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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Franco Morbidelli

Warum bei Franco Morbidelli derzeit überhaupt nichts läuft - Seine MotoGP-Karriere scheint zu Ende zu gehen - Der ehemalige Vizeweltmeister hatte auch genug Chancen

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Franco Morbidelli

Franco Morbidelli fährt womöglich seine letzte MotoGP-Saison

Foto: Getty Getty

Liebe MotoGP-Fans,

der Rennsonntag im Balaton Park war äußerst turbulent. Beim schweren Unfall im Moto3-Rennen um David Munoz ist mir kurz das Herz stehengeblieben. Das war brutal und richtig gefährlich. Diese Situation hätte auch ganz anders ausgehen können.

Beim Start des MotoGP-Rennens hat dann Jorge Martin vier Fahrer hinausgekegelt. Fabio Quartararo ist im vergangenen Jahr etwas Ähnliches passiert. Auf den ersten Blick sah Martins Manöver wie eine übermotivierte Aktion aus.

Er hat aber auf gleicher Höhe gebremst wie die Fahrer neben ihm. Okay, er war innen, wo der Asphalt noch etwas schmutzig war. Zudem bot der neue Asphalt in Kurve 1 generell wenig Grip und war alles andere als optimal.

Nach dem Rennen sagten die Aprilia-Fahrer ihre Interviewtermine ab. Martin äußerte sich in einem Instagram-Beitrag und entschuldigte sich für den Unfall: "Ich möchte mich bei allen meinen Kollegen entschuldigen."

"Ich habe die Kontrolle über das Motorrad verloren, und das hat leider einen Massensturz verursacht, den ich nicht verhindern konnte. Das Wichtigste ist, dass wir Gott sei Dank alle wohlauf sind."

"In solchen Situationen ist das das Einzige, was wirklich zählt. Es tut mir sehr leid wegen der Konsequenzen, die dieser Unfall für sie, ihre Teams und ihre Rennen hatte. Man möchte sich nie in einer solchen Situation wiederfinden."

Trotzdem war es kein verrücktes Harakiri-Manöver, weil er eben auf Höhe der anderen Fahrer gebremst hat. Im Vorjahr war es in Motegi anders. Dort hatte Martin vor der ersten Kurve deutlich zu spät gebremst.

Auch Simon Crafar bewertete es nicht als Harakiri-Manöver und verhängte die normale, dafür in den Protokollen vorgesehene Strafe von zwei Long-Lap-Strafen. Es war ein unglücklicher Startunfall, wie er passieren kann.

Deswegen schließe ich mich der Einschätzung von Crafar an und habe deshalb nicht Martin für unsere traditionelle Montagskolumne nominiert. Stattdessen möchte ich über einen Fahrer sprechen, der wieder einmal völlig untergegangen ist.

"Diggia" überholt trotz Sturz Morbidelli

Franco Morbidelli kam hinter seinem VR46-Teamkollegen Fabio Di Giannantonio ins Ziel, obwohl "Diggia" beim Startunfall gestürzt ist. Das kann doch nicht sein und zeigt, dass bei Morbidelli fundamental etwas nicht passt.

Mit Platz drei im Jerez-Sprint und Startplatz zwei in Barcelona hat er prinzipiell gezeigt, dass er immer noch den Speed hat. Aber er schafft es nicht, alle Puzzleteile zusammenzusetzen, um regelmäßig eine respektable Leistung zu zeigen.

Morbidelli fährt grundsätzlich das Ducati-Paket aus dem Vorjahr, ebenso wie Fermin Aldeguer. Aber Aldeguer hat zuletzt immer stärkere Leistungen gezeigt. In Ungarn war er durchaus ein Kandidat für das Podium, hätte ihn Martin nicht abgeräumt.

Franco Morbidelli

Mit seiner Ducati fühlt sich Morbidelli derzeit wie auf Glatteis

Foto: Getty Images Europe

Ich habe in Ungarn mit VR46-Teammanager Pablo Nieto über diesen Vergleich gesprochen. "Es ist sehr schwierig, weil man bei Fermin auch berücksichtigen muss, dass er nach einer schweren Verletzung zurückgekehrt ist."

"Man muss also auch verstehen, wie er sich mit dem Motorrad und mit allem fühlt. Natürlich sehen wir, dass Fermin in manchen Rennen um das Podium kämpft und in anderen Rennen Schwierigkeiten hat, in den Top 10 zu sein."

