Zarco im Verteidigungsmodus: Platz sieben zeigt das Limit von Honda
Platz zwei im Qualifying, Platz sieben im Rennen - Johann Zarcos Wochenende in Jerez war ein Spiegel der aktuellen Honda-Situation: Über die Renndistanz noch weit weg
Johann Zarco fuhr in Jerez im Verteidigungsmodus
Foto: AFP
Johann Zarco sorgte im nassen Qualifying für den Grand Prix von Spanien in Jerez für die große Überraschung. Nach der Bestzeit in Q1 sicherte sich der Fahrer vom LCR-Honda-Team als Zweiter einen Startplatz in der ersten Reihe.
Im Sprint konnte er daraus kein Kapital schlagen. Bei einsetzendem Regen war auch er einmal neben der Strecke und kam als Achter ins Ziel. Im trockenen Grand Prix agierte Zarco im Verteidigungsmodus.
Bis kurz vor Rennende verteidigte der Routinier den fünften Platz. In der Schlussphase überholten ihn jedoch beide Trackhouse-Aprilia-Fahrer, sodass er als Siebter ins Ziel kam.
"Also, alles, was ich tun konnte, war Platz sieben", sagt Zarco über sein Rennen. "Das ist nicht gerade fantastisch. Ich meine, es war ein super Rennen, und ich war sehr zufrieden mit der Pace, sogar besser als ich erwartet hatte."
"Die Strategie war: Die Topfahrer werden mich überholen, aber danach muss ich nicht kämpfen. Ich wollte ihren Speed nutzen, um die bestmögliche Pace zu fahren und einen Vorsprung auf die Fahrer dahinter herauszuarbeiten."
"Das ist mir auch gelungen, und das war sehr gut." Aber die beiden Aprilia-Fahrer hatten in der Schlussphase mehr Grip und konnten die strauchelnde Honda mit der Startnummer 5 vergleichsweise einfach überholen.
"Fünf Runden vor dem Ende hatte ich einen enormen Einbruch am Hinterreifen. Ich verlor buchstäblich vier Zehntel pro Runde. Ich konnte also nicht einmal mehr mit Martin mithalten, und Raul sowie Ogura bekamen einen zweiten Atem."
"Unglaublich. Sie waren so schnell. Als sie mich überholten, dachte ich mir: Okay, ruhig bleiben, einfach dahinter bleiben, das Tempo halten und das Rennen zu Ende fahren."
Zarco konnte sich aufgrund seines guten Startplatzes so lange an der fünften Stelle halten. Das verdeutlichte einmal mehr, wie wichtig das Qualifying in der MotoGP geworden ist.
Qualifying für Honda entscheidend
Andererseits ist das Qualifying auch eine Schwachstelle der Honda RC213V, da die Fahrer im Trockenen mit einem weichen Reifen bei der Zeitattacke nicht so viel Potenzial herausholen können wie die Fahrer der anderen Marken.
"Er hat gezeigt", sagt Luca Marini. "Wenn man von Platz zwei startet, ist es einfach, in den Top 6 oder 7 zu finishen. Das bedeutet, dass wir das Potenzial haben, dort oben in den Top 7 oder 6 anzukommen, mehr im Moment nicht."
"Aber wir müssen uns auf das Qualifying konzentrieren, um solche Ergebnisse zu erreichen. Wenn wir konstant auf dieser Position sind, dann kommt sicher auch etwas Größeres. Aber wir müssen weiter am Motorrad arbeiten."

Luca Marini fuhr mit beschädigter Aerodynamik
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"Das Problem ist, wie immer, die Temperatur und der Druck des Vorderreifens. Man fährt hinter einem anderen Fahrer, und nach zwei Runden ist es unmöglich, diesen engen Abstand zu halten."
"Man muss ein bisschen langsamer werden, den Abstand vergrößern, um etwas frische Luft zu bekommen, und dann versuchen zu pushen und mit einem gewissen Rhythmus zu überholen."
Warum Zarco den Hinterreifen verheizen musste
Da Zarco nicht wie Marini in der Mittelfeldgruppe steckte, konnte er sich seine Pace besser einteilen. Trotzdem war der Hinterreifen zu früh verbraucht. Auch das zeigte einen Problembereich der Honda.
"Ich denke, wir haben den Hinterreifen mehr verbrannt als die Aprilia", sagt Zarco, "und sogar mehr als die Ducatis. Denn unser Kurvenspeed in den schnellen Kurven ist langsamer, und deshalb nutzen wir viel die Traktion, um weniger zu verlieren."
"An diesem Wochenende hatte ich das Gefühl, auf der Bremse stark zu sein. Normalerweise verlieren wir in diesem Bereich mehr. Hier war ich konkurrenzfähig, und das war gut."

Als nächstes steht mit Le Mans das Heimrennen von Zarco im Kalender
Foto: NurPhoto
"Aber was den Hinterreifen angeht: Ich denke, die schnellen Kurven beanspruchen ihn stärker. Weniger Turning in den schnellen Kurven bedeutet, den Hinterreifen mehr belasten zu müssen."
Joan Mir mit zwei Long-Lap-Strafen
Marini beschädigte sich im Pulverdampf des Mittelfeldes die Aerodynamik und hatte stark mit Wheelies zu kämpfen. Der Italiener kam schließlich als 13. ins Ziel. Joan Mir hatte seine Chancen auf ein Top-10-Ergebnis bereits im Training zunichtegemacht.
Nach einem Sturz im Training am Samstagvormittag fuhr Mir das beschädigte Motorrad zurück an die Box. Auf den elektronischen Signaltafeln wurde ihm die schwarze Flagge mit orangem Punkt gezeigt.
Er hätte die Strecke sofort verlassen müssen, weil er Teile verlor. Da er aber an die Box fuhr, erhielt Mir für den Grand Prix zwei Long-Lap-Strafen. Er war mit der Entscheidung nicht einverstanden.
Erstens hatten ihm die Sportwarte gesagt, dass er nach dem Sturz weiterfahren könne. Zweitens erkannte er das Signal auf den LED-Anzeigen nicht richtig, und drittens erhielt er von der Rennleitung keine Nachricht auf dem Dashboard.

Joan Mir war mit den Long-Lap-Strafen nicht einverstanden
Foto: Getty Images Europe
Mir kam schließlich als 15. ins Ziel: "Ich habe einfach das Rennen durchgezogen. Ich dachte, dass ich zum ersten Mal in dieser Saison die karierte Flagge sehen wollte. Der Grip auf der Strecke war sehr, sehr schwierig."
"Ich hatte nicht das Paket, um irgendeinen Unterschied zu machen. Deshalb war es das Klügste, zu Ende zu fahren. Man kann sein Leben nicht riskieren, um 15. zu werden."
Dass Zarco für die positiven Schlagzeilen für Honda gesorgt hat, ärgert Mir nicht: "Ich bin nicht frustriert deswegen. Ich finde: Wenn jemand am Samstag aufgrund der Bedingungen von Platz zwei startet, hat er gute Arbeit geleistet."
"Aber dann bringt das Rennen ihn in seine natürliche Position. Wenn das Rennen fünf Runden länger wäre, würde er als Zehnter finishen. Und wenn es zehn Runden länger wäre, als Fünfzehnter."
"Es geht also nicht darum, was andere erreichen können. Ich kenne mein Potenzial, ich weiß alles, aber die Realität ist, dass wir das Potenzial des aktuellen Pakets akzeptieren und reagieren müssen."
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