"Wie die Mona Lisa": Von diesem Fahrer schwärmt Dall'Igna bis heute
"Wie die Mona Lisa" oder "von ihm kann man sehr viel lernen": Gigi Dall'Igna spricht ungewöhnlich offen über die Fahrer, die seine Karriere geprägt haben
Gigi Dall'Igna hebt fünf Fahrer seiner MotoGP-Laufbahn besonders hervor
Foto: Getty Getty
Gigi Dall'Igna hat in seiner langen und erfolgreichen Karriere mit einer Reihe von Fahrern zusammengearbeitet, unter ihnen Persönlichkeiten, die ihn über Jahre begleitet haben und die den Rennsport aus seiner Sicht bis heute definieren.
Bei einer Veranstaltung in Mailand ging der Ducati-Rennchef laut La Gazetta dello Sport kürzlich auf fünf dieser Fahrer näher ein und zeichnete dabei das Bild einer Reise durch verschiedene Epochen des Sports, geprägt von außergewöhnlichem Talent, großen Erfolgen, aber auch schwierigen Entscheidungen hinter den Kulissen.
Besonders eindrücklich wird das bei Jorge Lorenzo. Für Dall'Igna ist der Spanier nicht einfach nur ein Weltmeister, sondern eine Ausnahmeerscheinung, die er über viele Jahre hinweg begleitet hat. Der Italiener erinnert daran, dass er Lorenzo "schon seit seiner Kindheit kennenlernen durfte" und ihn "als einzigen Fahrer in der 125er-, 250er- und dann auch in der MotoGP-Klasse begleitet" habe.
Schon früh sei ihm klar gewesen, dass hier etwas ein ganz besonderes Talent heranwächst: "Schon als Kind, mit 14 Jahren, machte er außergewöhnliche Dinge. Dinge, die ich nur von ihm gesehen habe, besonders in den kleineren Klassen."
Lorenzos Linien wie die der Mona Lisa
Am stärksten wird seine Bewunderung jedoch, wenn er über die technische Perfektion spricht. Lorenzos Datenanalysen und Linienführung hätten auf ihn einen fast künstlerischen Eindruck gemacht: "Bestimmte Linien von ihm am Computer zu sehen, bestimmte Telemetriedaten, war wie die Mona Lisa zu bewundern."
Auch Andrea Dovizioso bleibt für Dall'Igna eine prägende Figur, allerdings mit einem etwas gemischteren Rückblick. Einerseits betont er die gemeinsamen Erfolge: "Mit ihm haben wir gemeinsam großartige Dinge erreicht [darunter drei Vizeweltmeisterschaften]. Ich habe viele schöne Erinnerungen an ihn."
Gleichzeitig verschweigt er nicht, dass die Beziehung zum Italiener gegen Ende schwieriger geworden sei: "Auch wenn sich am Ende unserer Beziehung das Verhältnis etwas verschlechtert hat und die Zusammenarbeit nicht mehr so schön war wie zuvor." Dennoch überwiegt für Dall'Igna der Wunsch, das Positive in Erinnerung zu behalten: "Für mich ist es schöner, mich an die guten Momente zu erinnern."
Dall'Igna gesteht schwierige Entscheidung
Eine besondere emotionale Tiefe haben seine Worte zu Francesco Bagnaia, mit dem er den WM-Titel 2022 erlebte. Dieser Moment sei für ihn "der schönste Moment der MotoGP" gewesen, ein Erlebnis, das ihn "auch heute noch emotional werden lässt".
Gleichzeitig nutzt er die Gelegenheit, um die Realität seiner Rolle zu beschreiben und, nimmt dabei indirekt Bezug auf die Trennung von Bagnaia zum Saisonende 2026. "Im Leben muss ein Manager professionelle Entscheidungen treffen, die er auf menschlicher Ebene vielleicht nicht treffen würde", erklärt Dall'Igna.
Er macht deutlich, wie groß die Verantwortung im Hintergrund sei: "Der Fahrer muss als Mensch respektiert werden, aber mit mir arbeiten 200 andere Menschen und ich trage die Verantwortung für alle 200." Daraus entstehe zwangsläufig ein Spannungsfeld.
"Man muss Entscheidungen zum Wohl aller treffen, und diese Entscheidungen sind nicht immer beliebt", weiß der Italiener. "Ich muss eher an das Wohl der 200 Menschen denken als an das des Einzelnen, und manchmal stehen diese Dinge im Widerspruch."
Marc Marquez als "fantastische Person" geadelt
Ganz anders bei Marc Marquez, der seinen Vertrag mit Ducati erst kürzlich um zwei weitere Jahre verlängert hat. Auch über ihn spricht Dall'Igna voller Bewunderung. Schon früh habe er dessen Talent erkannt: "Mir wurde schnell klar, sobald ich in der WM ankam, dass er außergewöhnliche Fähigkeiten hatte."
"Als ich ihn in den folgenden Jahren als 'Gegner' hatte, habe ich immer gesehen, dass er Dinge konnte, die für alle anderen unerreichbar waren", unterstreicht er Marquez als Ausnahmefahrer. Doch noch stärker fällt jedoch seine Einschätzung als Mensch aus, seitdem er mit dem Spanier direkt zusammenarbeitet.

Innerhalb kürzester Zeit hat Marc Marquez mit Ducati diverse Erfolge gefeiert
Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images
Er habe ihn als "eine fantastische Person kennengelernt", die das Team emotional mitreiße. Besonders hebt Dall'Igna hervor: "Er ist jemand, der niemandem die Schuld gibt und wenn es nötig ist, auch Fehler eingesteht und sich entschuldigt." Für den Ducati-Rennchef ist klar: "Von ihm kann man sehr viel lernen."
Den Blick nach vorn richtet er schließlich auf Pedro Acosta, der das Werksteam ab 2027 verstärken wird. Aktuell sieht er ihn als einen der größten Gegner im Feld: "Er ist ein Rivale... einer der wichtigsten Rivalen, die wir im Moment haben."
Gleichzeitig verweist Dall'Igna auf ein Muster, das er immer wieder bei Ausnahmefahrern bemerkt: "Die Champions erkennt man schon als Kinder. Dort lösen sie Emotionen aus." Genau das habe er bei Acosta schon früh gesehen, der bereits in der Moto3 begeistert habe und auch heute "wirklich wunderbare Dinge macht".
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