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"Waren nie wirklich im Spiel": Dall'Igna analysiert Ducatis Silverstone-Flaute

Ducati erlebte in Silverstone eines der schwierigsten MotoGP-Wochenenden der Saison - Gigi Dall'Igna räumt die Probleme ein, sieht aber keinen Grund zur Panik

"Waren nie wirklich im Spiel": Dall'Igna analysiert Ducatis Silverstone-Flaute

Für Marc Marquez endete das Silverstone-Wochenende enttäuschend

Foto: Getty Getty

Ducati ist mit einem Dämpfer aus der MotoGP-Sommerpause zurückgekehrt. Hatte Marc Marquez den ersten Saisonabschnitt mit seinem Sieg am Sachsenring noch eindrucksvoll beendet und damit seine Titelambitionen unterstrichen, zeigte sich beim Grand Prix von Großbritannien ein anderes Kräfteverhältnis.

In Silverstone war Aprilia die Referenz, während die Desmosedici über das gesamte Wochenende nicht ernsthaft um den Sieg kämpfen konnte. Für Gigi Dall'Igna ist das Ergebnis deshalb ernüchternd, aber kein Anlass, die Alarmglocken zu läuten.

Der Ducati-Rennchef räumt die Schwächen offen ein, warnt jedoch davor, aus einem einzelnen schwierigen Wochenende grundsätzliche Schlüsse zu ziehen. "Silverstone hat einmal mehr gezeigt, wie unberechenbar diese Strecke ist", erklärt Dall'Igna in seiner Wochenendanalyse auf der offiziellen Ducati-Website.

Der Kurs habe sich für Ducati erneut als sehr anspruchsvoll erwiesen. Das Wochenende sei enttäuschend gewesen, man müsse jetzt die richtigen Lehren daraus ziehen.

Dall'Igna: "Wir waren nie wirklich im Spiel"

Ducati fehlte in Silverstone schlicht das entscheidende Gesamtpaket. Schon im Qualifying war die Mannschaft nicht auf Augenhöhe mit den Aprilia, im Sprint verschärften sich die Probleme durch den starken Reifenverschleiß. Aprilia belegte die Top3, während Alex Marquez als bester Ducati-Fahrer Vierter wurde. Fabio Di Giannantonio kam auf Rang fünf, Marc Marquez musste sich mit Platz neun begnügen.

Dall'Igna bringt die Situation ungewöhnlich nüchtern auf den Punkt: "Es gibt nicht viel zu sagen: Wir waren nie wirklich im Spiel." Von der Qualifikation bis zum Rennen habe Ducati einfach keinen konkurrenzfähigen Rhythmus gefunden.

Hinzu kam, dass den Fahrern das notwendige Gefühl für die Desmosedici fehlte. Besorgniserregend sei das trotzdem nicht: "Nichts besonders Beunruhigendes."

Dabei wurde gerade der Umgang mit den Reifen zum Problem. Marc Marquez berichtete nach dem Sprint von einem drastischen Einbruch des Hinterreifens. Bereits ab der dritten Runde habe der Reifen stark abgebaut. Die Ducati sei dadurch praktisch unfahrbar geworden. "Es war unmöglich zu beschleunigen", so Marquez.

Zwar erwies sich das Reifenproblem am Sonntag als weniger drastisch, dennoch blieb Ducati auch hier hinter den Erwartungen zurück. Marc Marquez wurde Siebter, während Francesco Bagnaia nach einem schwierigen Wochenende gestürzt ausschied.

Alex Marquez hielt als Vierter am Samstag und Sonntag die Ducati-Fahne noch am höchsten. Di Giannantonio brachte seine VR46-Ducati auf dem sechsten Platz ins Ziel.

Alex Marquez überzeugt auch ohne Podest

Besonders positiv fiel für Dall'Igna Alex Marquez auf. Der Gresini-Pilot war über weite Strecken der stärkste Ducati-Fahrer und hatte im Grand Prix sogar Chancen auf einen Podestplatz. Ein Fehler kostete ihn jedoch eine bessere Platzierung.

"Alex Marquez war am Samstag und Sonntag unser bester Vertreter", lobt Dall'Igna. Der jüngere der beiden Marquez-Bruder habe ein Rennen, das für Ducati bereits früh schwierig geworden sei, lange am Leben gehalten. "Ein Fehler in der Mitte des Rennens hat ihn wahrscheinlich einen Podiumsplatz gekostet, doch trotz allem hat er einmal mehr gezeigt, aus welchem Holz er geschnitzt ist."

Damit erfüllte Alex auch eine Rolle, die Ducati in Silverstone dringend benötigte: Er zeigte, dass die Desmosedici trotz des klaren Rückstands auf Aprilia grundsätzlich konkurrenzfähig sein konnte, wenn Fahrer und Abstimmung zusammenpassen.

