WM-Leader Quartararo erklärt, warum er als Fahrer nun so stark ist

In dieser MotoGP-Saison erleben wir einen anderen Fabio Quartararo: gereift, ruhig, überlegt - Wie er selbst diesen Prozess erklärt und warum 2020 dafür so wichtig war

WM-Leader Quartararo erklärt, warum er als Fahrer nun so stark ist

Waren Fabio Quartararos Leistungen im vergangenen Jahr noch zu beständig, weshalb der Titelfavorit damals nur abgeschlagen auf WM-Platz acht landete, scheint der Franzose in der MotoGP-Saison 2021 alles im Griff zu haben - und das trotz des Drucks, sein erstes Jahr im Yamaha-Werksteam zu bestreiten.

Der 22-Jährige wirkt gereifter, macht weniger Fehler und holt auch an für Yamaha schwierigeren Wochenenden das maximal Mögliche heraus. Dabei halfen ihm auch die Erfahrungen aus der letzten Saison, wie Quartararo gegenüber 'Motorsport.com' verrät.

"Ich denke, dass es ein großer Unterschied ist, denn vergangenes Jahr haben alle auf den ersten Sieg gewartet. Wir hatten zwei in weniger als einer Woche", blickt der Franzose auf den Doppelsieg in Jerez zum Saisonauftakt zurück. Doch auf die Euphorie folgten Probleme mit dem Bike und die Ergebnisse blieben aus.

Fabio Quartararo: "Ich habe mich verändert"

"Yamaha befand sich in Schwierigkeiten, als ich in einem guten Moment für mich war, und ich fühlte mich nicht großartig, weil ich wusste, dass ich nicht in der Lage war, so zu fahren, wie ich wollte." In diesem Jahr sei das anders: "Selbst wenn wir zu kämpfen haben, versuche ich, meine 100 Prozent zu geben, um mich anders zu fühlen und das Beste zu machen, was möglich ist", erklärt Quartararo.

"In Deutschland waren wir nicht in der Lage, um den Sieg mitzukämpfen, also habe ich versucht, der beste Fahrer auf dem Motorrad zu sein und wir konnten Dritter werden. Das sind wertvolle Punkte für die Meisterschaft." Diese führt er nach den ersten neun Saisonrennen mit einem Vorsprung von 34 Punkten an.

"Ich habe mich also verändert", sagt Quartararo, "auch weil ich eine Menge Erfahrung aus diesen schwierigen Momenten mitnehmen konnte. Selbst wenn es kleine Schwierigkeiten gibt, kann ich darüber hinweggehen und nur an das Positive denken."

Arbeit mit Psychologen hat ihm geholfen

Dabei geholfen hat ihm auch ein Psychologe, mit dem der Franzose über den Winter zusammenarbeitete. "Ja, ehrlich gesagt war ich seit November 2020 nur zwei Mal dort, aber das reicht mir. Mein Hauptziel war es, dass er mir hilft, ruhig zu bleiben."

"Er gab mir einige Übungen, die ich vor den Trainings mache oder wenn ich das Gefühl habe, dass ich sie machen muss. In diesen Momenten ist es für mich nur eine Erinnerung daran, dass ich, wenn ich wütend oder unglücklich bin, einfach diese Übungen mache und es mich ruhig hält. Es ist also nichts Großes", erklärt Quartararo.

"Es dauert weniger als fünf Sekunden, um die Übung zu machen, also kann ich sie jederzeit machen - sogar auf dem Motorrad. Es ist also ganz einfach und ich habe das Gefühl, dass es mir einfach hilft, ruhig zu bleiben." Denn genau diese Ruhe habe ihm vor allem in den schwierigen Momenten des vergangenen Jahres gefehlt.

