Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Luca Marini

Ohne VR46-Unterstützung arbeitet sich Enea Bastinini bis in die Weltelite - Rossis Halbbruder Luca Marini kann in seinem Rookie-Jahr bisher nicht überzeugen

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Luca Marini

Liebe MotoGP-Fans,

bei Francesco Bagnaia scheint der Knoten endgültig geplatzt zu sein. Sein Heimrennen in Misano zu gewinnen, ist eine ganz besondere Leistung. Am Ende wurde es zwar noch spannend, aber so wie in Aragon hat der Ducati-Fahrer die Nerven behalten und keinen Fehler gemacht.

Fabio Quartararo ist trotzdem auf dem Weg zum Weltmeistertitel. 48 Punkte Vorsprung sind bei vier noch zu fahrenden Rennen ein großes Polster. Dennoch darf er sich keinen Fehler leisten. Ein Ausfall und ein weiterer Sieg von Bagnaia könnte die Geschichte noch spannend machen.

Enea Bastianini der Fahrer des Rennens

Fahrer des Rennens ist neben Bagnaia natürlich auch Enea Bastianini. Dass er mit der zwei Jahre alten Ducati diesen Speed zeigen konnte, kam glaub ich für alle überraschend. Nicht nur einen Jack Miller ließ der noch amtierende Moto2-Weltmeister ziemlich alt aussehen.

Enea Bastianini

Enea Bastianini raste in Misano sensationell auf das Podest

Foto: Motorsport Images

Dieser dritte Platz ist eine weitere Talentprobe von Bastianini. Schon seit Wochen macht er immer wieder mit tollen Leistungen auf sich aufmerksam. Deswegen hat heute in unserer traditionellen Montagskolumne sein Teamkollege Luca Marini im übertragenen Sinn schlecht geschlafen.

Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. Beide sind Rookies. Nach 14 Grands Prix hat Bastianini 61 WM-Punkte auf dem Konto und Marini 28. Platz fünf im zweiten Spielberg-Rennen, als zum Schluss Regen einsetzte und auch er mit Slicks draußen blieb, war Marinis bestes Resultat.

Luca Marini schafft es kaum in die Top 10

Ansonsten waren unter normalen Umständen drei zwölfte Plätze die beste Ausbeute. In Misano kam Marini zum sechsten Mal in diesem Jahr außerhalb der WM-Punkteränge ins Ziel. Er hat ein schwieriges Rookie-Jahr, das ist klar. Ich möchte aber einen anderen Umstand ansprechen.

Im Gegensatz zu Bagnaia, Franco Morbidelli und Marini ist und war Bastianini nie Teil der Nachwuchsakademie von Valentino Rossi. Da er in Rimini in der gleichen Gegend aufgewachsen ist und wohnt, könnte man meinen, dass auch Bastianini von VR46 gefördert wird.

Valentino Rossi, Luca Marini

Valentino Rossi und Luca Marini kämpfen oft um die letzten WM-Punkte

Foto: Motorsport Images

Dem ist nicht so. Er hat sich alleine nach oben gearbeitet. Als er 2020 die ersten Moto2-Rennen gewonnen und sich als WM-Kandidat etabliert hat, ist Ducati auf ihn aufmerksam geworden. Erfolge haben Bastianini in die MotoGP gebracht.

Dieses Vertrauen zahlt er jetzt mit Leistung zurück. Ich möchte Marini natürlich nicht das Talent absprechen, denn ohne Talent wird man nicht Moto2-Vizeweltmeister. Trotzdem hat ihn am Ende VR46 in die MotoGP gebracht und den Platz bei Esponsorama gekauft.

Wäre das nicht passiert, würde Marini wahrscheinlich immer noch in der Moto2 fahren. Ich möchte nicht sagen, dass er nur wegen seiner familiären Bande zu Rossi in der MotoGP ist, aber ob er ein potenzieller Siegfahrer wie Bagnaia und Morbidelli ist, könnte man hinterfragen.

VR46 unterstützt Marini, Ducati unterstützt Bastianini

Als sich im Frühling abzeichnete, dass VR46 ab 2022 die Startplätze von Esponsorama übernehmen wird, gab es einige Fragezeichen bezüglich Bastianinis Zukunft. Gleichzeitig musste sich Marini keine Sorgen machen, denn er gilt bei VR46 als gesetzt.

Ducati platziert Bastianini im nächsten Jahr im Gresini-Team. Diese Privatmannschaft soll immer noch Schwierigkeiten haben, genügend Sponsoren zu finden. Bastianini hat keine großen Sponsoren hinter sich, sondern nur die Unterstützung von Ducati.

Luca Marini, Valentino Rossi

Valentino Rossi hat im nächsten Jahr mehr Zeit, um seinen Halbbruder zu unterstützen

Foto: Motorsport Images

Trotzdem wird er auch im nächsten Jahr bei Gresini ein älteres Ducati-Modell zur Verfügung haben, während Marini bei VR46 aktuelles Werksmaterial erhalten wird. Dann wird es spannend zu sehen, ob er seine Ergebnisse deutlich verbessern kann oder nicht.

Warum sich Marini in dieser Saison so schwer tut, ist schwierig zu erklären. Er spricht oft davon, dass er kein optimales Gefühl hat. Mit einer Körpergröße von 184 Zentimetern ist er auch der größte Ducati-Fahrer, was vielleicht das Problem sein könnte.

Zum Vergleich sind Bastianini und Martin 168 Zentimeter "klein". Beide passen perfekt auf die Desmosedici. Ich glaube, Bastianini hat so wie Jorge Martin bereits genug gezeigt, um als vielversprechendes Talent der Zukunft zu gelten.

Langfristig gesehen wird Ducati alles tun müssen, um Bastianini im eigenen Stall zu halten. Wie bereits in der letzten Kolumne angesprochen, müsste 2023 sein Weg ins Pramac-Team führen, wo er sich dann - noch längerfristiger gedacht - für einen Platz im Ducati-Werksteam empfehlen kann.

Sportliche Grüße,

Gerald Dirnbeck

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Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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