Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Francesco Bagnaia
Kein Grip, kein Vertrauen und schließlich ein Sturz - Francesco Bagnaia erlebte in Silverstone eines der schwierigsten Wochenenden seiner Saison
Francesco Bagnaia mit seiner Schwester Carola
Foto: Getty Getty
Liebe MotoGP-Fans,
es war schon im Vorfeld klar, dass Silverstone das Territorium von Aprilia sein würde. Die Rundenzeiten im Qualifying und die Rennpace waren sehr beeindruckend. Ducati hatte nicht den Hauch einer Chance.
Wobei Alex Marquez die Pace gehabt hätte, es auf das Podium zu schaffen. Auch Fabio Di Giannantonio hat angesichts der Gripprobleme eine passable Performance gezeigt.
Marc Marquez kam das ganze Wochenende nicht auf einen grünen Zweig. Er sagte nach dem Grand Prix, dass es an ihm lag und er einfach keinen Weg gefunden hat, um schneller zu sein. Das kann selbst einem Ausnahmekönner wie ihm passieren.
Im Vergleich dazu ist das Wochenende für Francesco Bagnaia katastrophal verlaufen. Ein Sturz im Freitagstraining sorgte für die Q1-Teilnahme. Im Qualifying wurde es Startplatz 16.
Im Sprint baute der Hinterreifen bei ihm so stark ab, dass er am Ende keinen Grip mehr hatte und kaum noch Schräglage fahren konnte. Bagnaia kam am Samstag nur als 17. ins Ziel.
Im Grand Prix lief es nicht besser. Bagnaia verlor in der Anfangsphase Positionen und fiel bis auf Platz 18 zurück. In der achten Runde stürzte er schließlich in Luffield. Beim Beschleunigen klappte schlagartig das Vorderrad ein.
Warum ist das passiert? "Ich habe mich das Gleiche gefragt. Sehr merkwürdig, ehrlich gesagt. Ich verliere nie das Vorderrad beim Herausfahren aus einer Kurve. Also, sehr merkwürdig."
"Und wenn man sich die Daten ansieht, ist es sehr schwer, irgendetwas zu erkennen. Das Einzige ist, dass ich innerhalb von Millisekunden komplett das Vorderrad verloren habe. Also, sehr merkwürdig."
Bagnaia geht jetzt anders mit Enttäuschungen um
Im Laufe des Wochenendes hat Bagnaias Crew viel am Set-up und an der Elektronik gearbeitet und auch mit der Aerodynamik experimentiert. Eine Lösung des Gripproblems wurde jedoch nicht gefunden.
Sein Crewchief Cristian Gabarrini war übrigens nicht in Silverstone, weil er sich in der Sommerpause an einem Bein verletzt hat. Lorenzo Goglia, Chef für Entwicklung und Strategie bei Ducati Corse, übernahm dessen Aufgaben.
Daran dürfte es jedoch nicht gelegen haben, denn Bagnaia hat in dieser Saison ein fundamentales Problem, weshalb er im Gegensatz zu den Marquez-Brüdern und "Diggia" auch noch keinen Grand Prix gewonnen hat.

Die Gripprobleme ziehen sich bei Bagnaia wie ein roter Faden durch die Saison
Foto: AFP
Nur in Brünn konnte er den Sprint gewinnen. "Seit dem ersten Rennen der Saison habe ich keinen Grip. Absolut null", nennt er sein Grundproblem. "Und wir wissen nicht, was wir tun sollen. Es ist also sehr schwer zu verstehen."
Ich finde, es hat sich dennoch etwas bei Bagnaia verändert. Im Vorjahr waren bei ihm Frust, Wut, Verzweiflung und Enttäuschung zu erkennen. In diesem Jahr geht er mit den Problemen, Rückschlägen und Ausfällen doch deutlich entspannter um.
Es ist klar, dass er nicht Weltmeister werden wird, und es ist auch klar, dass das Kapitel mit Ducati in wenigen Monaten zu Ende gehen wird. Der eine oder andere Podestplatz und vielleicht auch noch ein Sieg sind durchaus möglich.
Mit 31 Siegen und zwei Weltmeistertiteln ist er immer noch der erfolgreichste MotoGP-Fahrer von Ducati. Diese Erfolge bleiben für immer, während diese beiden schwierigen letzten Jahre vielleicht irgendwann in Vergessenheit geraten werden.
Seine langfristige Zukunft heißt Aprilia. Mit einem Vierjahresvertrag in der Tasche hat er dort Zeit, wieder zu alten Erfolgen zurückzufinden. Mit dieser Perspektive ist es auch nachvollziehbar, wenn er die aktuellen Schwierigkeiten lockerer sieht.
Ende Juni brachte seine Frau Domizia den ersten gemeinsamen Sohn zur Welt. Auch dieses Glück wird ihn enttäuschende Rennwochenenden rasch vergessen lassen, selbst wenn er zu Hause aus einem schönen Grund die eine oder andere schlaflose Nacht haben wird.
Euer
Gerald Dirnbeck
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