Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Darryn Binder

Darryn Binder hat beim Abschuss von Dennis Foggia in Portimao 2 den Bogen total überspannt - Es ist bedenklich, dass er 2022 von der Moto3 in die MotoGP wechselt

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Darryn Binder

Liebe MotoGP-Fans,

beim Grand Prix der Algarve in Portimao ging es im Moto3-Rennen wieder wild zu. Die Ausgangslage war simpel. Gewinnt Pedro Acosta, ist er Weltmeister. Gewinnt Dennis Foggia, dann kann er die WM-Entscheidung bis Valencia offenhalten.

Und beide haben aus eigener Kraft ganz vorne um den Sieg gekämpft. So soll es bei einem WM-Showdown sein! In der Spitzengruppe hat auch Darryn Binder mitgemischt. Das ist sein gutes Recht, denn für ihn persönlich - und für alle übrigen Fahrer - geht es um das eigene Ergebnis.

Im Laufe des Rennens haben wir in der Redaktion schon gemeint, dass Binder einer der letzten Fahrer ist, die man um sich herum haben möchte, wenn man um einen WM-Titel kämpft. Zu oft hat der Südafrikaner schon einen Bock geschossen - um es freundlich auszudrücken.

Man muss fairerweise auch festhalten, dass Sergio Garcia zu Beginn der letzten Runde Acosta in Kurve 1 attackiert und überholt hat. Aber er hat genug Platz gelassen. Das war ein sauberes Manöver, das letztendlich nicht geklappt hat, weil Acosta sofort innen kontern konnte.

 

Bei einem WM-Showdown gibt es im Motorsport diese ungeschriebene Regel, dass man sich als Unbeteiligter nicht auf Biegen und Brechen einmischt. Alleine schon aus Respekt vor den WM-Gegnern lässt man ihnen im Zweikampf zumindest genug Platz, damit nichts passiert.

Zugegeben, dass war im Moto3-Rennen bei Acosta und Foggia nicht immer der Fall. Aber dass Binder in der letzten Runde so ein Manöver reitet, hat den Bogen überspannt. Er hat für Kurve 3 viel zu spät gebremst und ein Crash - mit wem auch immer - war unausweichlich.

Selbst wenn es nicht um den WM-Titel gegangen wäre, muss so ein unnötiges Manöver bestraft werden. Die Disqualifikation ist meiner Meinung nach zu wenig. Eine Rennsperre wäre auch angebracht, dann denken die Nachwuchsfahrer vielleicht um.

Nach dem Rennen hagelte von allen Seiten Kritik auf Binder ein. Das hat auch damit zu tun, dass er nächstes Jahr für RNF-Yamaha MotoGP fahren wird. Seit ich davon weiß, habe ich ein mulmiges Gefühl. Nicht erst seit dem Moto3-Crash in Portimao 2.

Von der Moto3 in die MotoGP: Situation nicht mit Miller vergleichbar

RNF-Teamchef Razlan Razali träumt davon, dass er mit Binder den gleichen Glücksgriff wie 2019 mit Fabio Quartararo macht. Aber das wird nicht passieren. So ein großes Talent ist er nicht. Ich schätze, da werden mir auch die meisten Leser zustimmen.

In sieben Moto3-Jahren hat Binder ein Rennen gewonnen. Sechsmal stand er auf dem Podest. WM-Endrang acht im Vorjahr war sein bestes Ergebnis. Aktuell ist der 23-Jährige WM-Siebter. Da gäbe es genug andere Fahrer, die sich rein sportlich einen MotoGP-Platz verdient hätten.

Darryn Binder

In Barcelona 2020 gewann Darryn Binder sein einziges Moto3-Rennen

Foto: Motorsport Images

Klar, für Binder ist es eine einmalige Chance, die er annehmen muss. Er würde sie nie wieder bekommen. Nach einer Saison wird das Abenteuer in der Königsklasse ohnehin vorbei sein. Das wage ich jetzt schon zu prophezeien.

Nach Jack Miller 2015 ist nun Binder der zweite Fahrer in jüngerer Vergangenheit, der die Moto2 überspringt und direkt von der Moto3 in die MotoGP wechselt. Die Situation ist aber nicht vergleichbar. Bei Miller waren die Voraussetzungen ganz anders.

Miller hat in der Moto3 um den WM-Titel gekämpft, mehrere Rennen gewonnen und zum Schluss nur um zwei Punkte gegen Alex Marquez verloren. Honda hatte für Miller ein Dreijahresprogramm geplant, damit er ohne Druck die MotoGP kennenlernen kann.

Sollte es für die MotoGP eine Superlizenz geben?

Letztendlich ging man nach drei Jahren getrennte Wege. Miller hat im Rückblick zugegeben, dass der Sprung schon sehr groß und schwierig war. Denn in der Moto3 war noch alles spielerisch, in der MotoGP musste er von einem Tag auf den anderen ein Vollprofi werden.

Francesco Bagnaia

Die einzige MotoGP-Voraussetzung ist das Mindestalter von 18

Foto: Motorsport Images

Vielleicht traue ich Binder auch nur zu wenig zu und er überrascht uns im nächsten Jahr doch positiv. Trotzdem finde ich, dass sich FIM, IRTA und Dorna grundlegend etwas überlegen müssen. Das Mindestalter von 18 Jahren für Moto3 und Moto2 ab 2023 ist ein erster Schritt.

Vielleicht sollte man im nächsten Schritt auch über eine Art von Superlizenz für die MotoGP nachdenken. Dass man zum Beispiel in der Moto2 oder in der Superbike-WM in einem bestimmten Zeitraum eine gewisse Anzahl von Top-5-Ergebnissen haben muss, um MotoGP fahren zu dürfen.

Sportliche Grüße,

Gerald Dirnbeck

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Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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