Yamaha kritisiert mangelnde Objektivität von Fabio Quartararo
Yamaha reagiert deutlich auf Fabio Quartararos jüngste Aussagen und fordert vom Franzosen trotz des bevorstehenden Abschieds weiterhin vollen Einsatz
Yamaha lässt die Aussagen von Fabio Quartararo nicht unkommentiert stehen
Foto: Getty Getty
Yamaha hat auf die jüngsten Aussagen von Fabio Quartararo deutlich reagiert. Nachdem der Franzose seine Motivation infrage gestellt und angekündigt hatte, Yamaha bei der Entwicklung des Motorrads für die Saison 2027 nicht mehr unterstützen zu wollen, findet die Führung des Herstellers nun klare Worte.
Massimo Meregalli, Direktor des Yamaha-Werksteams, macht insbesondere deutlich, dass Quartararo trotz seines bevorstehenden Abschieds vom Team professionell bis zum Ende der gemeinsamen Zusammenarbeit arbeiten müsse. Als Beispiel führt er Pramac-Pilot Jack Miller an, der Yamaha ebenfalls verlassen wird.
"Fabio sollte sich ein Beispiel an Jack nehmen. Er gibt immer alles und sorgt dafür, dass selbst in schwierigen Zeiten die Stimmung im Team gut bleibt", sagt er gegenüber L'Equipe.
Für Yamaha ist die Botschaft damit eindeutig: Die Tatsache, dass Quartararo den Hersteller nach der laufenden MotoGP-Saison verlassen wird, soll aus Sicht des Teams kein Grund sein, bei der Mitarbeit oder beim Einsatz nachzulassen.
Yamaha weist Vorwurf der Benachteiligung zurück
Auslöser der Auseinandersetzung ist unter anderem ein geplanter Test in Österreich. Dort sollen wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung der zukünftigen Pirelli-Reifen gesammelt werden. Quartararo wird daran jedoch nicht teilnehmen.
Meregalli stellt klar, dass Yamaha den Franzosen damit nicht bewusst schlechter behandelt als andere Fahrer, die ihren jeweiligen Hersteller am Saisonende verlassen werden.
"Wir werden Razgatlioglu und höchstwahrscheinlich Guevara beim Test in Österreich einsetzen, weil sie im kommenden Jahr bei uns sein werden", erklärt der Yamaha-Teamdirektor. Toprak Razgatlioglu und Izan Guevara, der in die MotoGP aufsteigen wird, bilden 2027 das Fahrergespann im Pramac-Team.
Yamaha folgt seiner Darstellung zufolge damit einer branchenweiten Vorgehensweise und nicht einer speziellen Entscheidung gegen Quartararo: "Alle Hersteller [die sich von ihren Fahrern trennen] haben diese Entscheidung getroffen. Martin und Ogura werden die Aprilia nicht testen, Bagnaia wird die Ducati nicht testen, Acosta wird die KTM nicht testen, und auch Miller wird unsere 800er nicht testen dürfen."
Für Yamaha ist damit erklärt, warum Quartararo bei diesem Test außen vor bleibt: Der Hersteller möchte die Entwicklungsarbeit für die Zukunft mit den Fahrern vorantreiben, die auch tatsächlich Teil des jeweiligen Projekts sein werden.
Paolo Pavesio kritisiert Quartararos Objektivität
Nicht nur Meregalli, auch Paolo Pavesio, Leiter des MotoGP-Programms von Yamaha, reagiert kritisch auf die Aussagen des Franzosen. Besonders stört ihn Quartararos Darstellung, Yamaha entwickle das Motorrad nicht ausreichend weiter.
"Fabio beschwert sich regelmäßig darüber, dass wir das Motorrad nicht weiterentwickeln, und wenn wir ihn bitten, neue Teile zu testen, kritisiert er uns dafür und sagt, dass er dadurch die Orientierung verliert", erklärt Pavesio seine Sicht gegenüber L'Equipe. Der Yamaha-Manager wirft seinem Fahrer dabei mangelnde Objektivität vor.
