Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Fabio Quartararo

Fabio Quartararo geht mit seiner Yamaha im Regen Thailands komplett unter - Aber sein Verhalten vor und nach dem Rennen war eines Weltmeisters unwürdig

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Fabio Quartararo
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Liebe MotoGP-Fans,

dass das Wetter bei den Übersee-Rennen zusätzliche Würze in den WM-Kampf bringen würde, war von vornherein abzusehen. Zu oft haben wir in der Vergangenheit in Japan, Australien und Malaysia Regenschlachten, Flag-to-Flag-Situationen und Chaos erlebt.

In Motegi hat Regen im Qualifying für eine durchmischte Startaufstellung gesorgt. Fabio Quartararo hatte dort mit seiner Yamaha eine Sekunde Rückstand. Noch schlimmer erwischte es Francesco Bagnaia, dem mit seiner Ducati zwei Sekunden gefehlt haben.

Nun hat es in Thailand für "Pecco" wieder gepasst und er verschaffte sich mit Platz drei wieder eine starke Position in der Weltmeisterschaft. Dafür ging Yamaha komplett unter. Selbst der 13. Platz von Franco Morbidelli war mit 22 Sekunden Rückstand nicht berühmt.

Platz 17 außerhalb der WM-Punkteränge war für Quartararo eine komplette Klatsche. Ist die Regenschwäche von Yamaha zurück? War das starke Regenrennen (Rang 2) in Indonesien nur ein Ausreißer, weil es dort sehr warm war und der Grip selbst im Nassen sehr gut war?

 

Von außen ist das schwer zu beurteilen. Dazu muss man wissen, dass sich die Regenabstimmung mittlerweile immer mehr von der Trockenabstimmung unterscheidet. Im Trockenen ist das Set-up viel radikaler für die Ride-Height-Systeme und die Aerodynamik optimiert.

Reifendruck für die Teams schwer einzuschätzen

Während wir gestern eine Stunde lang auf den Start des MotoGP-Rennens gewartet haben, hat Ex-Mechaniker Alex Briggs einen interessanten Tweet abgesetzt. Wer den Australier nicht kennt - er hat über 20 Jahre lang für Valentino Rossi geschraubt und kennt sich bestens aus.

"Ein interessantes Problem bei Regenreifen ist der Reifendruck", schreibt Briggs. "Prinzipiell wählt man einen hohen Druck, weil man möchte, dass die Rillen offen bleiben, damit sie Wasser verdrängen können."

"Ist es komplett nass, dann bleibt der Druck von der Garage bis zum Ziel generell gleich. Aber wenn man glaubt, dass es trocknen wird, dann wählt man weniger Druck, weil man davon ausgeht, dass der Druck durch die Reifentemperatur steigt."

Fabio Quartararo

Ungewohnte Gegner: In Thailand kämpfte Quartararo im hinteren Teil des Feldes

Foto: Motorsport Images

"Wenn man das nicht macht, kann der Reifen sehr schnell überhitzen. Es ist nicht so einfach, dass man nur Regenreifen montiert und seinem Fahrer einen Klaps auf den Rücken gibt." Die Teams müssen zum Teil also auch raten, wie sich die Verhältnisse entwickeln werden.

Cal Crutchlow berichtete nach dem Rennen, dass sein Druck im Vorderreifen von der ersten Runde an zu hoch war. Laut seinen Beobachtungen hatte Quartararo mit dem gleichen Problem zu kämpfen. Die Yamaha war im Regen unfahrbar.

 

In der Pressemitteilung von Yamaha wird Quartararo mit den Worten zitiert, dass "man nur ein paar Minuten Zeit hatte", um sich für das Regenrennen vorzubereiten. Das stimmt natürlich. Aber es ging allen Teams so.

In der Weltmeisterschaft steht Quartararo schon seit einigen Wochen mit dem Rücken zur Wand. Er kann aufgrund der technischen Einschränkungen seiner Yamaha kaum selbst Akzente setzen, sondern muss aus der jeweiligen Situation das Beste machen.

Warum Quartararo wirklich schlecht geschlafen hat

Drei Rennen sind noch zu fahren und sein WM-Vorsprung ist auf zwei Punkte zusammengeschrumpft. Die Titelverteidigung wird immer schwieriger. Aber deswegen habe ich heute nicht Quartararo für unsere traditionelle Montagskolumne gewählt.

Sondern es war sein Verhalten an diesem Thailand-Sonntag, das mir nicht gefallen hat. Als Weltmeister hat man meiner Meinung nach eine größere Verantwortung. Für den Sport nach außen hin als Repräsentant, aber auch bei tagesaktuellen wichtigen Themen.

Aleix Espargaro

Aleix Espargaro holte vor dem Start die Meinung der Fahrer ein

Foto: Motorsport Images

Bezeichnend war die Situation unmittelbar vor dem Start. Aleix Espargaro lief nach den Besichtigungsrunden zu Quartararo und fragte ihn nach seiner Einschätzung der Bedingungen, um Sicherheitsberater Loris Capirossi Feedback zu geben.

"Ich sagte zu den Fahrern: 'Was denkst du?'", schildert Espargaro. "Und Fabio antwortete: 'Ja, die Sicht ist sehr schlecht'. Also sagte ich zu ihm: 'Geh hin und sag es ihnen! Du kannst nicht auf dem Bike herumsitzen und dann alle beschuldigen, falls es einen Unfall gibt.'"

Meiner Meinung nach hat Espargaro hier vollkommen recht. Vor allem ein Weltmeister sollte bei solch schwierigen Verhältnissen aufstehen und seine Meinung kundtun, ob die Sicherheit gewährleistet ist oder nicht.

Nach dem Rennen verabschiedete sich Quartararo wortlos. Er gab weder den TV-Stationen Interviews, noch den schreibenden Journalisten. Er ist zwar nicht der erste Fahrer, der seine Medienrunden absagt, aber weltmeisterliches Verhalten ist das auch nicht.

Fabio Quartararo

Nach dem Debakel verabschiedete sich Fabio Quartararo wortlos

Foto: Motorsport Images

Viele Journalisten und die meisten Fotografen im Fahrerlager sind Freelancer und finanzieren die Reisen selbst. Dass das bei den Übersee-Rennen nicht billig ist, kann sich jeder ausrechnen. Aber dass dann der Millionär die Journalisten praktisch im Regen stehen lässt, ist nicht die feine Art.

Da sollte Quartararo doch Profi genug sein, um sich professioneller zu verhalten. Ein Posting auf Instagram ist zwar schön und nett (beim Verfassen dieser Zeilen hat er noch nichts gepostet), aber es ist auch heutzutage in Zeiten von Social Media sehr wichtig, mit den Menschen direkt zu sprechen.

Ihr,

Gerald Dirnbeck

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Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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