbe Saison lang den Preis dafür bezahlt."

"Diese Dinge bedeuteten, dass wir uns aufrappeln mussten. Seither ist Fabio gemeinsam mit dem Team gewachsen. Ich würde also sagen, 50:50. Seit seiner Ankunft bei uns hat Fabio eine massive Wandlung durchgemacht."

"Seine Wandlung haben wir nicht so sehr in den Rennen bemerkt, sondern zu Hause bei seiner Vorbereitung, der Physiotherapie und dem körperlichen Training für den Motorsport. Wir haben großartige Arbeit geleistet und er ist ein kluger Kerl. Er ist jemand, der zuhört, ein echter Profi. All das hat es uns ermöglicht, dieses Jahr einen guten Auftakt in die Saison hinzulegen."

Vertragsverlängerung mit Di Giannantonio hat "Priorität"

Frage: "Angesichts dieses Wachstums ist 'Diggia' zu einem begehrten Fahrer auf dem Transfermarkt geworden. Ich glaube, er hat für euch Priorität, aber wir wissen, dass mehrere Teams Interesse an ihm gezeigt haben. Wie sieht die Lage aus?"

Salucci: "Zunächst einmal freut mich das alles sehr, denn ich erinnere mich, dass vor zwei Jahren, als wir ihn unter Vertrag nahmen, kein Interesse an ihm bestand. Wir haben an ihn geglaubt, und jetzt ist er ein heiß begehrter Fahrer. Das freut mich. Andererseits macht es die Dinge komplizierter."

Fabio Di Giannantonio

VR46-Pilot Di Giannantonio ist derzeit bestplatzierter Ducati-Fahrer in der WM

Foto: Getty Images Europe

"'Diggia' hat für uns Priorität. Wir versuchen, ein Angebot für ihn zu schnüren, das dem heutigen Di Giannantonio gerecht wird, sowohl in technischer als auch in finanzieller Hinsicht. Dann hoffen wir, dass es klappt und er sich entscheidet, die nächsten Jahre bei uns zu bleiben."

Frage: "Bleiben wir beim Thema Transfermarkt. Wenn 'Diggia' zu einem anderen Team wechseln wollte, hättest du dann einen Plan B? Ist eine Rückkehr von Luca Marini ins Team eine realistische Option?"

Salucci: "Hier steht alles zur Debatte. Wir haben einen Plan B, C und D. Wie ich bereits gesagt habe, ist 'Diggia' unsere Priorität, und ich würde es hassen, auf Plan B zurückgreifen zu müssen. Aber wir wissen auch, dass man im Leben einen Plan B und C haben muss. Bei Marini wir wissen nicht, ob er bei Honda bestätigt wird. Bei Morbidelli weiß man es auch nie. Wir arbeiten hart mit ihm."

"Ich mag [Celestino] Vietti, er liegt mir sehr am Herzen. Warum nicht auch [Nicolo] Bulega? Es gibt viele Optionen, die wir uns offen halten. Es ist eine spannende, aber heikle Zeit. Wir arbeiten hart, denn die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, werden die kommenden Jahre bestimmen. Wir hoffen, die richtige Wahl zu treffen, aber vor allem hoffen wir, dass 'Diggia' bei uns bleiben will. Wenn es anders kommt, würde mir das wirklich leid tun. Wir werden sehen."

Vertrag mit Fermin Aldeguer hat sich abgezeichnet

Frage: "Auf der anderen Seite der Box wird im nächsten Jahr Fermin Aldeguer sitzen. Du hast schon immer großes Talent in ihm gesehen, seit er in den Nachwuchsserien gefahren ist, nicht wahr?"

Salucci: "Ganz einfach, ich habe sofort drei Dinge an ihm gesehen: später bremsen, aggressiv in die Kurven gehen und früher Gas geben. Nein, Spaß beiseite, ich konnte schon früh sehen, dass er sehr reif, absolut bereit und selbstbewusst war. Er wusste, wohin er wollte und was er brauchte."

"Leider ist er im Moment noch verletzt. Ich habe kürzlich mit ihm gesprochen und sein Bein ist noch schwach. Also muss er es ruhig angehen lassen. Denn in der heutigen MotoGP-Welt muss man in absoluter Bestform sein. Es gibt da keinen Platz für Improvisation. Man muss hundertprozentig fit sein, um gut abzuschneiden."

