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"Wenn Kämpfer auf Kämpfer trifft": Marquez & Acosta über Ungarn-Duell

Marc Marquez erklärt, warum er trotz seiner Idealpunktzahl im Balaton Park noch nicht von Durchbruch sprechen kann - Pedro Acosta wieder knapp geschlagen, aber ...

"Wenn Kämpfer auf Kämpfer trifft": Marquez & Acosta über Ungarn-Duell

Marc Marquez und Pedro Acosta lieferten sich im Balaton Park ein sehenswertes Duell

Foto: Ferenc Isza / AFP via Getty Images

Entgegen seiner eigenen Ankündigung vom Donnerstag war Marc Marquez am MotoGP-Wochenende zum Grand Prix von Ungarn im Balaton Park absolut konkurrenzfähig. Mehr als die 37 vom Ducati-Werkspiloten eingefahrenen WM-Punkte lagen gar nicht auf dem Tableau.

Die Krönung von Marquez' Wochenende war der Triumph im Grand Prix am Sonntag. Für ihn selber ist es der 100. Grand-Prix-Sieg in der Motorrad-WM, für Ducati ist es 100. Grand-Prix-Sieg in der MotoGP-Klasse, und das noch dazu genau 100 Jahre nach Gründung der Marke Ducati.

Nachdem Marquez noch am Donnerstag eindringlich darauf hingewiesen hatte, dass seine frisch operierte rechte Schulter "noch ein paar Wochen brauchen wird", widersprach er sich beginnend mit Freitag auf der Strecke quasi selber. Das Resultat war nicht nur das doppelte runde Jubiläum für ihn und Ducati. Sowohl für ihn als auch für das Ducati-Werksteam war es der erste Saisonsieg 2026 in einem Sonntagsrennen.

Am Freitagvormittag begann Marquez auf seiner Ducati Desmosedici GP26 im Balaton Park direkt mit Bestzeit im ersten Freien Training. Am Freitagnachmittag schaffte er den Direkteinzug ins Q2-Segment des Qualifyings für Samstag. Im Qualifying am Samstagvormittag fuhr er auf die Pole und legte damit auf dem winkligen und langsamen Kurs den Grundstein für zwei Siege.

Marquez erklärt: Ungarn-Triumph noch kein Durchbruch

Im Sprint über 13 Runden am Samstagnachmittag feierte Marquez einen überzeugenden Start-Ziel-Sieg. Und im Grand Prix über 26 Runden am Sonntag siegte er nach abermals 13 Führungsrunden ebenfalls. Trotzdem war es nicht so einfach wie es rein auf dem Papier vielleicht aussehen mag.

"Ja sicher, das war ein weiteres Comeback, aber das Comeback ist noch nicht abgeschlossen", so Marquez nach seinem Triumph am Sonntag. Was er damit meint? "Ja, wir haben gewonnen. Aber es ist eine Strecke, die gegen den Uhrzeigersinn gefahren hat. Es gibt hier überwiegend Linkskurven und es gibt lediglich drei Rechtskurven mit harten Bremspunkten. Das hat es mir erlaubt, durchzuatmen."

Marc Marquez

Zieldurchfahrt im Balaton Park: Marc Marquez siegt erstmals seit Misano 2025

Foto: Gold & Goose Photography / Getty Images

Damit spricht Marquez auf seine noch angeschlagene rechte Schulter an. Eben diese Schulter hat er sich zuletzt beim unglücklichen Sturz mit Marco Bezzecchi in der ersten Runde des Indonesien-Grand-Prix 2025 verletzt. Bezugnehmend darauf unterstreicht Marquez nach seinem ersten Saisonsieg 2026: "Seit Indonesien habe ich sehr gelitten."

Die Verletzung aus Indonesien 2025 war nicht die erste an Marquez' rechter Schulter. Den Ausgangspunkt seiner diesbezüglichen Leidensgeschichte bildete der schwere Sturz in Jerez 2020 und das anschließend überhastete Comeback. "Seit 2020 weiß ich, dass sich das Leben eines Athleten von einem Tag auf den anderen ändern kann. Das war körperlich sehr schwer zu ertragen, vor allem aber mental", sagt der 33-jährige Spanier.

"In einer dritten Runde wäre es vielleicht nicht so gut ausegangen"

Hatte Marquez auf dem Balaton Park Circuit im Sprint am Samstag noch vergleichsweise wenig Mühe, so musste er im Grand Prix am Sonntag im Duell mit KTM-Werkspilot Pedro Acosta alle Register ziehen. Nachdem Acosta in der zweiten Runde die Führung übernommen hatte, führte er das Rennen bis in die 15. Runde hinein an. Zweimal probierte Marquez den Angriff, wobei sich seine Ducati und die KTM von Acosta mehrmals kurz berührten. In beiden Fällen musste Marquez zurückstecken.

