Wenn kein Ersatz da ist: Espargaro-Ausfall legt Schwäche offen
Ersatzfahrer fehlen, Bikes bleiben stehen: Pol Espargaros Verletzung zeigte zuletzt ein Grundproblem der MotoGP - Ex-F1-Teamchef Günther Steiner "undenkbar"
Zuletzt war Pol Espargaro beim Shakedown in Sepang offiziell im Einsatz
Foto: Getty Getty
Unter normalen Umständen wäre Pol Espargaro am kommenden Wochenende in Le Mans als MotoGP-Ersatz für Maverick Vinales im Einsatz. Doch daraus wird - wie auch schon in Jerez - nichts, das Espargaro selbst verletzt pausieren muss.
Immerhin: Diesmal hat KTM für das zweite Bike bei Tech3 Jonas Folger verpflichtet. In Jerez blieb es noch in der Garage. Ein Umstand, der insbesondere den neuen Teambesitzer Günther Steiner verwundete, wie Espargaro bei einem Event zur Präsentation des Katalonien-Grand-Prix in dieser Woche verraten hat.
"Für sie, die aus der Formel 1 kommen, ist es undenkbar, dass ein Auto während eines Trainings oder Rennens in der Box stehen bleibt und nicht hinausfährt, um zu konkurrieren", erklärt Espargaro. Steiner habe ihm gegenüber betont, dass ein solches Szenario in der Formel 1 schlicht nicht vorkomme.
Verletzung kam zur Unzeit
Dass es für Tech3-KTM zur Realität wurde, lag an dem unglücklichen Umstand, dass neben Stammfahrer Vinales auch Ersatzpilot Espargaro verletzungsbedingt ausfiel.
Der Spanier hatte sich vor zwei Wochen bei einem Dirt-Track-Training nahe Granollers an der linken Hand verletzt. Die Blessur ist zwar vergleichsweise harmlos, zwingt ihn aber dennoch zur Pause und kostet ihn wertvolle Einsatzchancen.
Durch die Abwesenheit von Vinales hätte Espargar gleich mehrfach als Ersatzfahrer einspringen können: beim Spanien-Grand-Prix in Jerez, beim kommenden Rennen in Le Mans und womöglich auch beim Heimrennen in Barcelona. Aktuell ist jedoch offen, wann Vinales und auch Espargaro wieder einsatzfähig sind.
"Sicherlich ist dies von all meinen Verletzungen in meiner sportlichen Karriere die dümmste oder die am wenigsten schwerwiegende, aber sie erfordert eine gewisse Erholungszeit", stellt Espargaro klar. "Ich bin mir mit Dr. Xavier Mir nicht ganz einig. Ich habe bestimmte Termine im Kopf, aber er setzt andere fest."
Doch weil der Arzt das letzte Worte habe, müsse er Geduld beweisen. Besonders bitter: Gerade als Ersatzfahrer lebt Espargaro von solchen Gelegenheiten: "Es mag sich schlecht anhören, aber ich verbringe das ganze Jahr damit, auf solche Chancen zu warten."
"Wenn ein Teamkollege ausfällt, bin ich da, um dem Werk zu helfen und ein gutes Ergebnis zu erzielen", betont er. "Aber um konkurrenzfähig zu sein, muss ich in Bestform sein und trainieren - und das birgt wiederum das Risiko, sich zu verletzen."
Bald feste Ersatzfahrer?
Vor diesem Hintergrund gewinnt ein aktueller Vorschlag an Bedeutung: Die MotoGP denkt darüber nach, feste Ersatzfahrer pro Hersteller einzuführen, die zu allen Rennen reisen und im Notfall sofort einspringen können, sollte ein Stammpilot ausfallen.
Espargaro unterstützt diese Idee ausdrücklich: "Persönlich halte ich das für notwendig." Gleichzeitig betont er aber auch die Unterschiede zur Formel 1.
"Die MotoGP ist nicht mit der Formel 1 vergleichbar: Das Risiko, das ein Fahrer eingeht, wenn er am Samstag auf ein Motorrad steigt, um einen am Freitag verletzten Teamkollegen zu ersetzen, ist deutlich größer als in einem Auto", erinnert Espargaro.
Dennoch sieht er auch wirtschaftliche und sportliche Argumente: "Es ist wahr, dass es aus wirtschaftlicher Sicht und für den Sport nicht ideal ist, ein Motorrad in der Box stehen zu lassen." Eine Lösung für die Zukunft müsse gemeinsam von Rechteinhaber Liberty Media, den Teams und Fahrern erarbeitet werden.
Für sich selbst stellt Espargaro klar: "Persönlich bin ich bereit, diese Rolle zu übernehmen, solange ich körperlich fit bin, und das bin ich derzeit nicht." Vor Ort ist der Spanier schon jetzt bei jedem Grand Prix, da er als TV-Kommentator bei DAZN arbeitet.
Verständnis für Vinales
Auch zur Situation von Vinales äußert sich Espargaro, allerdings mit Zurückhaltung. Kontakt habe er kaum, aus gutem Grund: "Ich spreche wenig mit Maverick, weil ich verstehe, wie frustrierend es für ihn sein muss, in dieser Situation zu sein - zurückkehren zu wollen und es wegen der Verletzung nicht zu können."
Er wisse aus eigener Erfahrung, wie belastend solche Phasen seien. "Ich habe das selbst erlebt. Ich weiß, wie sehr man leidet, und man muss ihm seinen Raum lassen."
Espargaro kennt Vinales gut. Er sei ein "Fahrer der alten Schule" und ein "echter Idealist" - jemand, der viel trainiere und den Sport sehr ernst nehme. "Für ihn sind Motorräder kein Job, sondern viel mehr." Deshalb stehe außer Frage, dass Vinales nach wiederholten Verletzungen so schnell wie möglich zurückkehren wolle.
"Er ist der Erste, der zurückkehren will, daran zweifelt niemand, aber das hängt davon ab, dass er körperlich wieder in Bestform ist", sagt Espargaro. Seinen letzten Grand Prix bestritt Vinales in Brasilien. Anfang April ließ er sich eine gelockerte Schraube aus der linken Schulter entfernen. Seitdem zieht sich die Reha hin.
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