Fermin Aldeguer, Fabio Di Giannantonio

Fermin Aldeguer steht für 2027 vor dem Wechsel von Gresini zu VR46

Foto: Getty Images Europe

"Für mich ist Fermin ein Spitzenfahrer. Er hat bereits gewonnen und ist jung. Er hat so viele Qualitäten. Er ist noch nicht bei uns, aber ich hoffe, wir können den Vertrag in den nächsten zwei Wochen unter Dach und Fach bringen. Das ist mir wirklich wichtig."

"Wir hatten es schon früher versucht, aber damals fuhr er für ein Moto2-Team und wir wollten mit niemandem in Konflikt geraten. Also beschlossen wir zu warten, in der Hoffnung, ihn ein paar Jahre später unter Vertrag zu nehmen. Hoffen wir, dass es so kommt."

Warum VR46 Ducati gegenüber Aprilia als Partner vorzieht

Frage: "Du hast keinen Hehl daraus gemacht, dass du in den vergangenen Monaten mit Aprilia in Kontakt standest, um möglicherweise eines ihrer Satellitenteams zu werden. Letztendlich habt ihr euch dafür entschieden, bei Ducati zu bleiben. Was hat dich davon überzeugt, dass es der richtige Weg ist, den Hersteller nicht zu wechseln?"

Salucci: "Es stimmt, wir haben ein paar Mal mit Aprilia gesprochen. Ich habe im vergangenen Jahr in Malaysia mit [Massimo] Rivola gesprochen, danach auch noch bei anderen Gelegenheiten, immer mit ihm. Ich habe ein gutes Verhältnis zu ihm. Wir kennen uns seit 20 Jahren, seit Valentino [Rossi] im Jahr 2006 den Formel-1-Test fuhr."

"Massimo leitete damals den Test mit Valentino und war mein Ansprechpartner für den Overall, den Helm und all diese Dinge. Ich habe ihn damals kennengelernt und habe ein hervorragendes Verhältnis zu ihm. Er ist ein Mann mit großem Fachwissen."

Marco Bezzecchi, Franco Morbidelli

VR46 dachte für 2027 über Aprilia nach, wird aber bei Ducati bleiben

Foto: AFP

"Aber ich habe auch ein gutes Verhältnis zu [Gigi] Dall'Igna. Wir haben hart gekämpft, um die Position zu erreichen, die wir jetzt haben, nämlich die eines werksunterstützten Teams. Bei Aprilia wären wir das zweite Satellitenteam gewesen, denn an erster Stelle hätte zu Recht Trackhouse gestanden, was ein großartiges Team ist. Und dann ist da noch [Davide] Brivio, zu dem ich ein fantastisches Verhältnis habe. Die Situation wäre also insgesamt schwieriger gewesen."

"Mit Ducati haben wir einen außergewöhnlichen Partner. Sie behandeln uns wie Könige. Wir haben jede Menge Material in der Box und wir bekommen jede Menge Ausrüstung zugeschickt. Sicher, der Vertrag ist noch nicht unterzeichnet, und im Sport können sich die Dinge im Handumdrehen ändern, alles ist möglich. Aber wir sind zuversichtlich, dass er auf die bestmögliche Weise abgeschlossen wird."

"Per Handschlag haben uns schon darauf geeinigt. Wir müssen nur noch ein paar Details klären: Ein Ingenieur mehr oder einer weniger? Wer bezahlt den Business-Class-Flug für diese Person? Wer übernimmt die Kosten für den anderen nicht? Kurz gesagt: Wir sind schon an diesem Punkt angelangt und die Dinge entwickeln sich gut."

Frage: "Zu Beginn der Saison legte Valentino Rossi die Ziele für diese Saison fest. Haben sich diese nach einem so positiven Saisonstart geändert? Wurde die Messlatte seither höher gelegt?"

Salucci: "Der Appetit kommt beim Essen. Valentino hat uns gebeten, mindestens ein Rennen zu gewinnen, und mit diesem Ziel müssen wir beginnen. Wir zeigen gute Leistungen, wir sind schnell und wir haben Spaß. Ich liebe es, zu den Rennen zu kommen, morgens aufzuwachen und mich an die Arbeit zu machen. Die Atmosphäre ist großartig, aber wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Wir haben noch nichts erreicht, aber der Appetit kommt beim Essen."

