Yamaha-Krise spitzt sich zu: Quartararo erwartet "sehr lange Saison"
Yamaha steckt tief in der Krise und die Fahrer schlagen Alarm - Fabio Quartararo und Alex Rins kämpfen mit Frust, Ratlosigkeit und fehlender Perspektive
Fabio Quartararo kämpft bei Yamaha weiter mit stumpfen Waffen
Foto: Getty Getty
Der Grand Prix von Austin hat einmal mehr schonungslos offengelegt, wie tief Yamaha derzeit in der Krise steckt: Fabio Quartararo und Alex Rins beendeten den Sonntag auf den letzten Plätzen, noch hinter ihren Pramac-Kollegen.
Während die Konkurrenz enteilt, kämpfen die Werkspiloten in der noch jungen MotoGP-Saison nicht nur mit ihren Motorrädern, sondern zunehmend auch mit der Motivation.
Schon am Donnerstag deutete sich an, wie sehr Quartararo die aktuelle Situation zusetzt. Der Weltmeister von 2021 weiß genau, wozu er eigentlich in der Lage ist, doch das aktuelle Paket erlaubt es ihm nicht, sein Potenzial auch auszuschöpfen.
"Es ist hart, weil ich weiß, was ich kann, und leider können wir es nicht zeigen. Nicht den Leuten - mir selbst. Ich bin nicht wirklich zufrieden mit dem, was ich mache", erklärte der Franzose offen. Dennoch versuche er, ruhig zu bleiben und weiter sein Bestes zu geben, so schwer es an Wochenenden wie diesen auch fallen mag.
Bei Yamaha herrscht Ratlosigkeit
Nach den Trainings am Freitag wurde deutlich, dass das Problem tiefer sitzt als nur im reinen Speed. Quartararo beschrieb eine beinahe beunruhigende Konstanz, allerdings im negativen Sinne. Denn Änderungen am Motorrad, egal, ob an der Abstimmung oder an den Reifen, zeigen offenbar kaum Wirkung.
"Es ist egal, welche Reifenkarkasse wir fahren oder auf welcher Strecke wir sind, das Gefühl ist immer gleich", grübelte er. Besonders frustrierend: Selbst größere Set-up-Änderungen hätten keinen spürbaren Effekt. "Wir verändern das Bike massiv, aber wir sehen keinen Unterschied. Nicht einmal einen schlechteren."
Diese fehlende Rückmeldung mache die Entwicklungsarbeit extrem schwierig. Statt klarer Richtung herrsche Unsicherheit darüber, warum das Motorrad so reagiert, wie es reagiert.
Quartararo: Experimente statt Punkte
Entsprechend ernüchternd fiel Quartararos Fazit nach dem Rennen aus. Wirkliche Erkenntnisse habe das Wochenende nicht gebracht: "Ich glaube nicht, dass man aus so einem Rennen viel mitnehmen kann." Den Rückstand auf die Spitze nutzte der 26-Jährige, um im Rennen zu experimentieren. "Wir waren so weit weg, dass ich ein paar Dinge ausprobieren konnte. Aber es ist klar, dass es nicht funktioniert."
Besonders alarmierend: Der Franzose stellt sich bereits darauf, dass sich daran nicht allzu schnell etwas ändern wird. "Ich erwarte, dass es eine sehr lange Saison wird. Das Team hat im Moment nicht wirklich eine Idee, wie wir all die Probleme lösen können."
Hoffnung auf Jerez oder Ernüchterung?
Dabei warnt Quartararo davor, die Dinge teamintern in irgendeiner Art schönzureden. "Wir müssen aufhören, die Rundenzeiten so sehr zu vergleichen. Ja, wir waren im Qualifying eine halbe Sekunde schneller als letztes Jahr, während die anderen eine Sekunde gewonnen haben", rechnet der Yamaha-Pilot vor.
"Es wird also auch für das Team gut sein, zu sehen, dass die Rundenzeiten auf Strecken wie Jerez und Le Mans viel langsamer sind als letztes Jahr. Ich denke, es wird gut für die Ingenieure sein, das zu sehen", um Probleme klarer erkennen zu können.
Auffällig ist dabei auch Quartararos veränderte Rolle innerhalb des Teams. Der Franzose zieht sich nämlich bewusst etwas aus der Entwicklungsarbeit zurück. "Ich habe ihnen bereits gesagt, was wir brauchen. Ich werde es nicht jedes Mal wiederholen", stellt er klar. Die Verantwortung liege nun bei den Ingenieuren.
Wann Verbesserungen kommen, ist ungewiss. "Ich habe keine wirklichen Neuigkeiten, aber es muss definitiv etwas Großes passieren", sagt er mit Blick auf die nächste Rennen.
Rins: "Ich genieße das Bike nicht mehr"

Alex Rins ringt nicht nur um Ergebnisse, sondern auch seine Zukunft
Foto: Getty Images South America
Auch Teamkollege Rins erlebte in Austin ein Wochenende zum Vergessen. Der Spanier, der auf dem Circuit of the Americas in der Vergangenheit bereits mehrfach erfolgreich war - er feierte hier zwei Siege -, fand sich diesmal am Ende des Feldes wieder.
"Es war ein hartes Wochenende. Wir haben hier schon ein paar Mal gewonnen, aber jetzt ist es extrem schwierig, das Bike zu kontrollieren - Grip, Einlenken, alles", erklärte er nach dem Sprint. Schon im Quali hatte es nur für den letzten Startplatz gereicht: "Ich habe 100 Prozent gegeben, und trotzdem bin ich Letzter."
Im Sprint selbst habe es zwar leichte Fortschritte beim Einlenkverhalten gegeben, doch die Probleme seien geblieben. Rins hing hinter der Konkurrenz fest, ehe er schließlich stürzte: "Ich war hinter Jack [Miller], bis ich übers Vorderrad gerutscht bin."
Noch deutlicher wurde er nach dem Grand Prix. "Es ist schon lange her, dass ich das Bike genieße", machte der Yamaha-Pilot aus seiner anhaltenden Frustration keinen Hehl. Dazu kommt die Unsicherheit über seine Zukunft: "Ich weiß nicht, ob ich nächstes Jahr noch hier bin. Solche Ergebnisse helfen natürlich nicht."
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