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Zarco zurück auf zwei Rädern: So steht es um sein MotoGP-Comeback

Johann Zarco sitzt nach seinem schweren Unfall in Barcelona erstmals wieder auf einem Motorrad - Der LCR-Pilot arbeitet mit Bedacht an seinem Comeback

Zarco wieder auf dem Motorrad: Comeback im September rückt näher

Johann Zarco ist wieder ins Training eingestiegen - Comback in Misano das Ziel

Foto: Getty Getty

Johann Zarco hat den nächsten wichtigen Schritt auf dem Weg zurück in die MotoGP gemacht. Knapp drei Monate nach seinem schweren Unfall beim Grand Prix von Katalonien saß der Franzose wieder auf einem Motorrad.

Sein Comeback ist damit greifbarer denn je, auch wenn die Rückkehr auf die Rennstrecke weiterhin von der Belastbarkeit seines verletzten linken Knies abhängt.

Zarco hatte sich am 17. Mai in Barcelona schwer verletzt. Nach einem ersten Rennabbruch ging der LCR-Honda-Pilot erneut an den Start, geriet in der ersten Kurve jedoch in einen Unfall mit Francesco Bagnaia und Luca Marini.

Dabei verfing sich sein linkes Bein in der Ducati von Bagnaia, während Zarco durch das Kiesbett geschleudert wurde. Zunächst war sogar eine Operation an den verletzten Kniebändern vorgesehen. Die Ärzte mussten den Eingriff allerdings wegen der starken Schwellung und einer Verbrennung im betroffenen Bereich verschieben.

Inzwischen hat sich die Situation deutlich verbessert. Bei einer Untersuchung Anfang Juli stellte sich heraus, dass einige Verletzungen weniger gravierend waren als angenommen.

Das Innenband des Knies heilte gut, auch beim zunächst als gerissen eingestuften hinteren Kreuzband zeigten sich positive Entwicklungen. Das vordere Kreuzband ist dagegen weiterhin gerissen. Aufgrund des guten Heilungsverlaufs entschieden sich Zarco und sein Ärzteteam gegen eine OP und für eine intensive Reha.

Zarco zum ersten Mal wieder auf einem Bike

Zarco hat seine Genesung zuletzt konsequent vorangetrieben. Neben Krafttraining und ausgedehnten Einheiten auf dem Fahrrad stand für den Franzosen nun erstmals seit dem Barcelona-Unfall wieder ein Motorrad auf dem Trainingsplan.

Auf dem Circuit Andorra - Pas de la Casa fuhr er eine Supermoto-Maschine. Die Sitzposition erlaubte ihm dabei, das verletzte Knie zunächst möglichst kontrolliert zu belasten.

"Vergangenen Woche bin ich wieder aufs Motorrad gestiegen", berichtet Zarco selbst auf Instagram. Er habe sich für ein Supermoto-Bike entschieden, "um eine komfortablere Position zu haben und Schritt für Schritt mein Knie beim Fahren zu testen".

Die ersten Runden waren für den 36-Jährigen nicht nur ein weiterer Trainingsschritt, sondern offenbar auch emotional wichtig. "Es war so angenehm, ein paar Runden zu drehen und meinen Körper ganz gezielt auf das Fahren vorzubereiten." Gleichzeitig betont er, dass es weiterhin um kontrollierte Belastung gehe.

"Das Knie muss trainiert und Schritt für Schritt stimuliert werden", erklärt Zarco. Schmerzen und eine erneute Schwellung des Knies seien während der Rehabilitation möglich und bis zu einem gewissen Grad normal. Entscheidend sei, die Schwellung genau zu kontrollieren, um den Heilungsprozess nicht zu beeinträchtigen.

Dass das erste Testtraining auf einem Motorrad überhaupt stattfinden konnte, ist deshalb ein wichtiges Signal. Von einer vollständigen Rennfitness ist Zarco aber noch entfernt.

Zarco: "Ich gehe diese Phase mit Geduld an"

Im Gespräch mit der französischen Zeitung L'Equipe schildert Zarco, dass die Einschränkungen im Alltag bereits deutlich geringer geworden seien: "Ab und zu hinke ich noch. Ansonsten geht es mir gut." Auf dem Bike ist die Situation anspruchsvoller.

Die Belastungen einer MotoGP-Maschine lassen sich nicht mit einer lockeren Trainingsrunde auf einer Supermoto vergleichen. Zarco räumt ein, dass er noch nicht die nötige Intensität fahren könne. "Ich bin auf dem Motorrad noch nicht ganz auf dem Niveau, auf dem ich sein muss, und die Erschütterungen tun noch weh."