Im dritten Anlauf war Marquez dann erfolgreich. In der ersten von zwei Links-Rechts-Schikanen der Strecke (Kurve 9/10) bremste er sich in Runde 15 innen neben Acosta und konnte die Linie halten. Das war die Vorentscheidung. Eine Spazierfahrt ins Ziel war es für Marquez von da an trotzdem nicht.

"Um an Acosta vorbeizukommen, musste ich jede Menge Energie aufwenden", sagt der Sieger und verrät: "Nachdem ich an ihm vorbei war, habe ich zwei Runden lang gepusht. Dann wollte ich wissen, wie viele Runden es noch sind. Da waren es immer noch zehn." Acosta aber gelang kein Konter mehr. Ins Ziel kam der KTM-Pilot nach 26 Runden mit 1,3 Sekunden Rückstand auf Marquez.

"Wenn ein Kämpfer auf einen anderen Kämpfer tritt, dann gibt es eine Schlacht", beschreibt Marquez und lobt Acosta für dessen Zweikampfverhalten: "Wir wissen, dass Pedro ein extrem aggressiver Fahrer ist. An den harten Bremspunkten war er am Limit. Wir haben uns zwei oder dreimal berührt, aber es war immer korrekt."

"Bei den Richtungswechseln", so Marquez weiter, "ist es sehr einfach, dem Gegner die Linie abzuschneiden. Er hat mir aber Raum gelassen und ich habe ihm Raum gelassen. Es war in toller Kampf, der soweit ich mich erinnere über zwei Runden ging. Ich glaube, es war gut, dass es zwei Runden waren. In einer dritten wäre es vielleicht für einen von uns beiden nicht so gut ausgegangen".

Acosta jetzt Spitzenreiter in unrühmlicher Statistik

Acosta hat das Duell ebenfalls genossen. "Ich denke, wir haben den Fans eine tolle Show geboten. Wir haben uns ein paar Mal gegenseitig überholt und jeder konnte sehen, dass wir nicht aufgeben. Was mich betrifft, so werde ich es in Brünn wieder probieren", sagt der KTM-Pilot.

Pedro Acosta

Zum 13. Mal "nur" Platz 2 für Pedro Acosta an einem MotoGP-Sonntag

Foto: Gold & Goose Photography / Getty Images

Mit 13 Mal P2 in Grands Prix in der Königsklasse ist Acosta nun derjenige Fahrer mit den meisten zweiten Plätzen ohne Sieg. In dieser wenig schmeichelhaften Statistik hat er am Sonntag die alleinige Spitzenposition von Colin Edwards übernommen.

"Meiner Meinung nach ist das nur eine Frage der Zeit", sagt Acosta in Anspielung darauf, wann auch er seinen ersten MotoGP-Sieg feiern wird. Er erinnert: "Zu diesem Zeitpunkt der Saison im vergangenen Jahr hatte ich jede Menge Stürze, in den Qualifyings hatte ich stark zu kämpfen. Inzwischen sind wir wieder konstanter unterwegs. Deshalb glaube ich, dass es bald soweit sein wird. Wir müssen es einfach weiter probieren und weiter daran glauben."

Reifenwahl: Acosta "recht happy", Marquez gesteht Fehlgriff

Die Werks-KTM von Pedro Acosta und die Werks-Ducati von Marc Marquez waren im Grand Prix von Ungarn am Sonntag unterschiedlich bereift. Während Acosta wie die meisten Fahrer im Feld am Hinterrad die Soft-Mischung hatte montieren lassen, ließ Marquez kurz vor dem Rennstart von Soft auf Medium umrüsten.

Acosta sagt rückblickend, dass er mit seiner Reifenwahl "recht happy" war. "Die Medium-Mischung sorgte bei mir einfach für ein paar Fragezeichen. Ich hatte sie am Freitag probiert und sie hat nicht funktioniert wie erwartet. Ich habe sie am Samstag probiert und sie hat nicht funktioniert wie erwartet. Deshalb musste ich diejenige Strategie wählen, die sozusagen am wenigsten schlecht war", so der KTM-Pilot.

"Anfangs war ich in der Lage zu pushen. Ich konnte eine Lücke herausfahren und konnte die Pace ganz gut halten. Am Schluss aber kam mir die Stabilität ein bisschen abhanden und ich hatte zu kämpfen. Trotzdem müssen wir zufrieden sein", so Acosta.

