Warum Ducati keine Zweifel an der Zukunft von Marc Marquez hat
Während einige bereits vorhersagen, dass sich Marc Marquez' MotoGP-Karriere ihrem Ende nähern könnte, bereiten er und Ducati sich auf weitere gemeinsame Jahre vor
Von wegen Rücktritt: Marc Marquez soll für Ducati zwei weitere Jahre antreten
Foto: AFP
Sportikonen erzeugen ein Maß an Aufmerksamkeit, das weit über den Rest des Feldes hinausgeht. In der MotoGP ist der Abstand zwischen Marquez und seinen Kollegen in Bezug auf Einfluss und Wirkung enorm - mit allem, was dazugehört.
Seit Saisonbeginn vermittelt der amtierende Champion ein etwas anderes Bild als jenes, das ihn im vergangenen Jahr erneut dominieren und seinen neunten Weltmeistertitel sowie den siebten in der Königsklasse sichern ließ. Die explosive Aggressivität, die ihn lange ausgezeichnet hatte, wirkte etwas abgeschwächt und machte einem konservativeren und intelligenteren Fahrstil Platz, weniger aggressiv als zuvor.
Das ließ zwangsläufig einige Alarmglocken schrillen. Vor diesem Hintergrund hallten die Aussagen, die er unmittelbar nach dem Titelgewinn machte, besonders laut nach.
"Ganz ehrlich, ich habe überhaupt keine Lust, wieder aufs Motorrad zu steigen. Ich setze mich nicht mehr so unter Druck wie früher. Früher wollte ich nach einem Titelgewinn sofort zum nächsten Rennen und wieder alle zerstören. Aber meine Mentalität hat sich verändert", sagte er damals direkt nach Titel Nr. 9.
Was, wenn er nach all den Anstrengungen, die nötig waren, um wieder siegfähig zu werden, einfach die Motivation verloren hätte? Als Marquez dann mit Problemen in die MotoGP-Saison 2026 startete, nutzten einige schnell die Gelegenheit, um zu suggerieren, dass sein Rücktritt vielleicht gar nicht mehr weit entfernt sei.
Erst in Le Mans, beim fünften Saisonlauf, gab der Spanier schließlich zu, verletzt gefahren zu sein. Die Enthüllung kam nur wenige Stunden, nachdem er in Q1 den absoluten Rundenrekord auf der legendären französischen Strecke gebrochen hatte.
Marquez wusste lange selbst nicht, was los war
Doch trotz solcher Glanzmomente war Marquez körperlich nicht fit. Als Folge des Sturzes beim Start des letztjährigen Indonesien-Grand-Prix hatte sich die Metallkonstruktion zur Stabilisierung seines rechten Arms verschoben. Eine der Schrauben, die bei einer früheren OP 2019 eingesetzt worden waren, rieb zeitweise am Speichennerv, was zu einem plötzlichen und unvorhersehbaren Kraftverlust im Arm führte.
Interessanterweise trat das Problem weder beim Motocross-Fahren auf - aufgrund der anderen Sitzposition - noch beim Training auf seriennahen Sportmotorrädern. Auch im Fitnessstudio bemerkte er nichts Ungewöhnliches. "Er stemmte beim Bankdrücken dieselben Gewichte wie zuvor", berichtete sein Umfeld.
Doch auf dem MotoGP-Bike fehlte das Gefühl. Nach dem Spanien-Grand-Prix entschied Marquez, aktiv zu werden und einen Arzt aufzusuchen, um die Schulter untersuchen zu lassen, die sich in zufälligen Momenten unerwartet "abschaltete".
"Davor habe ich mir Zeit gegeben, weil ich wirklich dachte, das Problem könnte bei mir liegen, dass ich vielleicht eine mentale Blockade hätte", gab der Weltmeister zu.
