"Weniger Bier, mehr Training": Jack Miller blickt auf MotoGP-Anfänge zurück

Livio Suppo blickt zurück und nennt die Gründe, warum man 2014 Jack Miller von der Moto3 in die MotoGP geholt hat - Der Australier musste in kurzer Zeit viel lernen

"Weniger Bier, mehr Training": Jack Miller blickt auf MotoGP-Anfänge zurück

Im Winter 2014/15 wechselte Jack Miller von der Moto3 in die MotoGP und übersprang die Moto2-Klasse. Kaum ein Fahrer hat in jüngerer Vergangenheit diesen Schritt gewagt. Niemand machte es seither Miller nach.

Mit 26 Jahren hat der Australier schon 106 Rennen in der Königsklasse bestritten und drei davon gewonnen. In den vergangenen beiden Jahren wurden Millers Ergebnisse konstanter. Ihm gelang ein Schritt nach vorne. Die Belohnung war der Vertrag im Ducati-Werksteam.

Was war im Rückblick die größte Herausforderung beim Überspringen der Moto2-Klasse? "Es gab viele", sagt Miller. "Ich glaube, die größte Sache war, dass ich damals mehr oder weniger noch ein Kind war. Ich musste verstehen, wie ernsthaft alles im Vergleich zu den kleinen Klassen ist."

"Auf den kleinen Motorrädern kann man viel mehr kompensieren. Die MotoGP ist ein anstrengender Job. Man muss alles geben was man hat, um es tun zu können. Ich musste verstehen, wie viel Aufwand ich für mein Training, für meine Ernährung investieren muss."

Jack Miller

Seine ersten MotoGP-Jahren waren von Stürzen und Verletzungen geprägt

Foto: GP-Fever.de

"Nicht mehr so viele Biere, weniger Steaks", lacht Miller. "Ich musste alles viel ernsthafter betreiben. Das ganze Leben dreht sich ums Motorradfahren." 2014 hieß das WM-Duell in der Moto3 Miller (KTM) gegen Alex Marquez (Honda). Letzterer holte knapp den WM-Titel.

Warum Honda damals Miller engagierte

Dass man Miller aus der KTM-Familie löste und ihn in die MotoGP holte, fädelten damals HRC-Vizepräsident Shuhei Nakamoto und Honda-Teamchef Livio Suppo ein. "Es gab damals kein Moto2-Talent, das uns begeistert hat", erinnert sich Suppo bei 'GPOne.com' zurück.

"Wir hatten den Eindruck, dass Jack einen Fahrstil hatte, der zur MotoGP passen könnte. Er hat nicht zweimal darüber nachgedacht. Er und sein Manager Aki Ajo waren sehr glücklich mit dem Angebot. Jack war noch sehr jung. Wenn dir Honda einen Dreijahresvertrag anbietet, ist das eine große Chance."

Shuhei Nakamoto Livio Suppo

Livio Suppo (li.) und Shuhei Nakamoto (re.) fädelten den Miller-Deal ein

Foto: Honda

Suppo findet, dass es "ein riskantes" Manöver war, aber "kein verrücktes". Im LCR-Team wurde Miller mit der harten Wahrheit konfrontiert. Suppo glaubt auch im Rückblick, dass das richtig war. Denn er musste rasch lernen, dass er hart arbeiten muss.

"Am Anfang hat er nicht genug trainiert, er hat sich zu sehr auf sein Talent verlassen. Vielleicht hätte er seinen Weg verloren, wenn er in der Moto2 mit seinem Talent schnell gewesen wäre und nicht viel dafür tun hätte müssen", spekuliert der Italiener.

Durchbruch mit Ducati

Die drei Honda-Jahre gestalteten sich schwierig. Miller hatte auch einige Stürze und Verletzungen. Das große Highlight war der Sieg im verregneten Assen 2016. Nakamoto ging Ende 2016 in Rente, und Ende 2017 verabschiedete sich Suppo von Honda.

Der Vertrag mit Miller wurde nicht verlängert. Stattdessen gab ihm Ducati im Pramac-Team eine Chance. Schritt für Schritt wurden Millers Ergebnisse konstanter und besser, bis er schließlich regelmäßig Podestplätze einfuhr. In diesem Jahr hat er bereits zwei Rennen gewonnen.

"Man konnte sehen, dass er Talent hat", sagt Suppo. "In den vergangenen Jahren hat er sich gut weiterentwickelt. Zum Beispiel ist Pedro Acosta sicherlich ein Phänomen, aber um ein Champion zu werden, muss man sich weiterentwickeln. Viele Fahrer verlieren den Faden. Jack wäre das auch fast passiert, aber er hat es geschafft. Man konnte in den vergangenen Jahren sehen, dass er es bis an die Spitze schaffen kann."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
Eingefrorene Motorentwicklung: Warum die MotoGP nicht der Formel 1 folgt

Vorheriger Artikel

Eingefrorene Motorentwicklung: Warum die MotoGP nicht der Formel 1 folgt

Nächster Artikel

Marc Marquez: "Bin ich nicht konkurrenzfähig, bleibe ich zu Hause"

Marc Marquez: "Bin ich nicht konkurrenzfähig, bleibe ich zu Hause"
Kommentare laden