Auch Di Giannantonio bekommt von Dall'Igna ausdrücklich Anerkennung. Der VR46-Pilot sammelte wichtige Punkte. "Er ist wieder in den Punkten und zeigt Konstanz", sagt der Ducati-Boss. Das sei auch mental wichtig gewesen. Mit Blick auf die Weltmeisterschaft bleibe die Ausgangslage zudem völlig offen.

Marquez: Auch der rechte Arm bremst ihn aus

Bei Marc Marquez kamen in Silverstone zwei Faktoren zusammen. Zum einen passte die Strecke nicht optimal zur Ducati, zum anderen war der Weltmeister körperlich nicht bei 100 Prozent. Das machte sich besonders am Sonntag bemerkbar.

Marquez erklärte nach Platz sieben, dass er physisch nicht auf seinem normalen Niveau gewesen sei. "Ich hatte keine Kontrolle über meinen rechten Arm", sagte er in einem von Ducati veröffentlichten Video. Das erhöhte in einigen Kurven das Sturzrisiko, während er gleichzeitig Probleme mit dem Vorderrad beklagte.

Dall'Igna ordnet Marquez' Wochenende ähnlich ein: "Marc selbst hatte gewarnt, dass es ein schwieriges Rennen werden würde, und genau das ist auch eingetreten."

Im Rennen sei Marquez zunächst stark gestartet und habe sich so lange wie möglich in Podestnähe gehalten, ehe er Position um Position verlor. "Er kämpfte jedoch hartnäckig weiter, bis er sich schließlich mit einem nicht gerade glänzenden Rennen zufriedengeben musste, ohne dabei unnötige Risiken einzugehen."

Bagnaia erlebt "Wochenende zum Vergessen"

Francesco Bagnaia

Francesco Bagnaia kam in Silverstone auf keinen grünen Zweig und blieb punktelos

Foto: Getty Images Europe

Noch schwieriger verlief das Wochenende für Bagnaia. Der Italiener hatte die Sommerpause genutzt, um sich am rechten Unterarm wegen eines Kompartmentsyndroms und Karpaltunnelsyndroms operieren zu lassen. Bereits am Freitag machte sich die körperliche Belastung bemerkbar: Bagnaia schaffte es nicht direkt in Q2 und klagte vor allem in den Rechtskurven über Schmerzen.

In Silverstone kam allerdings noch ein grundsätzliches Problem hinzu: Es fehlte an Grip. Bagnaia fand über das gesamte Wochenende keine Lösung und schied im Grand Prix nach einem Sturz aus. Dall'Igna spricht von einem "Wochenende zum Vergessen".

Gleichzeitig stellt er klar, dass die Strecke nach der Operation für Bagnaia besonders ungünstig gewesen sei. Eine Entschuldigung soll das allerdings ausdrücklich nicht sein: "Pecco sucht keine Ausreden, wie seine Kommentare bestätigen", betont er.

Aprilia setzt Ducati weiter unter WM-Druck

Die sportliche Brisanz des Silverstone-Wochenendes liegt vor allem im Vergleich mit Aprilia. Die RS-GP beanspruchte das Podium sowohl im Sprint als auch im Grand Prix und unterstrich damit ihre besondere Stärke auf dem schnellen, flüssigen Kurs.

Am Sachsenring hatte Marquez noch souverän gewonnen und seine Aufholjagd in der WM fortgesetzt. Vor der Sommerpause führte Jorge Martin die Gesamtwertung allerdings weiterhin an. Silverstone verschärfte diesen Trend erneut.

Dall'Igna will daraus dennoch keinen grundsätzlichen Machtwechsel ableiten. Für ihn ist Silverstone vielmehr eine Erinnerung daran, wie eng und wechselhaft die MotoGP 2026 ist.

"Wir nehmen zur Kenntnis, dass uns eine Strecke sehr abrupt zurück in die Realität einer hart umkämpften Meisterschaft gegen starke und unbeugsame Gegner gebracht hat", sagt er. Die Konsequenz lautet deshalb nicht, alles infrage zu stellen, sondern den Fokus zurückzugewinnen. "Jetzt besteht die Priorität darin, den Geist wiederzufinden, den wir vor der Sommerpause hatten, und wieder alles zu geben."

Die Hoffnung bei Ducati richtet sich damit auf die kommenden Rennen. Noch sind zahlreiche Grands Prix zu absolvieren, und Dall'Igna geht davon aus, dass auch die Konkurrenz schwierige Wochenenden erleben wird. Gleichzeitig weiß er: "Es werden sicher auch wieder günstigere Tage für uns kommen."

Entscheidend sei, bereit zu sein, wenn sich die Kräfteverhältnisse wieder verschieben: "In einem so großartigen Championat wie der MotoGP wird der Erfolg denen gehören, die am besten auf die Herausforderung des jeweiligen Tages reagieren."

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