Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Pol Espargaro

Marc Marquez gewinnt für Honda und KTM ist bärenstark - Für Pol Espargaro sieht die Gesamtsituation nicht rosig aus - Sein Frust wird immer deutlicher sichtbar

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Pol Espargaro

Liebe MotoGP-Fans,

er ist wieder da! Natürlich war es Marc Marquez, der die längste Durststrecke von Honda in der Königsklasse beendet hat. Dass er nach dem Sieg mit den Tränen gekämpft hat, hat gezeigt, wie viel ihm das persönlich nach der harten Zeit mit vielen Fragezeichen bedeutet hat.

Natürlich kann man sagen, dass der Sachsenring einerseits der Honda liegt und andererseits sein körperliches Handicap mit nur drei Rechtskurven nicht so eine große Rolle gespielt hat. Aber man muss es auch umsetzen. Und das hat Marquez eindrucksvoll gezeigt.

Sein Killerinstinkt, sein herausragendes Gefühl und seine Racer-Qualitäten sind immer noch da. Auf anderen Strecken kann es für ihn bestimmt noch schwieriger werden. Aber wenn sein rechter Arm wieder die volle Kraft hat, dann wird Marquez sicher wieder "der Alte" sein.

Marc Marquez

Marc Marquez hat die lange Honda-Dursstrecke beendet

Foto: Motorsport Images

Von den anderen Honda-Fahrern war im Rennen nichts zu sehen. Takaaki Nakagami traf die falsche Reifenwahl. Alex Marquez war in einen Crash mit Danilo Petrucci verwickelt und Pol Espargaro wurde farbloser Zehnter.

Espargaro wirkt desillusioniert

Schon seit einigen Wochen wirkt Espargaro auf mich desillusioniert und ratlos. Deswegen ist er heute derjenige, der in unserer traditionellen Montagskolumne im übertragenen Sinn schlecht geschlafen hat.

Der Spanier ist mit viel Elan und Enthusiasmus in das Honda-Abenteuer gestartet. Ich finde, man hat an den ersten Rennwochenenden auch gesehen, dass da durchaus Potenzial vorhanden ist. Immer wieder konnte Espargaro ganz gute Rundenzeiten zeigen.

Pol Espargaro

Kein Fahrer ist in diesem Jahr so oft gestürzt wie Pol Espargaro

Foto: Motorsport Images

Das wirkt schon besser als damals mit Jorge Lorenzo. Und klar, die Honda ist schwierig zu fahren, technisch sicher im Rückstand und man muss das Bike erst kennenlernen. Espargaro zeigt den Willen, aber mit der Zeit tritt er auf der Stelle.

Von Podestplätzen und Siegen ist er weit entfernt. Dass es bei Honda nicht einfach wird, war dem Spanier von Beginn an klar. Aber insgeheim hat er natürlich gehofft, dass er den nächsten Schritt in seiner Karriere macht und um den WM-Titel kämpfen kann.

Als er für Honda unterschrieben hat, saßen wir im Frühling 2020 im ersten Lockdown. Espargaro nannte damals mehrere Gründe für den Wechsel. Dass er für einen der erfolgreichsten Rennställe fahren und sich mit dem besten Fahrer der Gegenwart messen will, finde ich nachvollziehbar.

Natürlich ist das eine große Herausforderung. Das hat Espargaro auch oft betont. Ich denke, man muss ihm dafür Respekt zollen. Außerdem meinte er, dass er mit damals 29 nicht mehr zu den jüngsten Fahrern zählt und nicht mehr so viel Zeit hat, um Aufbauarbeit zu leisten.

Wechsel zu Honda ein Schritt zurück in der Karriere

Mit dem Wechsel hoffte er auf eine Abkürzung zum Erfolg. Dieser Gedanke ist ordentlich in die Hose gegangen. Klar, im Frühling 2020 war noch niemandem so richtig klar, welche Fortschritte KTM macht.

Pol Espargaro, Repsol Honda Team

Pol Espargaro, Repsol Honda Team

Foto: Gold and Goose / Motorsport Images

Auch nach dem schwierigen Saisonstart 2021 haben die Österreicher den Umschwung geschafft. Im Fahrerlager wird KTM als das Team bezeichnet, das technisch am schnellsten entwickeln kann. Der Stahlrahmen erweist sich hier auch als entscheidender Vorteil.

Ganz anders die Situation bei Honda. Seit einem Jahr werden mit allen Fahrern die verschiedensten Dinge ausprobiert. Es bleibt der Eindruck, dass man sich im Kreis dreht. Nach den Montagstests in Jerez und Barcelona äußerte sich Espargaro erstmals kritisch.

Ex-Team KTM viel besser unterwegs

Er sieht bei Honda keine Entwicklungsstrategie. Von KTM war er das anders gewohnt. Und hier sind wir beim springenden Punkt. Espargaro befindet sich bei Honda gefühlt in der Situation, wie er bei KTM im Jahr 2018 oder 2019 war - allerdings ist er jetzt nicht der Teamleader.

Der Wechsel zu Honda war für ihn kein Schritt nach vorne, sondern einer zurück. Sportlich kämpft er rund um Platz zehn. Technisch gesehen ist er in einen Aufbauprozess involviert. Und ein nicht komplett fitter Teamkollege fährt ihm um die Ohren.

Dazu ist sein Ex-Team KTM bärenstark. Die Saison ist noch lang. Wenn Miguel Oliveira weiterhin regelmäßig in den Top 3 ist, dann spielt er vielleicht noch eine Rolle im WM-Kampf. Was Espargaro wohl durch den Kopf geht, wenn er "seine" KTM so weit vorne sieht?

Pol Espargaro

Zwei achte Plätze waren bisher die besten Ergebnisse des Spaniers

Foto: Motorsport Images

Der Spanier ist ein cooler Typ, aber in den vergangenen Wochen ist sein Lächeln, das er gewöhnlich immer auf den Lippen hat, verschwunden. Mit zwölf Stürzen ist Espargaro auch der Fahrer, der in diesem Jahr am häufigsten am Boden lag.

Ich würde mich für ihn freuen, wenn sich das Honda-Abenteuer doch irgendwann zum Positiven wenden würde. Ein Fahrer und ein guter Typ wie Espargaro wäre eine Bereicherung im Spitzenfeld und im WM-Kampf.

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Sportliche Grüße,

Gerald Dirnbeck

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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