"Ihm fehlt ein wenig die Objektivität. Natürlich sind wir nicht auf dem Niveau, auf dem wir gerne wären. Aber wie unsere Konkurrenten versuchen auch wir, voranzukommen." Yamaha erkennt damit durchaus an, dass die M1 noch nicht dort steht, wo sie stehen soll. Gleichzeitig weist der Hersteller aber den Eindruck zurück, die Entwicklungsarbeit würde nicht mit ausreichendem Einsatz vorangetrieben.
Quartararo: "Habe keine Lust mehr zu helfen"
Den aktuellen Streit hatte Quartararo selbst mit ungewöhnlich deutlichen Aussagen ins Rollen gebracht. Bereits zu Beginn des Aragon-Wochenendes beklagte der Franzose, dass er sich bei Yamaha zunehmend wie ein Testfahrer fühle. Neue Komponenten würden seiner Ansicht nach nicht den erhofften Fortschritt bringen.
Besonders deutlich wurde Quartararo beim Thema des anstehenden Tests in Österreich. "Ich weiß nicht, ob ich das sagen darf, aber ich werde es trotzdem tun: Ich wollte an den Tests in Österreich teilnehmen. Aber leider möchte Yamaha nicht, dass ich mit den Pirelli-Reifen fahre", erklärte der Yamaha-Pilot.
Gleichzeitig machte er keinen Hehl daraus, dass seine Motivation, an der Entwicklung der nächsten Yamaha-Generation mitzuwirken, begrenzt sei. "Ich habe keine Lust, das Motorrad für die Fahrer von 2027 zu entwickeln", so der Weltmeister von 2021.
Damit wurde öffentlich, was sich bereits länger angedeutet hatte: Quartararo und Yamaha verfolgen bei der weiteren Entwicklung nicht mehr vollständig dieselben Interessen.
Letzter Platz in Aragon verschärft die Situation
Die Aussagen fielen zudem an einem für Quartararo enttäuschenden Wochenende. Der Franzose fiel im Sprint von Aragon durch einen Motorschaden unverschuldet aus und beendete das Sonntagsrennen als Letzter noch hinter zwei Ersatzfahrern.
Anschließend erklärte er: "Ich wusste, dass dieses Wochenende schwierig werden würde. Ich konnte nichts Positives daraus mitnehmen. Deshalb werde ich versuchen zu verstehen, was schiefgelaufen ist, aber ich werde aufhören, an einem einzigen Wochenende 100 verschiedene Dinge auszuprobieren."
Damit unterstrich Quartararo einmal mehr, dass er nicht weiter als Testpilot fungieren und sich stärker arauf konzentrieren wolle, die Ursachen der aktuellen Probleme zu verstehen.
V4-Einführung: Streit reicht weiter zurück
Hinter der Auseinandersetzung zwischen dem Franzosen und seinem Arbeitgeber steckt ein grundsätzlicher Konflikt über die technische Zukunft von Yamaha. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Entscheidung des Herstellers, vom bisherigen Reihenvierzylinder auf einen V4-Motor ab der Saison 2026 umzusteigen.
Quartararo hatte sich nach eigener Aussage klar für eine Fortsetzung des über Jahre bewährten Konzepts ausgesprochen. Yamaha entschied sich dennoch für den V4.
"Die Beziehung war schon vorher etwas komplizierter geworden, insbesondere wegen der Diskussionen darüber, welches Motorrad wir 2026 einsetzen sollten", erklärt Quartararo laut L'Equipe. "Für mich war die Entscheidung klar: Wir mussten beim Reihenvierzylinder bleiben. Yamaha entschied sich letztlich dafür, mit dem V4-Projekt weiterzumachen. Das war schwer zu akzeptieren", räumt der Franzose ein.
Der Streit über das Motorenkonzept zeigt, dass die Spannungen nicht erst durch die jüngsten Ereignisse entstanden sind. Die Vorstellungen von Quartararo und Yamaha über die technische Entwicklung des Projekts gingen bereits zuvor auseinander.
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