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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Valentino Rossi

Das VR46-Team steht klar im Schatten von Gresini, obwohl man bessere Voraussetzungen hat - Valentino Rossi muss sich für sein Team einiges überlegen

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Valentino Rossi

Valentino Rossi ist nur bei wenigen MotoGP-Rennen vor Ort

Foto: Gold Gold

Liebe MotoGP-Fans,

während die MotoGP in Portugal fuhr, bestritt Valentino Rossi die 8 Stunden von Bahrain und erlebte ein gebrauchtes Wochenende. In der LMGT3-Klasse wurde es für das BMW-Team WRT nur der 15. Platz. Viel erfreulicher wird sein Blick nach Portimao zu seinem VR46-Team wohl auch nicht gewesen sein.

Während das Gresini-Team wie fast immer im Spitzenfeld mitmischte, lief es für VR46 durchwachsen. Im Sprint wurde Fabio Di Giannantonio Fünfter und Franco Morbidelli 15. Im Grand Prix schied Morbidelli in Runde 1 aus, Di Giannantonio kam als Achter ins Ziel.

Der Anspruch von VR46 lautet, dass man in jedem Rennen um die Podestplätze mitkämpfen kann. Davon ist man weit entfernt, denn viel zu selten waren beide Fahrer in der Lage, sich wirklich toll in Szene zu setzen.

Vor allem im Vergleich mit dem anderen Ducati-Satellitenteam Gresini sieht VR46 nicht gut aus. Beide Teams sind seit 2022 in der MotoGP am Start. Dass es Gresini nach dem Tod von Fausto Gresini überhaupt geschafft hat, war damals sehr bemerkenswert.

Noch bemerkenswerter ist, dass Gresini in diesen vier Jahren mit allen Fahrern mindestens einen Grand Prix gewonnen hat. VR46 hat im Jahr 2023 mit Marco Bezzecchi drei Rennen gewonnen. Ansonsten stehen in der Bilanz vereinzelte Podestplätze.

Ich finde, Rossi sollte sich ernsthaft fragen, warum das so ist. Denn theoretisch haben beide italienische Teams die gleichen Voraussetzungen, wenn nicht VR46 sogar bessere. Fünf Podestplätze in Grands Prix bei 21 Rennwochenenden sind deshalb viel zu wenig.

Seit diesem Jahr ist VR46 das werksunterstützte Ducati-Team. In der Praxis heißt das, dass im Vergleich zu den vergangenen Jahren und auch zu Gresini einige Ducati-Ingenieure in der Box arbeiten und damit der Austausch mit dem Werk noch enger geworden ist.

Für nächstes Jahr wurde VR46 ein zweites Werksmotorrad angeboten. Das hat man abgelehnt. Teammanager Pablo Nieto hat mir im Laufe des Ungarn-Wochenendes erklärt, dass das in erster Linie finanzielle Gründe hat. Somit erhält Alex Marquez die vierte GP26 im Feld.

Fabio Di Giannantonio, Franco Morbidelli

Fabio Di Giannantonio und Franco Morbidelli sind zu selten im Spitzenfeld

Foto: VR46

Den finanziellen Aspekt finde ich interessant. Mir ist schon klar, dass Rossi nicht viel Geld aus eigener Tasche in das Team investieren will. Aber sein Name hat immer noch Strahlkraft und ist weltweit einer der größten Namen, wenn nicht gar der größte Name im Motorradrennsport.

Klar ist die weltweite Finanzlage derzeit fragil. Trotzdem müsste es doch für einen gewieften Manager im Hintergrund möglich sein, mit Rossis Strahlkraft potente Sponsoren anzulocken, um dem Team aus finanzieller Sicht jede erdenkliche Möglichkeit zu bieten.

Hauptsponsor ist der staatliche indonesische Ölkonzern Pertamina. Dazu gibt es noch diverse kleinere Sponsoren. Vielleicht denke ich zu naiv, aber ich glaube, VR46 könnte noch viele weitere, größere Sponsoren aus anderen Branchen anziehen.

Es kommen keine eigenen Nachwuchsfahrer mehr nach

Der zweite Punkt betrifft die Fahrer. Dass man Morbidelli nach seinem schweren Testunfall Anfang 2024 eine Chance gegeben hat, war allein schon aus menschlicher Sicht absolut verständlich. Zwei dritte Plätze zu Saisonbeginn waren auch gut, aber viel mehr kam dann nicht mehr.

Di Giannantonio, der übrigens nie Teil der VR46-Akademie war und ist, hat mit der GP25 seine Mühe. Grundsätzlich halte ich ihn schon für einen Fahrer, der ab und an ein Rennen gewinnen kann, wenn alles zusammenpasst. Aber einen kommenden Weltmeister sehe ich in ihm nicht.

Grundsätzlich hat Rossi mit seiner VR46-Akademie für den italienischen Rennsport viel Gutes getan. Morbidelli war Moto2-Weltmeister und MotoGP-Vizeweltmeister. Francesco Bagnaia war ebenfalls Moto2-Weltmeister und zweimal MotoGP-Weltmeister.

Fabio Di Giannantonio, Franco Morbidelli

Im Ungarn-Sprint wurden Di Giannantonio und Morbidelli Zweiter und Dritter

Foto: VR46

Und mit Marco Bezzecchi gibt es einen weiteren Fahrer, der sich immer mehr zu einem künftigen Weltmeister mausert. Ohne die gute Arbeit der VR46-Akademie über viele Jahre wäre das alles vermutlich nie möglich gewesen.

Für das MotoGP-Projekt hat Rossi die Nachwuchsteams in den kleinen Klassen geschlossen. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass mittlerweile kein Nachwuchs mehr nachkommt, vor allem nicht aus den Reihen der VR46-Akademie.

In der Moto3 ist Luca Lunetta als WM-Zwölfter der beste Italiener, aber er ist nicht Teil der VR46-Akademie. In der Moto2 ist Celestino Vietti WM-Achter. Er ist immer noch Teil von VR46. Aber er zeigt in der Moto2 einfach zu wenig, um sich für die MotoGP zu empfehlen.

Abgesehen von Vietti hat VR46 also niemanden in der Pipeline. Es stellt sich mittelfristig die Frage, wer in zwei, in fünf, in acht Jahren für das Team fahren wird. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass künftig keine eigenen Nachwuchsfahrer oder gar keine Italiener mehr im Team sein werden.

Deshalb finde ich, dass sich Rossi aus mehreren Aspekten überlegen sollte, wie er das Team weiterentwickelt, vielleicht etwas anders aufstellt, um den Ansprüchen gerecht zu werden und langfristig erfolgreicher zu agieren.

Euer

Gerald Dirnbeck

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