Zusammenarbeit schon vorbei? Zwischen Lorenzo und Vinales ist es abgekühlt
Zwei Rennwochenenden, null Punkte, ein abwesender Coach - Bei Maverick Vinales läuft in diesem Jahr bisher nichts so, wie er es sich vorgestellt hatte
Jorge Lorenzo und Maverick Vinales beim Wintertest in Sepang im Februar
Foto: Hazrin Hazrin
Nach dem Saisonfinale 2025 kündigten Maverick Vinales und Jorge Lorenzo eine Zusammenarbeit an. Der dreimalige MotoGP-Weltmeister sollte als Coach seine Erfahrung einbringen und Vinales dabei helfen, seine Schwächen auszumerzen und mit Tech3-KTM erfolgreich zu werden.
Über den Winter arbeiteten die beiden Spanier intensiv und teilten Impressionen der Trainings auf Instagram. Lorenzo zeigte sich von Vinales' Talent überzeugt und erklärte, dass er "mehr Talent und Speed" als KTM-Kollege Pedro Acosta habe.
"Mein Ziel ist es, dass Maverick in diesem Jahr der führende KTM-Fahrer wird", machte Lorenzo seine Ansprüche klar. Die ersten beiden Rennwochenenden zeigten eine andere Realität. In Thailand wurde Vinales im Sprint 19., während Acosta den Sieg holte.
Als 16. im Grand Prix sammelte Vinales keinen WM-Punkt. Auch in Brasilien zeigte sich ein ähnliches Bild. Im Sprint schied er durch Sturz aus. Im Grand Prix kam Vinales als 18. und Letzter ins Ziel. Somit hat er nach zwei Wochenenden noch keinen WM-Punkt gesammelt.
Nun meldet Radio Fahrerlager, dass die Beziehung zwischen Lorenzo und Vinales deutlich abgekühlt sein soll. Einerseits, weil der Mallorquiner nicht nach Brasilien gereist ist, andererseits, weil man Vinales anmerkt, dass die Begeisterung für die Zusammenarbeit nicht mehr vorhanden ist.
Am Donnerstag wurde der Tech3-Fahrer danach gefragt, als klar wurde, dass Lorenzo im Gegensatz zu Thailand nicht vor Ort war. "Er ist nicht gekommen, alles geht weiter, aber die Arbeit mit Jorge fand während des gesamten Winters als Vorbereitung statt", so Vinales.
"Jetzt, während der Saison, geht es mehr darum, bei den Grands Prix und in der Box mit dem Team zusammenzuarbeiten." Nachdem er am Sonntag als Letzter ins Ziel gekommen war, wurde Vinales erneut nach Lorenzo befragt und ob es ihn störe, dass so viel darüber gesprochen werde.
"Ehrlich gesagt ist es mir egal, was die Leute sagen. Ich habe ganz andere, deutlich ernstere Probleme, die ich lösen muss", sagte er und deutete dabei auf seine Position auf dem Ergebnisblatt des Rennens, das vor ihm auf dem Tisch lag.

Im Brasilien-Sprint schied Vinales durch Sturz aus
Foto: AFP
Was Lorenzos Abwesenheit in Brasilien betrifft, wies Vinales darauf hin, dass "das Team nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen für solche Reisen hat, die obendrein teuer sind". Damit deutete er an, dass Tech3 selbstverständlich nicht für Lorenzos Reisekosten aufkommt.
Allem Anschein nach wird er auch nächstes Wochenende in Austin (USA) nicht dabei sein, wo das dritte Rennen der Saison ausgetragen wird. Lorenzo ist auch in diesem Jahr für DAZN Spanien als Experte tätig. Sein erster Auftritt wird jedoch erst beim Spanien-GP Ende April erwartet.
Lorenzo hatte zumindest bis zum Saisonauftakt Vertrauen in Vinales. Seine Überzeugung war so groß, dass er mit Albert Valera, seinem ehemaligen Manager und heutigen Manager von Acosta, bei jedem Grand Prix ein "teures" Abendessen wettete, wenn Vinales vor Acosta ins Ziel käme.
Was Vinales zu seinen schlechten Ergebnissen sagt
Das Abendessen für Thailand wurde noch nicht bezahlt. Vinales blieb an den ersten beiden Rennwochenenden klar hinter den Erwartungen. "Ich glaube nicht, dass es das Set-up ist. Es ist etwas Grundlegenderes. Wir müssen herausfinden, was es ist", sagte er in Brasilien.
"Es ist schwer zu sagen, denn vergangenes Jahr habe ich eine Richtung gewählt, die ziemlich gut funktioniert hat. Also sind die meisten [KTM-]Fahrer diesen Weg gegangen. Aber in diesem Jahr bin ich mir nicht sicher, ob selbst die richtige Richtung überhaupt funktioniert."
"Ich weiß es also nicht, denn es ist schwierig. Ich sehe, dass wir besonders im Qualifying kämpfen. Wenn der Grip zunimmt, haben wir große Probleme. Wir müssen wirklich verstehen, wie wir dem Motorrad mehr Grip geben können, denn sonst drehen wir uns immer im Kreis."

