Wird Phillip Island zum Golfplatz? Ex-Streckendesigner übt scharfe Kritik
Bob Barnard brachte einst die Formel 1 und die MotoGP nach Australien - In einem offenen Brief kritisiert er die aktuellen Vorgänge rund um Phillip Island
Die MotoGP gastiert in diesem Jahr zum letzten Mal auf Phillip Island
Foto: Stephen Stephen
Der Motorrad-Rennsport in Australien steht vor dem Umbruch. Phillip Island wird der Vergangenheit angehören. Die MotoGP gastiert im Herbst 2026 zum letzten Mal auf der flüssigen Rennstrecke auf der kleinen Insel in der Nähe der Metropole Melbourne.
Ab 2027 wird die Königsklasse auf den Stadtkurs in Adelaide wechseln, der umfassend modernisiert wird, um ausreichend Sturzräume zu schaffen. Laut jüngsten Berichten sollen bis zu 200 Bäume gefällt werden.
Nach der MotoGP wird auch die Superbike-WM Phillip Island verlassen. Ab 2028 fährt die seriennahe Meisterschaft auf dem neuen Kurs "The Bend Motorsport Park". Diese neue Anlage wurde im Jahr 2018 eröffnet.
Sowohl Adelaide als auch "The Bend" befinden sich im Bundesstaat South Australia. Melbourne, wo auch in Zukunft die Formel 1 im Albert Park gastieren wird, befindet sich im Bundesstaat Victoria.
Die Regierung von South Australia unterstützt die Events finanziell. Der Verlust von MotoGP und Superbike-WM wird für die Phillip-Island-Strecke große Auswirkungen haben, denn es waren bisher die großen internationalen Veranstaltungen.
Seit 2019 ist die australische Supercars-Serie nur noch einmal (2021) auf Phillip Island gefahren. Es gibt zwar Gespräche zwischen der Rennstrecke und der Serie, aber für 2027 gibt es noch keine Einigung.

Die geplante MotoGP-Streckenführung in Adelaide
Foto: Dorna Sports
Die Entwicklungen rund um Phillip Island haben nun zu einem offenen Brief von Bob Barnard geführt. Der Streckendesigner war verantwortlich für den Adelaide-Stadtkurs, der 1985 erstmals von der Formel 1 besucht wurde.
1995 fuhr die Formel 1 zum letzten Mal in Adelaide und zog anschließend nach Melbourne in den Albert Park um. Barnard war auch dafür zuständig, die Motorrad-Weltmeisterschaft 1989 und 1990 nach Phillip Island zu bringen.
Parallel dazu baute er damals innerhalb eines Jahres die Eastern-Creek-Strecke bei Sydney. Von 1991 bis 1996 fuhr die Motorrad-WM dort, bevor sie nach Phillip Island zurückkehrte.
Die Rennstrecke auf Phillip Island gehört seit 2004 dem Milliardär Lindsay Fox und seiner Linfox Property Group. Barnard ist schon lange nicht mehr involviert und arbeitet heute als Motorsport-Berater und lebt in Spanien.
Der offene Brief von Bob Barnard im Wortlaut
In einem offenen Brief, der von Journalist Mat Oxley auf X und Bluesky verbreitet wurde, wendet sich Barnard an "alle Motorsport-Enthusiasten" und äußert deutliche Kritik an den jüngsten Entwicklungen in Australien.
"Als ich von dem Plan hörte, den australischen MotoGP-Lauf von Phillip Island auf eine Stadtstrecke in Adelaide zu verlegen, nahm ich mir vor, mich zurückzuhalten. Immerhin lebe ich seit 30 Jahren außerhalb Australiens. Ich dachte, es sei nicht mehr meine Sache, dazu eine Meinung zu haben."
"Zudem war ich der Meinung, dass ich unparteiisch bleiben sollte, schließlich habe ich die aktuelle Phillip-Island-Strecke gebaut, die Veranstaltung 1989 nach Australien geholt und auch die Adelaide-F1-Strecke geschaffen."
"Wie einige von euch wissen, wurde ich nach meiner Meinung gefragt und antwortete, dass es mir nicht zustehe, mich einzumischen. Meine Gedanken zur Umsetzbarkeit bot ich aber an, da ich das Rennen selbst nach Sydney verlegt hatte. Dort blieb es nur sechs Jahre, bevor es nach Phillip Island zurückkehrte, immerhin hinterließ es dem Bundesstaat New South Wales eine permanente Rennstrecke."
