Warum Aprilia gegen Ducati protestiert: "Uns wurde ähnliches Teil verboten"

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Warum Aprilia gegen Ducati protestiert:
Autor:
Co-Autor: Matteo Nugnes
12.03.2019, 15:22

Für Massimo Rivola ist klar, dass das umstrittene Ducati-Teil einen aerodynamischen Effekt hat - Dem Teammanager geht es ums Prinzip, denn Aprilia wurde das verboten

Im Zuge der Umstrukturierung bei Aprilia wurde Massimo Rivola als neuer Teammanager für das MotoGP-Projekt installiert. Der Italiener verbrachte die vergangenen 20 Jahre in der Formel 1 und arbeitete in verschiedenen Funktionen für Minardi, Toro Rossi und Ferrari. Nun ist bekannt geworden, dass Rivola eine treibende Kraft hinter dem Protest gegen Ducati war. Aprilia hatte nämlich eine ähnliche Vorrichtung vor dem Hinterreifen entwickelt. Diese Lösung wurde aber von MotoGP-Technikdirektor Danny Aldrige im Februar als nicht legal eingestuft.

Als dann Ducati mit so einem Element vor dem Hinterreifen auftauchte und es auch in Katar beim Rennen einsetze, sah sich Rivola zum Handeln gezwungen. Begonnen hat alles beim verregneten Saisonfinale 2018 in Valencia, als Yamaha erstmals vor dem Hinterreifen eine Art Löffel montiert hatte, um zu verhindern, dass zu viel Regenwasser auf den Hinterreifen spritzt. Das wurde als legal eingestuft, denn es verbessert die Sicherheit und kann dabei helfen, Stürze zu vermeiden.

"Mit dieser Idee hat uns Yamaha die Augen geöffnet", wird Rivola in der 'Gazzetta dello Sport' zitiert. "So sehr, dass wir zu Beginn des Jahres den Technischen Delegierten gefragt haben, ob wir in diesem Bereich etwas entwickeln können, denn wir wissen, dass man dort Performance finden kann. Allerdings hat uns Aldrige am 19. Februar mitgeteilt, dass so eine Lösung nur im Regen montiert werden darf. Deswegen haben wir die Entwicklung eingestellt."

Rivola überzeugt: Teil dient der Aerodynamik

Ducati arbeitete aber weiter in diesem Bereich und stellte die neuen Aerodynamik-Elemente beim Vorderreifen und vor dem Hinterreifen beim letzten Wintertest in Katar vor. Am 2. März erhielten dann die Teams von Aldrige ein Dokument, in dem die generellen Eckpunkte bezüglich der Aerodynamik festgehalten waren. Dieses Dokument wurde nicht veröffentlicht, aber es soll darin einen Absatz geben, dass man vor dem Hinterreifen etwas montieren darf, wenn es der Kühlung dient, ein Schutz vor Wasser ist oder den Hinterreifen vor Trümmerteilen schützt.

Ein Bauteil vor dem Hinterreifen darf dieser Anweisung zufolge keine aerodynamische Wirkung erzeugen. Laut Ducati-Sportdirektor Paolo Ciabatti dient das Teil vor dem Hinterreifen zur Kühlung des Hinterreifens. Somit wähnt man sich auf der sicheren Seite, denn man erfüllt einen der aufgeführten Punkte. Aber laut Rivola erzeugt Ducati mit diesem Bauteil sehr wohl auch aerodynamisch eine Wirkung, sonst hätte es Andrea Dovizioso, der deutlich leichter als Danilo Petrucci ist, im Rennen wohl nicht verwendet.

Auf der Innenseite des schaufelähnlichen Ducati-Elements sind drei kleine Flügel zu sehen. Deswegen ist Rivola überzeugt, dass es ein Aerodynamikteil ist und somit illegal ist: "Dieses Element macht das. Man kann das mit einfachen Luftflussberechnungen studieren. In diesem Bereich ist die Luft sehr schnell. Wenn man dort ein Teil mit drei Elementen montiert, dann wird Druck generiert. Ich glaube nicht, dass man weiter darüber diskutieren muss." Es wird vermutet, dass Ducati mit dem Element beim Vorderreifen den Luftfluss besser zum Element vor dem Hinterreifen kontrollieren kann.

Rivola: Bewegliche Aero-Teile sind verboten

Laut Rivola gibt es aber noch einen weiteren Punkt, der bei Ducatis Vorrichtung fragwürdig ist, und somit angefochten werden kann: "Ein Flügel darf nicht beweglich sein. Das Teil selbst ist auch nicht beweglich, aber wenn man es an der Hinterradschwinge montiert, dann ist es beweglich. Es gibt einen anderen Effekt, wenn man bremst oder nicht bremst." Deswegen glaubt der Aprilia-Motorsportchef, dass man das Ducati-Teil mit zwei stichhaltigen Gründen anfechten kann.

Ducati Aerodynamik Reifen

Wie groß ist der Nutzen dieses kleinen Bauteils wirklich?

Trotzdem will Rivola den Protest, der in den kommenden Wochen vom FIM Berufungsgericht behandelt werden wird, nicht als Attacke gegen Ducati verstanden wissen: "Wir wollen nicht gegen Ducati vorgehen und irgendwen anpatzen, aber es geht ums Prinzip. Uns wurde eine ähnliche Lösung in einer Email vom 19. Februar verboten und eine Woche später taucht eine vergleichbare Lösung auf, an der Ducati schon lange Zeit gearbeitet hat", so Rivola in der 'Gazzetta dello Sport'.

"Ich glaube nicht, dass wir dem Verband erklären müssen, dass diese Lösung einen aerodynamischen Effekt erzeugt. Der Verband muss beweisen, dass das nicht der Fall ist. Die Beweisführung wurde umgedreht", hält der Aprilia-Teammanager fest. Die Offiziellen in Katar konnten keinen Beweis erbringen, dass dieses Teil keinen aerodynamischen Effekt erzeugt. "Deshalb haben wir weiteren Einspruch eingelegt, damit es vor ein anderes Gericht kommt, das technische Anliegen behandeln kann." Auch Honda, KTM und Suzuki haben sich dem Protest angeschlossen. Nur Yamaha macht nicht mit.

Mit Bildmaterial von LAT.

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