Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Alberto Puig (Honda)

Das Honda-Werksteam war bei der großen Party in Valencia nicht dabei - Marc Marquez fehlt beim wichtigen Jerez-Test für die Entwicklung des neuen Prototypen

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Alberto Puig (Honda)

Liebe MotoGP-Fans,

das war ein würdiges und schönes Finale nach einer tollen Saison. Und natürlich ein emotionaler Abschied von Valentino Rossi! Mit dem zehnten Platz hat der 42-Jährige in seinem 432. und letzten Grand Prix gezeigt, dass er immer noch den Speed hat, um mit den jungen Fahrern mithalten zu können.

Das ganze Paddock hat die Legende gefeiert und würdig verabschiedet. Auch wir bedanken uns bei Rossi für die vielen tollen Jahre, die unzähligen Geschichten auf und abseits der Rennstrecke, und wünschen ihm privat als baldiger Vater und auch sportlich als Autorennfahrer alles Gute für die Zukunft!

Zwei Fahrer konnten sich in der Auslaufrunde nicht bei Rossi verabschieden. Marc Marquez und Pol Espargaro fehlten verletzungsbedingt. Das Honda-Werksteam war bei der großen Party in Valencia nicht dabei. Zum ersten Mal seit 1992 stand kein Fahrer des Werksteams am Start.

Marquez fehlt beim wichtigen Test für 2022

Das ist natürlich in erster Linie großes Pech, bringt Honda aber perspektivisch gesehen für das nächste Jahr in eine Bredouille. Es stehen in dieser Woche in Jerez wichtige Testfahrten mit dem komplett neuen Motorrad auf dem Programm.

Marquez hat sich beim Offroad-Sturz genau jenen Sehnerv verletzt, der schon Ende 2011 nach dem Sepang-Sturz Probleme bereitet hat. Damals wurde er operiert und die Sehstörung behoben. Wie es nun weitergeht, ist ungewiss.

Marc Marquez

Marc Marquez wird frühestens bei den Tests im Februar wieder fahren

Foto: Motorsport Images

Fest steht, dass der achtmalige Weltmeister in dieser Woche nicht in Jerez testen wird. Im Fahrerlager machten sogar Gerüchte die Runde, dass Marquez vielleicht nie wieder zurückkehren wird. Das ist zu diesem Zeitpunkt reine Spekulation.

Teamchef Alberto Puig verwies auf das Urteil der behandelnden Ärzte. Sie verordneten Ruhe. Es braucht Geduld. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie sich die Situation entwickeln wird. Marquez steht vor dem nächsten schwierigen Winter.

Wir erinnern uns, dass er Ende 2018 an der linken und Ende 2019 an der rechten Schulter operiert worden ist. Es folgten Winter mit mühsamen Rehabilitationen. Dann passierte 2020 der Sturz in Jerez, bei dem er sich den rechten Oberarm schwer verletzte.

Bis heute hat Marquez noch nicht wieder die komplette Stärke erlangt, wobei die Siege in Austin und Misano 2 gezeigt haben, dass es mittlerweile doch deutlich bergauf ging. Nun folgte mit der Sehstörung der nächste Rückschlag.

Honda hat große Hoffnungen mit neuem Motorrad

Und Espargaro zog sich beim Sturz im dritten Valencia-Training Prellungen beim Brustkorb zu. Dass er auf das Rennen verzichtet hat, war die logische Entscheidung. Es ist wichtig, dass zumindest er neben Stefan Bradl in Jerez den neuen Prototypen testen kann.

Marc Marquez auf Honda für 2022 beim Misano-Test im September 2021

Das neue Motorrad folgt einem grundlegend neuen Konzept

Foto: Dorna Sports

Diese Testtage sind extrem wichtig für Honda. Marquez und Espargaro haben dieses Motorrad bereits beim Misano-Test im September ausprobiert. Ihr Feedback ist in die Weiterentwicklung eingeflossen. Das muss jetzt in Jerez auf einer anderen Strecke gecheckt werden.

Anhand dieses Feedbacks haben die Ingenieure in Japan im Dezember und Januar Zeit, die Motorräder für die kommende Saison vorzubereiten. Im Februar geht es bei den Tests in Sepang und Indonesien nur noch um die Feinabstimmung.

Grundlegende Entscheidungen müssen jetzt getroffen werden. Honda hat mit dem komplett neuen Motorrad auf die Probleme in den Jahren 2020 und 2021 reagiert. Es musste auch etwas geschehen, denn nicht nur sportlich sieht die Statistik nicht berühmt aus.

Die vier Honda-Stammfahrer sind in dieser Saison zusammengerechnet 73 Mal gestürzt. Dass Marquez beim Jerez-Test fehlt, ist für Honda extrem bitter. Wieder fehlt der Topfahrer, der die Entwicklungsrichtung vorgibt.

Honda muss sich auch fahrerisch für die Zukunft aufstellen

Wie gesagt, dass Marquez und Espargaro nicht fit sind, ist schlichtweg Pech. Dafür kann Puig nichts. Trotzdem wird er sich langfristig etwas überlegen müssen, denn Marquez wird bestimmt nicht so lange MotoGP fahren wie Rossi.

Honda muss sich breiter aufstellen. Alex Marquez zeigte dieses Jahr ein gutes Rennen, Takaaki Nakagami war ebenfalls unauffällig. Gleichzeitig hat Ducati ein großes, konkurrenzfähiges Aufgebot aufgestellt. Drei Ducati-Fahrer auf dem Podest sind ein Wink für das nächste Jahr.

Ai Ogura

In den kleinen Klassen fördert Honda Nachwuchsfahrer aus dem asiatischen Raum

Foto: Motorsport Images

KTM hat im nächsten Jahr bei Tech 3 mit Raul Fernandez und Remy Gardner zwei große Talente im Stall. Yamaha hat die Zeichen der Zeit erkannt und in Kooperation mit VR46 ein Moto2-Team gegründet, um ebenfalls Platz für vielversprechende Nachwuchsfahrer zu haben.

Honda hat in den beiden kleinen Klassen zwar das Team Asia. Aber wie es der Name schon sagt, ist das in erster Linie für Talente aus dem asiatischen Raum gedacht. Das ist auch ein gutes Programm, keine Frage. Aber man müsste sich bei der Nachwuchsförderung breiter aufstellen.

Mit Iker Lecuona und Xavi Vierge hat Puig im Superbike-Team zwei junge Fahrer platziert. Ich bin gespannt, welchen Weg er perspektivisch gesehen in der MotoGP einschlagen wird. Denn um langfristig Erfolg zu haben, braucht man mehrere starke Fahrer im Stall.

Sportliche Grüße,

Gerald Dirnbeck

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Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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