Das eigentliche Problem zeigt sich insbesondere bei unvorhergesehenen Belastungen. Zwar könne er das Knie in den Kurven bereits auf den Boden bringen, doch ein kleiner Schlag, eine Bodenwelle oder eine Korrektur nach einem Rutscher könne noch Schmerzen auslösen. "Mein Knie neigt immer noch dazu, anzuschwellen."

Entsprechend vorsichtig formuliert er sein Ziel. "Ich kann also sagen, dass ich glücklich bin. Ich gehe diese Phase mit Geduld an. Das ist das große Wort bei dieser Herausforderung." Der Plan bleibe dennoch klar: "Das Ziel ist weiterhin September, und ich arbeite hart daran, in bestmöglicher Verfassung dorthin zu kommen."

Aragon ist eine Option, Misano realistischer

Zarco würde nach Möglichkeit bereits beim Grand Prix von Aragon vom 28. bis 30. August zurückkehren. Die medizinische Einschätzung spricht allerdings eher für einen etwas späteren Einstieg. Als realistischer gilt derzeit der Grand Prix von San Marino in Misano, der vom 11. bis 13. September stattfindet.

Zarco selbst bezeichnet diesen Zeitplan gegenüber L'Equipe als "optimistisch, aber machbar". Damit liegt das Comeback rund vier Monate nach dem Unfall in Barcelona.

Bis dahin darf der Franzose das Knie nicht beliebig belasten. Eine Operation könnte langfristig weiterhin notwendig werden. In der Zwischenzeit konzentriert sich Zarco auf Training, das die verletzten Strukturen möglichst wenig belastet.

"Bis ich operiert werde, wird mein Training sehr gezielt bleiben", erklärt er. Sportarten mit hoher Belastung des Knies seien zunächst tabu. Für den Fitnessaufbau blieben ihm aber zahlreiche Alternativen, insbesondere Radfahren und Krafttraining.

Testregel könnte Zarcos Rückkehr erleichtern

Für Zarcos Comeback gibt es zudem eine besondere Möglichkeit: Seit 2025 erlaubt das MotoGP-Reglement verletzten Stammfahrern einen zusätzlichen Test mit ihrem MotoGP-Bike, sofern sie mindestens drei aufeinanderfolgende Veranstaltungen verpasst haben oder mindestens 45 Tage lang nicht teilnehmen konnten.

Zarco erfüllt diese Bedingungen problemlos. LCR hat deshalb bei Honda angefragt, ob der Franzose vor seinem Renncomeback einen solchen Test absolvieren kann.

Das wäre ein wichtiger Zwischenschritt: Nach fast vier Monaten ohne MotoGP-Maschine könnte Zarco wieder Gefühl für die Belastung, die Sitzposition und die Reaktionen der Honda entwickeln, ohne direkt ein Rennwochenende bestreiten zu müssen.

Das Reglement setzt dem Test allerdings Grenzen. Er darf nicht auf einer Strecke stattfinden, auf der innerhalb der folgenden acht Wochen ein Grand Prix ausgetragen wird. Zudem gelten die jeweiligen Testmöglichkeiten des Herstellers. Für Honda sind diese aufgrund der Konzessionen jedoch besonders weitreichend.

Zwei Long Laps warten beim Comeback

Bei seiner Rückkehr wird Zarco allerdings nicht nur durch seine eigene Fitness herausgefordert werden. Nach dem Unfall in Barcelona erhielt er nachträglich eine doppelte Long-Lap-Penalty. Die Strafe muss er bei seinem Comeback absolvieren.

Der sportliche Fokus liegt für Zarco derzeit allerdings auf einer ganz anderen Frage: Hält sein Knie die Belastung eines MotoGP-Rennens aus? Der erste Test auf der Supermoto ist ein positives Zeichen, beantwortet diese Frage aber noch nicht.

Zarco selbst will deshalb nichts erzwingen. "Ich konzentriere mich darauf, das Richtige zu tun und die Intensität meines Fahrens zu kontrollieren", schreibt er. Der Körper müsse nun wieder an die spezifischen Belastungen des Motorradfahrens gewöhnt werden, ohne den Heilungsprozess durch übermäßige Belastung zu gefährden.

Der Grand Prix von San Marino ist dabei derzeit das große Comebackziel. "Ich arbeite hart daran, dorthin in der bestmöglichen Form zu kommen", verspricht Zarco.

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