"Aktuelle Kommentare deuten darauf hin, dass der Eigentümer des Phillip-Island-Circuit-Geländes, Lindsay Fox, nach dem Verlust sowohl der MotoGP als auch der WSBK das Areal möglicherweise in einen Golfplatz umwandeln könnte. Herr Fox ist bereits damit beschäftigt, eine neue Rennstrecke in Avalon, Victoria, zu errichten."
"Es beunruhigt mich nun, dass die Entscheidungen von Liberty Media (Eigentümer von MotoGP Sport Entertainment und Inhaber der Vermarktungsrechte für MotoGP und WSBK) sowie der Regierung von South Australia dazu führen werden, dass beide legendären Rennstrecken unwiderruflich verloren gehen."
"Für einen Anstieg des Aktienkurses beim einen und Stimmen beim anderen, ohne dass einer von beiden an das Wohl des Sports oder das Erbe denkt, das sie repräsentieren."
"Das neue Streckenlayout in Adelaide entspricht nicht der ursprünglichen Strecke. Es wird nicht das ersetzen, was regelmäßig zum besten F1-Stadtkurs der Welt gewählt wird, noch die beste Motorrad-GP-Strecke, wie es von den Fahrern zum Ausdruck gebracht wird."
"Wie groß wäre der Aufschrei, wenn Bathurst für die MotoGP umgestaltet, das Layout geändert oder, schlimmer noch, die Strecke geschlossen und für einen Golfplatz verkauft würde?"
"Phillip Island ging Bathurst voraus, da der erste australische Grand Prix dort bereits 1923 ausgetragen wurde, während die Bathurst 1000 sich aus dem Armstrong 500 auf der aktuellen Strecke entwickelte."

Nur Mick Doohan gewann in Eastern Creek (Foto von 1995) und auf Phillip Island
Foto: Mike Cooper/ALLSPORT/Getty Images
"Der derzeitige Widerstand in Adelaide richtet sich gegen den Verlust des Erbes der Parklands, also des öffentlichen Raums, der Baumkronen und der Fauna. South Australia riskiert, ausgewachsene Bäume der Parklands zu opfern, Victoria riskiert, den Phillip-Island-Circuit zu verlieren."
"Statt einen neuen Wert zu schaffen, könnte Australien schlichtweg zwei international anerkannte Werte zerstören, um einen ungewissen Ersatz zu schaffen."
"Australien sollte nicht gezwungen werden, zwischen Motorsport und ökologischem Erbe zu wählen. Wir sollten nicht den besten Stadtkurs der Welt verlieren und möglicherweise auch die beste Motorrad-Rennstrecke, während wir Adelaides Parklands opfern."
"Bevor unumkehrbare Entscheidungen getroffen werden, verdienen wir es, das vollständige Streckendesign und den wahren ökologischen Fußabdruck, die finanzielle Kalkulation sowie eine ehrliche Bewertung zu sehen, ob die Zerstörung zweier Weltklasse-Werte wirklich Fortschritt bedeutet."
"Die Interessen der lokalen Gemeinschaft in Adelaide und die Interessen der Motorsportbegeisterten sollten in dieser Frage eigentlich übereinstimmen. Ich bin daher enttäuscht, dass sich nicht mehr Beteiligte aus dem Zweirad- und dem Vierrad-Motorsport zu Wort gemeldet haben."
"Nach sorgfältiger Überlegung widersetze ich mich nun entschieden dieser vorgeschlagenen Absicht, die MotoGP an eine noch unbekannte und noch zu errichtende Strecke in den Adelaide Parklands zu verlegen."
Die Reaktion der Fox-Familie auf Golfplatz-Vorwürfe
Andrew Fox, Manager der Linfox Property Group, reagierte auf Barnards offenen Brief. Er weist die Aussagen, dass die Anlage in einen Golfplatz umgewandelt werden könnte, gegenüber Australian Motorcycle News (MCN) entschieden zurück.
"Die Rennstrecke steht definitiv nicht zum Verkauf, und wir haben kein Interesse daran, auf unserem Grundstück auf Phillip Island einen Golfplatz anzulegen. Das Grundstück wird definitiv eine Rennstrecke bleiben."
"Lassen Sie mich das im Namen der Familie Fox ganz, ganz deutlich machen: Was die Gerüchte über einen Golfplatz angeht: Als dies das letzte Mal [auf einem an die Rennstrecke angrenzenden Grundstück] vorgeschlagen wurde, hat der Gemeinderat dagegen gestimmt. Warum sollte die Familie Fox also erneut ihre Zeit verschwenden, zumal auf Kosten der Zerstörung der Rennstrecke?"
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