Quartararos neues Credo: Immer positiv denken

"Am Ende der Saison war ich ein bisschen verloren, weil ich wusste, dass ich die Meisterschaft verloren hatte. Ich wusste, dass das Motorrad leider jedes Mal schlechter und schlechter wurde. Aber die Momente, in denen wir immer noch die Meisterschaft anführten und in denen ich wie wild gepusht habe, das waren auch Momente, in denen ich gelernt habe. Das war wichtig und hat mir sehr geholfen."

"Und dann war ich auch oft zu negativ", sagt Quartararo weiter. "Wir mussten einfach versuchen, positiv gestimmt zu sein, um uns zu verbessern, selbst wenn es nur zwei oder drei Zehntel waren. Denn das kann mehrere Positionen ausmachen. Und in einer Meisterschaft entscheidet am Ende vielleicht nur ein einziger Punkt."

Doch nicht nur seine Mentalität und Herangehensweise haben sich im Vergleich zu damals geändert, sondern auch sein Fahrstil und damit das Gefühl zum Bike: "Ich denke, dass sich jeder Fahrer an sein Motorrad anpassen muss. Ich fahre anders als vergangenes Jahr, es ist nicht wirklich natürlich, aber es funktioniert gut."

Fahrstil angepasst: Nicht natürlich, aber gut

"Ich spüre das Limit, ich fühle, dass ich wirklich schnell fahren kann und im Moment denke ich, dass es gut läuft. So war es auch 2019 und jetzt habe ich wieder das Gefühl, dass ich super fokussiert und konzentriert auf dem Motorrad bin."

Fabio Quartararo

Das Gefühl auf der M1 ist wieder da - auch dank harter Arbeit an sich selbst

Foto: Motorsport Images

Aber was meint der Franzose mit "nicht wirklich natürlich", wenn er über seinen Fahrstil spricht? "Normalerweise bin ich eher ein Fahrer, der in den Kurven super schnell fährt, und im Moment versuche ich, ein bisschen aggressiver zu sein. Ich bremse sehr spät und versuche, auf eine andere Art und Weise zu fahren."

"In Deutschland gab es zum Beispiel Kurven, in denen ich hätte schneller fahren können, aber ich habe nur daran gedacht, dass dann das Turning darunter leidet, und mich deshalb mehr auf den Kurvenausgang konzentriert. Das ist für mich nicht ganz natürlich, aber man muss sich anpassen. Wenn man das Motorrad versteht, fährt es schnell und man fährt auf eine einfache Art und Weise schneller."

In Rossis Fußstapfen: "Riesige Verantwortung"

Angesprochen auf seinen Platz im Werksteam und das Erbe, das er damit angetreten ist, zeigt sich Quartararo entspannt: "Für mich wird der Druck zu etwas Normalem. Ich denke, ich hatte mein ganzes Leben lang Druck und jetzt fühle ich, dass es etwas Normales ist. Also, sagen wir mal, ich bin daran gewöhnt", so der 22-Jährige.

"Sicherlich wird ein Moment kommen, in dem es viel mehr ist, etwa wenn man in einem Rennen um die Meisterschaft kämpft. Aber im Moment habe ich das Gefühl, dass der Druck der gleiche und normal ist. Aber natürlich ist die Verantwortung riesig."

Schließlich trat Quartararo bei Yamaha in die Fußstapfen keines Geringeren als MotoGP-Urgestein Valentino Rossi. "Als ich den Platz von Valentino eingenommen habe, haben alle darauf gewartet, dass ich großartige Ergebnisse erziele", weiß der Franzose. "Aber ich bin da. Ich denke, ich mache einen wirklich tollen Job."

"Und ich fühle, dass das Team nicht nur mit mir als Fahrer zufrieden ist, sondern auch mit meiner Crew, mit der Art und Weise, wie wir arbeiten. Die Atmosphäre im Team auf beiden Seiten mit den Mechanikern ist gut. Alle arbeiten wirklich gut zusammen und das hilft sehr", betont der Yamaha-Pilot, der angekommen zu sein scheint.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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