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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Franco Morbidelli

Der Grid-Crash von Franco Morbidelli in Valencia war natürlich unnötig - Der Italiener ist ein spezieller Charakter - Gespräche mit Simon Crafar prägen seine Saison

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Franco Morbidelli

Franco Morbidelli verletzte sich beim Grid-Crash in Valencia an der linken Hand

Foto: Getty Getty

Liebe MotoGP-Fans,

zunächst gute Besserung an Franco Morbidelli. Hoffentlich heilt der Bruch des fünften Mittelhandknochens in der linken Hand rasch. Aber natürlich kann der Italiener beim wichtigen Test am Dienstag nicht teilnehmen. Das ist für sein VR46-Team sehr ärgerlich.

Jedem von uns ist schon einmal ein Moment der Unachtsamkeit passiert. Vor allem bei Abläufen, die man schon hundertmal absolviert hat. Aber was Morbidelli da im Grid bei der Kollision mit Aleix Espargaro angestellt hat, sollte einem Vollprofi nicht passieren.

Morbidelli ist ein ganz spezieller Charakter. Wenn er nicht auf dem Motorrad sitzt, ist er extrem relaxt. Ich finde es eigentlich beeindruckend, wie gechillt er in einem von Adrenalin geprägten Umfeld wie die MotoGP ist, sein kann.

Aber oft wirkt er komplett abwesend und in seiner eigenen Welt. Als würde er wach sein, aber eigentlich schlafen, oder etwas geraucht haben - was er natürlich nicht hat. In solchen Phasen spricht er auch sehr langsam und man hat fast das Gefühl, man hört ihm beim Nachdenken zu.

Manchmal philosophiert er über Themen des Sports. Dann ist es wiederum sehr interessant, ihm zuzuhören, denn er macht sich schon viele Gedanken über die MotoGP insgesamt. Er ist ein cleverer Kerl, sympathisch und eben eine ganz eigene Persönlichkeit.

Auf dem Motorrad ist er dann ein ganz anderes Wesen, wobei er auch immer wieder wesentliche Dinge vergisst oder einfach zu relaxt ist. Ich kann es nicht genau beschreiben. Aber dann bummelt er mal wieder auf der Ideallinie oder ist unaufmerksam wie im Grid in Valencia.

Und dann gibt es immer wieder aggressive Manöver, die echt oft am oder über dem Limit sind. Der "typische Morbidelli-Move" ist mittlerweile ein gängiger Begriff geworden - von uns Beobachtern, aber auch von den anderen Fahrern.

Ausführliche Gespräche mit Simon Crafar

Mitte September führte Chef-Rennkommissar Simon Crafar in Misano ein ausführliches Gespräch mit Morbidelli. Dabei wurde ihm klargemacht, dass es bei der nächsten aggressiven Aktion nicht bei einer oder zwei Long-Lap-Strafen bleiben würde.

Morbidelli nahm diese "gelbe Karte" ernst und sagte damals: "Ich werde auf jeden Fall weniger aggressiv sein müssen. Das ist ein Vorteil für meine Gegner, den sie, wenn sie gut sind, selbstverständlich zu ihrem Vorteil nutzen können."

"Ich werde daran arbeiten, eindeutig weniger aggressiv und deutlich präziser zu sein. Gleichzeitig werde ich meine Aggressivität vollständig zurückfahren müssen. Denn wenn ich einen Fehler mache, werde ich dafür sehr hart bezahlen."

Außerdem lobte Morbidelli die Gespräche mit Crafar: "Er hat viel mit mir gesprochen. Er hat mir vermittelt, wie man einem Fahrer ein Überholmanöver ankündigt und wie ein Überholmanöver in einer MotoGP wie dieser durchgeführt werden sollte."

"Ich muss sagen, dass Simon das sehr konsequent verfolgt. Er analysiert meine Überholmanöver auf eine äußerst präzise Weise. Wir haben sehr viel über meine Überholmanöver gesprochen und ich orientiere mich an Simons Urteil. Ich respektiere Simons Urteil immer, und jeder sollte das tun."

"Ich denke, dass wir einen hervorragenden Schiedsrichter haben. Ich habe oft mit ihm gesprochen und ich habe seine Maßnahmen in diesem Jahr mehrmals zu spüren bekommen. Und ich muss sagen, dass jede Maßnahme, die er ergriffen hat, richtig war."

"Wir haben viel miteinander gesprochen, er hat mir sehr viel erklärt. Und ich muss sagen, dass ich meine Art geändert habe, derselbe zu bleiben - weiterhin entschlossen, aber vollständig im Einklang mit Simons Bewertung."

Keine Strafen mehr seit Barcelona

An dieser Stelle muss ich auch festhalten, dass Morbidelli seit dem Barcelona-Wochenende keine Strafen mehr erhalten hat. Obwohl es enge Situationen gab. Wie zum Beispiel das Überholmanöver gegen Fabio Quartararo in Sepang, aber der Franzose verpasste in der Zielkurve den Scheitelpunkt.

Oder in Portimao überholte Morbidelli in Q1 ziemlich aggressiv Miguel Oliveira. Aber da wäre die Schuld eher bei Oliveira gewesen, denn Morbidelli befand sich in einer fliegenden Runde, Oliveira jedoch nicht. Der Portugiese hätte mehr Platz lassen müssen.

Dann kam es in Portimao im Grand Prix gleich in der ersten Runde zu einem Unfall in Kurve 5. Ja, Morbidelli bremste innen etwas zu aggressiv hinein und es entstand eine unglückliche Kettenreaktion, bei der am Ende nur Morbidelli stürzte.

Crafar bewertete es als Rennzwischenfall. Da kann ich mitgehen, denn es war die erste Rennrunde und da kann es vor allem im Mittelfeld eng werden. Das gehört in der Startphase zum Rennsport eben dazu.

Auch für den Crash im Grid in Valencia gab es keinerlei Strafe. Crafar wird schon wissen, was er tut. Vielleicht ist es in diesem Fall wieder vernünftiger, mit Morbidelli ein ausführliches Gespräch unter vier Augen zu führen, als eine Strafe auszuhändigen.

Jedenfalls wird sich Morbidelli im Winter Gedanken machen müssen, denn auch sportlich lief das Jahr ziemlich durchwachsen, wenn man vor allem den Vergleich zu Alex Marquez zieht. Zwei dritte Plätze im Frühling sind einfach zu wenig.

Vor allem hat sein VR46-Teamkollege Fabio Di Giannantonio zuletzt gute Leistungen gezeigt und die Saison mit zwei dritten Plätzen in Valencia abgeschlossen. Seine Überholmanöver waren immer super gesetzt und sehr sauber. So muss man das machen!

Euer

Gerald Dirnbeck

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