Damit hob Marquez erneut eine seiner größten Stärken hervor: seine Bereitschaft, sich selbst infrage zu stellen. Dieselbe Einstellung hatte ihn bereits dazu gebracht, auf das letzte Jahr seines lukrativen Honda-Vertrags zu verzichten, um herauszufinden, ob er auf einer Ducati noch konkurrenzfähig sein konnte.

Nur wenige, darunter Ducati-Rennchef Gigi Dall'Igna, waren eingeweiht
Foto: Getty Images Europe
Nachdem das Problem schließlich identifiziert und eine Operation angesetzt worden war, reduzierte Marquez drastisch die Zahl der Personen, die davon wussten. "Er hat es nur Gigi [Dall'Igna und Marco [Rigamonti] gesagt, weil sie direkten Zugriff auf seine Daten haben", erklärte eine Quelle aus dem Team. "So konnten sie verstehen, warum er in einer Runde pushen konnte und in der nächsten nicht."
Große Erleichterung auch im Ducati-Team
In Le Mans ging Marquez damit dann auch an die breite Öffentlichkeit. Auslöser war sein Sturz im Sprintrennen, bei dem er sich einen Fußfraktur zuzog, die operiert werden musste. Marquez nutzte diese Situation, um auch über seine Schulterproblem zu sprechen und die ohnehin geplante Operation deutlich vorzuziehen.
Innerhalb der Box wechselte die Stimmung der Techniker rund um Marquez von Besorgnis vor Le Mans zu Erleichterung danach. "Marc hat nach Jerez eine Last von seinen Schultern genommen. Und uns auch in Le Mans nach dem Sturz, als er endlich erklärt hat, was mit ihm los war", sagte eine Quelle aus dem Ducati-Team.
Tatsächlich hatte Teammanager Davide Tardozzi davor noch geplant, ihn zu Hause zu besuchen, um einzuschätzen, ob es tatsächlich Grund zur Sorge gab. Doch diese Reise wurde abgesagt, nachdem Marquez das Problem öffentlich gemacht hatte, und sämtliche Zweifel an den Absichten von Ducatis Aushängeschild verschwanden.
Wenn überhaupt, dann hat die gesamte Episode nur eine Schlussfolgerung noch stärker untermauert: Marquez' Motivation, auch weiterhin Rennen zu fahre ist vollkommen intakt, solange sein Körper es zulässt und die Ergebnisse es rechtfertigen.
Vorbehaltlich der Untersuchungen, denen er sich diese Woche unterziehen muss, ist davon auszugehen, dass Ducati bereits alles vorbereitet hat, damit er in Mugello zurückkehren kann - vorausgesetzt, er erhält die medizinische Freigabe.
Obwohl das italienische Rennen für Ducati von großer Bedeutung ist und mehrere Aktivitäten zur Feier des 100-jährigen Bestehens des Unternehmens geplant sind, gibt es absolut keinen Druck auf den Katalanen, seinen Genesungsprozess zu beschleunigen.
Seine Gesundheit bleibt die Priorität, und Ducatis Vertrauen in Marquez' Engagement ist vollkommen. Die Vertragsverlängerung zwischen dem Fahrer und dem Hersteller aus Bologna wurde dem Vernehmen nach bereits vor Monaten unterschrieben und läuft über zwei weitere Jahre bis zum Ende der MotoGP-Saison 2028.
Sie wurde nur deshalb noch nicht offiziell bekannt gegeben, weil sie weiterhin mit laufenden Verhandlungen zwischen den Teams und dem Promoter der WM verknüpft ist.
Wie bei jeder Vereinbarung könnte der Vertrag zwischen Marquez und Ducati unter bestimmten Umständen beendet werden. Und selbstverständlich würde Ducati ihn niemals zum Weiterfahren zwingen, falls ein gesundheitliches Problem ihn daran hindern sollte, für die Ziele zu kämpfen, die er selbst als angemessen betrachtet. Doch das ist keine Neuigkeit, sondern einfach gesunder Menschenverstand.
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