Vom Testfahrer zum Rennfahrer: Das macht Pol Espargaro zu schaffen
Der Grip beim Qualifying ist eine Sache, der Reifenabbau über die Renndistanz eine andere - Pol Espargaro fühlt sich bei seiner Rückkehr als Rennfahrer wie ein Rookie
Der Grip mit neuen Reifen im Qualifying-Versuch macht es knifflig
Foto: Gold Gold
KTM-Testfahrer Pol Espargaro war in den vergangenen Monaten hauptsächlich damit beschäftigt, den neuen 850er-Prototypen für die MotoGP-Saison 2027 zu fahren. Nun muss er vorübergehend als Ersatzfahrer für Maverick Vinales wieder Rennen bestreiten.
Nach seinen Einsätzen in Silverstone und Aragon fährt Espargaro auch am kommenden Wochenende in Misano. Die Umstellung auf die aktuelle 1.000er-KTM mit Michelin-Reifen war im ersten Moment nicht so einfach.
Denn der Spanier war vor seinen Renneinsätzen zuletzt Ende Januar beim Shakedown-Test in Sepang auf dem noch aktuellen Motorrad unterwegs. Tests und Rennwochenenden sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.
Das spürte Espargaro in Silverstone und Aragon vor allem bei den Qualifying-Runden: "Wenn man neue Reifen aufzieht, verändern sich die Geschwindigkeiten, die man in den Kurven erreicht, komplett."
"Weil die Beschleunigung aus der vorherigen Kurve massiv besser ist. Man muss also die Geschwindigkeit und die Distanz erkennen und sie dann jede Runde neu anpassen."
"Wenn man schneller ist, muss man einfach erkennen, dass man ein bisschen schneller ist, und dann etwas früher bremsen. Und genau das fehlt mir noch. Das macht mir am meisten Schwierigkeiten."
Die Stammfahrer sind es gewohnt, den zusätzlichen Grip in Qualifying-Runden zu nutzen und das Motorrad bis ans absolute Limit zu bringen. Im Freitagstraining in Aragon versuchte Espargaro beispielsweise, Pedro Acosta nachzufahren.
Doch selbst in der Aufwärmrunde konnte er dem jungen Spanier nicht folgen. Schon in der Runde aus der Box fuhr Acosta drei Sekunden schneller und Espargaro verlor den Anschluss, um die fliegende Runde dahinter fahren zu können.
Der zusätzliche Grip der Reifen im Qualifying-Versuch ist eine Sache, der Abbau des Reifens über die Renndistanz eine andere. Auch das bereitete Espargaro zuletzt beim Aragon-Rennen große Mühe.
"Es war erst mein zweites Rennen. Die ganze Elektronik, wenn der Reifen abbaut, dann leide ich sehr. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht weiß, wie ich mich verhalten und wie ich mich an diese großen Veränderungen anpassen soll."

Pol Espargaro hat trotzdem Spaß und hat das Gefühl, er wird immer schneller
Foto: Qian Jun/MB Media/Getty Images
Bemerkenswert war in Aragon Espargaros vierter Platz im Warm-up, das allerdings nur zehn Minuten dauert. "Aber dann kommt das Rennen, und überall sind Turbulenzen. Der Reifen baut ab, der Tank ist voll."
"Die Situation verändert sich stark, und man muss sich anpassen. Man muss wissen, was das Motorrad machen wird und was passieren wird. Und ich entdecke das gerade wie ein Rookie zum ersten Mal", sagt Espargaro. "Es ist knifflig."
In Silverstone sammelte Espargaro als 13. drei WM-Punkte. In Aragon kam er als 16. ins Ziel. Nun steht Misano auf dem Programm, wo er 2024 zum letzten Mal mit einer Wildcard gefahren ist und Zehnter wurde.
Trotz seiner Schwierigkeiten, wieder Rennfahrer zu sein, zeigt sich Espargaro optimistisch: "Ich habe das Gefühl, dass ich immer schneller werde. Schauen wir mal, was in Misano passiert. In Misano bin ich es gewohnt, zu testen, und dabei bin ich schnell. Wir werden sehen."
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