"Also kann es vielleicht auch am Paket liegen, aber ich weiß, was wir in unserer Garage haben. Ich weiß, dass das Paket, das Ducati uns gibt, auch ein gutes Paket ist. Natürlich ist es nicht das Werksmotorrad", sagte Nieto. Denn das hat "Diggia".

Morbidelli hofft auf Hilfe von Ducati

Prinzipiell fehlt Morbidelli Grip. Das ist das einzige und größte Problem, das er derzeit mit seiner Ducati hat. Und das zieht sich wie ein roter Faden durch, vor allem in Ungarn, wo keine Lösung beim Set-up gefunden wurde.

Das hat er auch bestätigt, als ich ihn nach dem Rennen danach gefragt habe: "Wir müssen gemeinsam mit Ducati daran arbeiten, einen normalen Grip aus dem Motorrad herauszuholen."

Franco Morbidelli

Der Italiener hofft nun auf Hilfe von den Ducati-Ingenieuren

Foto: Getty Images Europe

"Denn wir haben anscheinend noch keinen Weg gefunden, wie wir einen normalen Grip aus dem Paket herausholen können. Ich kämpfe so sehr, wenn ich auf der Strecke fahre. Ich fahre auf Eis."

"Wir arbeiten intensiv mit den Ingenieuren zusammen, um das zu lösen, um zu verstehen, was vor sich geht und wie wir es in den Griff bekommen", sagte Morbidelli und hofft vor allem auf Hilfe der Ducati-Ingenieure.

MotoGP-Karriere neigt sich wohl dem Ende entgegen

Diese Probleme kommen für ihn zur komplett falschen Zeit, denn es geht um seine Zukunft. Es deutet alles darauf hin, dass VR46 im nächsten Jahr nicht mit ihm weitermacht und einen anderen Italiener als Teamkollegen von Aldeguer holen wird.

Ich finde, Morbidelli hatte in seiner MotoGP-Karriere auch genug Chancen. 2026 ist bereits seine achte Saison in der Königsklasse. Mit drei Siegen und WM-Platz zwei hat er schon einmal gezeigt, was er kann.

Gut, 2020 war durch die Pandemie ein seltsames Jahr, aber alle hatten die gleichen Voraussetzungen. Morbidelli war damals als Yamaha-Fahrer im Endergebnis auch besser als Fabio Quartararo. Das muss man erst einmal schaffen.

Aber seit seiner Knieverletzung im Frühsommer 2021 ist der Faden gerissen. Er konnte seither eigentlich nie mehr an sein Potenzial anknüpfen. Dazu hatte er Anfang 2024 bei einem Trackday in Portimao einen schweren Sturz.

Erst einmal hat Morbidelli darüber im Detail gesprochen und verraten, dass er nach diesem Sturz für zwei Wochen sein Gedächtnis verloren hatte. Inwiefern dieser Unfall größere Nachwirkungen bis heute hat, kann ich nicht beurteilen.

Nach einer Saison bei Pramac ermöglichte ihm Valentino Rossi in seinem Team eine weitere Chance. Das war menschlich großartig, aber nach zwei Jahren ist es für das Team auch an der Zeit, mit einem anderen Fahrer die Zukunft zu gestalten.

Wie die Zukunft von Morbidelli aussehen wird, ist momentan unklar. Er möchte seinen Helm aber noch nicht an den Nagel hängen: "Ich liebe das Rennfahren. Ich habe meine Aufgabe hier noch nicht erfüllt."

"Ich glaube, meine Aufgabe hat sich nach den ersten drei Jahren in der MotoGP ein wenig verändert. Ich hatte geplant, die Weltmeisterschaft zu gewinnen, und ich war 2020 nach zwei Jahren wirklich nah dran."

"Aber dann hatte ich einige Probleme und konnte mein Ziel nicht mehr erreichen. Also hat sich mein Ziel etwas verschoben. Jetzt geht es darum, zunächst wieder Rennen zu gewinnen."

"Es wird wichtig sein, wieder Rennen zu gewinnen, bevor ich an den Gewinn einer Meisterschaft denken kann. Davon bin ich im Moment weit entfernt. Ich möchte meine Aufgabe zu Ende bringen. Das ist es, was ich tun möchte."

Euer

Gerald Dirnbeck

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