Podium: 1. Marc Marquez, 2. Pedro Acosta, 3. Francesco Bagnaia

Für Ducati wurden es trotz "falscher" Reifenentscheidung die Plätze 1 und 3

Foto: Ferenc Isza / AFP via Getty Images

In der Pressekonferenz nach dem Rennen saßen Rennsieger Marc Marquez, der Zweitplatzierte Pedro Acosta und der Drittplatzierte Francesco "Pecco" Bagnaia zusammen. Marquez verrät in Bezug auf seine Entscheidung, in der Startaufstellung kurzerhand von einem Soft- auf einen Medium-Hinterreifen umrüsten zu lassen: "Wenn Gigi [Dall'Igna] jetzt hier wäre, würde er mich wahrscheinlich killen."

"'Pecco' wird bestätigen, dass alle Ingenieure bei Ducati Druck gemacht haben, um mit dem Soft-Reifen zu fahren. Wir aber haben uns beide für den Medium entschieden und ich denke, das war die falsche Entscheidung", so Marquez mit Verweis auf sich selber und auf Bagnaia.

Während Acosta auf der weich bereiften KTM in der ersten Rennhälfte gut zurechtkam, hatte Marquez "mit dem Soft-Reifen zu Beginn Schwierigkeiten", wie er sagt. Dass die rückblickend "falsche Entscheidung" letztlich trotzdem zum Jubiläumssieg für ihn und für Ducati gereicht hat, das freut Marquez: "Ich hätte gedacht, es würde besser funktionieren. Glücklicherweise waren wir trotzdem noch schnell genug, sodass es gereicht hat."

Wo Marc Marquez seinen 100. Sieg in seiner Bestenliste einsortiert

In der MotoGP-Fahrerwertung 2026 ist Marc Marquez mit seinem ersten Saisonsieg nun in die Top 5 vorgerückt. Während er selber am Ungarn-Wochenende die Idealpunktzahl von 37 Zählern eingefahren hat, ist WM-Spitzenreiter Marco Bezzecchi am Sonntag punktelos geblieben. Der Italiener war ohne eigenes Verschulden in den Startunfall mit insgesamt fünf Piloten verwickelt. Auslöser war ausgerechnet Bezzecchis Aprilia-Teamkollege, der aktuelle WM-Zweite Jorge Martin.

Marc Marquez jedenfalls will trotz Tabellenrang fünf nicht an die WM-Situation denken: "Die Saison ist extrem lang, aber ehrlich gesagt fühle ich mich noch nicht in der Lage zu kämpfen. Dieses Wochenende hier lief gut, ja. Aber in Mugello hatte ich zehn Sekunden Rückstand auf den Sieger. Wir müssen abwarten, wie es weitergeht. Es wird davon abhängen, wie es in Brünn, in Assen und in der Sommerpause läuft."

Warum die Sommerpause für Marquez eine so große Bedeutung hat? "Ich muss meine neuen 100 Prozent finden. Ich sage nicht, meine 100 Prozent, sondern meine neuen 100 Prozent. Erst wenn ich an diesem Punkt bin, werde ich es einschätzen können. Nach all dem, was passiert ist, muss ich das hier jetzt genießen. Ich will es mit gleicher Intensität entspannter angehen. Ich habe gelernt, dass ich Momente wie diesen genießen muss."

Marc Marquez

Mugello 2010 bis Balaton Park 2026: 100 Mal Marc Marquez als Grand-Prix-Sieger

Foto: Stephen Blackberry/NurPhoto via Getty Images

Und welche Bedeutung hat der 100. Sieg seiner Grand-Prix-Karriere für Marc Marquez persönlich? Auf die Frage, welche drei seiner 100 Siege für ihn herausstechen, antwortet der neunmalige Motorrad-Weltmeister aus Spanien: "Da würde ich sagen, Austin 2013, Valencia 2012 und Thailand 2025."

Das USA-Wochenende in Austin 2013 markierte für Marquez den ersten MotoGP-Sieg, bei seinem damals gerade mal zweiten Start in der Königsklasse. Beim Saisonfinale 2012 in Valencia siegte er, nachdem er vom Ende des Feldes hatte starten müssen. Und am Thailand-Wochenende 2025 in Buriram fuhr er bei seinem Einstand im Ducati-Werksteam direkt zum Sieg. Nachgefragt, wo sein 100. Sieg in seiner persönlichen Bestenliste rangiert, antwortet Marquez: "In den Top 5."

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