Warum VR46 trotz "Diggia"-Erfolgen (noch) nicht an den Titel denkt
VR46 überrascht 2026 mit starker Form von "Diggia", doch Teammanager Pablo Nieto bremst jede Titeleuphorie - Wie er den Leistungssprung in dieser Saison erklärt
Als WM-Dritter ist Fabio Di Giannantonio aktuell stärkster Ducati-Pilot
Foto: NurPhoto NurPhoto
Bei VR46 herrscht mit Blick auf den Titelkampf weiterhin Zurückhaltung. Auch wenn Fabio Di Giannantonio aktuell der bestplatzierte Fahrer auf einer Ducati ist, will Teammanager Pablo Nieto nichts von WM-Rechenspielen wissen. Der Fokus liege klar auf Stabilität und einem Schritt-für-Schritt-Ansatz.
Im Gespräch mit Motorsport-Total.com am Rande des Ungarn-Grand-Prix beschreibt Nieto die aktuelle Phase als Ergebnis einer langen gemeinsamen Entwicklung: "Wir sind sehr zufrieden, weil wir einfach arbeiten. Das ist unser drittes Jahr zusammen. Zuerst geht es darum zu verstehen, was er braucht, um schnell zu sein, und genau an all diesen Dingen haben wir gearbeitet. Das ist sehr, sehr wichtig."
Ein Schlüssel für den aktuellen Leistungssprung liegt aus seiner Sicht in der vergangenen Saisonvorbereitung. "Letztes Jahr war einer der Punkte, dass er sich in Malaysia verletzt hat, das Schlüsselbein gebrochen hat und wir dadurch die Wintertests nicht machen konnten", blickt Nieto auf "Diggias" Verletzung zurück.
2026 habe sich das Bild komplett verändert: "Dieses Jahr haben wir den ganzen Winter über sehr gut gearbeitet, auch bei den ersten Rennen. Und genau deshalb kommen jetzt die Ergebnisse. Das ist der Hauptunterschied zwischen den beiden Jahren."
Mehr Verständnis, mehr Konstanz
Auch intern habe sich das Zusammenspiel deutlich verbessert. Fahrer und Team kennen sich inzwischen wesentlich besser, was sich direkt auf die Performance auswirke.
"Es ist sehr wichtig, weil wir uns immer besser verstehen. Wir wissen, was er braucht, und er weiß, was wir ihm geben müssen. Dieses gegenseitige Verständnis ist extrem wichtig, und wir sind gerade in einer sehr guten Phase davon", so Nieto.
Im Vergleich zum Vorjahr sei vor allem die Konstanz der große Fortschritt. Während 2025 die Ergebnisse stark schwankten habe man dieses Problem inzwischen deutlich reduziert.
"Wir waren letztes Jahr nicht konstant: ein Rennen auf dem Podium, das nächste nur mit Mühe in den Top 10. Wir haben versucht zu verstehen, warum, und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Wintervorbereitung der entscheidende Punkt war. Das ist eigentlich das Einzige, was wir wirklich verändert haben."
Fahrerentwicklung als Schlüssel
Neben der technischen Seite hebt Nieto besonders die persönliche Entwicklung Di Giannantonios hervor: "Diggia hat viel mehr Erfahrung. Er glaubt viel mehr an sich selbst, und das ist in diesem Sport extrem wichtig. Die Mentalität ist entscheidend. Diese Entwicklung hat er gemacht. Aber wir als Team haben sie gemeinsam gemacht. Auch das Team wächst stark und wir sind auf einem sehr guten Weg."

Pablo Nieto betont: Die Zusammenarbeit mit Ducati war schon immer eng
Foto: Getty Images Europe
Dass Di Giannantonio aktuell der erfolgreichste Fahrer innerhalb der Ducati-Struktur ist, habe jedoch keine Auswirkungen auf die Unterstützung durch den Hersteller, stellt Nieto klar. "Nein, so ist es nicht. Wir haben als Werksteam immer exakt die gleiche Unterstützung. Auch im vergangenen Jahr war das genauso."
Zwar wirke es nach außen manchmal anders, doch intern habe sich nichts an der Gleichbehandlung geändert. "Vielleicht ist es so, dass Ducati jetzt etwas mehr auf die Dinge hört, die Diggia über das Motorrad und die Performance sagt. Aber die Beziehung und die Unterstützung sind exakt gleich", so der Teammanager.
(Noch) kein Fokus auf die WM
Trotz der starken Form stellt sich für VR46 aktuell keine Titelfrage. "Nein, wir denken nicht darüber nach", betont Nieto und erklärt: "Jetzt ist es sehr wichtig, von Rennen zu Rennen zu denken und jedes Wochenende das Maximum herauszuholen."
Ein früher Fokus auf die Meisterschaft wäre aus seiner Sicht sogar gefährlich: "Wenn man jetzt anfängt, an die Meisterschaft zu denken, wäre das ein Fehler. Das dürfen wir nicht machen. Die MotoGP ist extrem schwierig." Die Konkurrenz sei stark und breit aufgestellt. "Wir wissen, dass Aprilia derzeit etwas hat, was uns fehlt. Und man muss auch die anderen Ducati-Werkspiloten berücksichtigen."
Eine mögliche Neubewertung der Ziele schließt Nieto nicht aus, allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt. "Ich denke, man sollte erst nach der Sommerpause über die Meisterschaft nachdenken. Oder wenn man in der Phase der Übersee-Rennen merkt, dass man wirklich kämpfen kann, dann kann man darüber sprechen."
Bis dahin gelte ein klarer Grundsatz: von einem Grand Prix zum nächsten denken. "Wenn man seine Strategie wegen der Meisterschaft ändert, macht man einen Fehler. Hier gibt es jedes Wochenende 37 Punkte, und es ist entscheidend, möglichst viele zu sammeln."
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