VR46-Akademie: "Uccio" schwärmt von Lorenzo Pritelli

Frage: "Lass uns auch über die VR46-Akademie sprechen. Hättest du bei der Gründung jemals erwartet, dass ihr vier Fahrer dauerhaft in die MotoGP-Klasse bringen könntet? Und, wenn ich das hinzufügen darf, ihr habt auch eine neue Generation junger Fahrer. Ihr wart die ersten, die fest an 'Pecco' Bagnaia geglaubt haben, anschließend hat er so viel gewonnen. Siehst du jemanden aus deiner Gruppe, der seinen Weg ebenfalls einschlagen könnte?"

Salucci: "Ja, ich sehe Pritelli. Leute, merkt euch diesen Namen: Lorenzo Pritelli. Er ist auf dem Vormarsch. Aber es liegt noch ein langer Weg vor ihm, er ist erst 15 und noch ein Kind, genau wie 'Pecco' damals. Alles ist möglich. Es hängt davon ab, wie sehr er wirklich Rennfahrer werden will. Das heißt, Opfer zu bringen, zu Hause zu bleiben und nicht mit Freunden auszugehen. Schließlich ist er 15."

"Wenn er wirklich Rennfahrer werden will, wird es nicht lange dauern, bis wir ihn in der Weltmeisterschaft sehen. Er ist derjenige, der mir von den neuen jungen Fahrern am besten gefällt. Ich habe ein gutes Gefühl bei ihm."

Frage: "Wie bereits erwähnt, habt ihr wieder junge Fahrer in der Akademie. Könnte das dazu führen, dass VR46 künftig wieder ein Moto3- oder Moto2-Team aufstellt, wie es in der Vergangenheit schon einmal der Fall war?"

Salucci: "Ehrlich gesagt haben wir bereits darüber nachgedacht. Das MotoGP-Team zu managen ist wirklich zäh und kompliziert. Wir haben das bereits 2022 gemacht, als wir sowohl in der Moto2- als auch in der MotoGP-Klasse am Start waren. Das ist nicht einfach, man braucht viel Organisation."

"Für den Moment haben wir uns entschieden, Partnerteams auszuwählen, auf die wir uns verlassen können, und ihnen unsere Akademie-Fahrer zu schicken. Da ist 'Gabba' (Matteo Gabarrini; Anm. d. Red.), der bei Tonucci ist, einem großartigen Moto3-Team, das auch in der CEV antritt."

"Es ist eines der Teams, auf die sich die Akademie verlässt. Wenn die Jungs dann Fortschritte machen, werden wir ein Moto2-Team finden. Also um die Frage zu beantworten: Nein, wir werden kein eigenes Moto3- und Moto2-Team betreiben."

Wird VR46 bald wieder gewinnen?

Frage: "Wie sehen deine Erwartungen für den Rest der MotoGP-Saison für das VR46-Team aus?"

Salucci: "Ich möchte, dass wir mit beiden Fahrern, 'Diggia' und 'Morbido', um Siege mitkämpfen, stark fahren, Spaß haben und immer in den Top 5 sind. Für die Fahrer, für die Leute im Team, würde ich mir immer wünschen, dass sie um die Top 5 kämpfen. Gewinnen kann bekanntlich nur einer. Aber das Wichtigste ist, immer als Anwärter dabei zu sein. Das haben wir verdient."

"Es gibt bekanntlich vier bis fünf Topfahrer, die gerade richtig glänzen: Martin, Bezzecchi, Acosta. Die sind hart im Nehmen. Wir waren mit 'Diggia' auch schon ganz vorne dabei. Bei ihnen da vorne müssen wir bleiben und jede Gelegenheit nutzen, die sich uns bietet."

Franco Morbidelli, Fabio Di Giannantonio

Was werden Morbidelli und Di Giannantonio in dieser Saison noch erreichen?

Foto: Media VR46

Frage: "Du hast Pedro Acosta erwähnt. Wie sehr bedauerst du es, ihn nicht verpflichtet und zu VR46 geholt zu haben? Denn im vergangenen Jahr warst du wirklich kurz davor, ihn unter Vertrag zu nehmen, nicht wahr?"

Salucci: "Das tut mir wirklich leid. Er und Fermin [Aldeguer] sind die talentiertesten jungen Fahrer. Ihnen gehört die MotoGP-Zukunft. Wir hätten Pedro sehr gerne bei uns gehabt, aber er hatte Verträge. Es gab da einen ziemlichen Tumult um ihn. Daher war es nicht einfach, ihn zu bekommen. So ist es nun mal gelaufen."

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