Speziell mit dem weichen Reifen lässt sich seine KTM nur sehr schwer fahren
Foto: Getty Images South America
Vinales ist bei den Wintertests wieder seinen eigenen Weg gegangen und hat viele Teile verglichen. Am Ende fehlte ihm die Zeit, um an der Abstimmung zu arbeiten. Trotzdem war er nach dem Sepang-Test mit seinem Paket zufrieden, das dann in Buriram und Goiania nicht funktioniert hat.
"Also, das Klügste ist natürlich, so zu fahren wie die anderen, um mehr Daten zu haben und vor allem um uns zu verbessern. Aber was wir jetzt tun müssen, ist, uns auf uns selbst zu konzentrieren und zu versuchen, wieder in einen guten Rhythmus zu kommen."
"Ich finde, dieses Wochenende war in mancher Hinsicht durchaus positiv, also bin ich ganz zufrieden", so Vinales. "Aber es gibt immer noch sehr viel zu tun - nicht nur am Motorrad, sondern auch an mir selbst. Es ist eine Kombination aus beidem."
War Goiania ein positives Wochenende, weil er technisch etwas verstanden hat? "Nein, ich finde es trotzdem ein positives Wochenende. Okay, das Rennen lief so, aber wir verstehen, warum - besonders mit dem weicheren Hinterreifen."

In Brasilien kam der Spanier als Letzter ins Ziel
Foto: Getty Images South America
"Der Hinterreifen übt Druck auf den Vorderreifen aus und erschwert dadurch das Turning des Motorrads enorm. Selbst wenn ich versuche, spät zu bremsen, komme ich ein bisschen zu weit raus. Ich glaube, es ist eine Kombination daraus, wie stark der Hinterreifen den Vorderreifen schiebt."
"Bei diesem Motorrad macht sich das in diesem Jahr zumindest mit den Teilen, die ich habe, etwas bemerkbar. Jedes Mal, wenn wir einen Qualifying-Versuch fahren oder wie im Rennen - ich ziehe einen weichen Reifen auf und kämpfe mit dem Motorrad auf jedem Meter der Strecke."
Zukunft im KTM-Werksteam wieder unsicher
Aber warum war er in Sepang von seinem Paket überzeugt, wenn es auf den anderen beiden Strecken nicht funktioniert hat? "Ich weiß es nicht", antwortet Vinales auf diese Frage. "Das Hauptproblem für mich ist, dass der Hinterreifen den Vorderreifen schiebt."
"Dadurch kann ich keine Kurvengeschwindigkeit aufbauen. Dann gebe ich zu früh Gas, und alles ist eine Folge davon. Auch der schlechte Startplatz macht die Sache nicht besser. Wir müssen mit voller Motivation nach Austin fahren und versuchen, [aus dem Tief] herauszukommen."
Die enttäuschenden Rennwochenenden haben auch anderweitig Auswirkungen. KTM hatte Vinales angeboten, seinen Vertrag für 2027 zu verlängern und in das Werksteam aufzusteigen, wo er gemeinsam mit Alex Marquez fahren würde.
Eine Idee, die zwischen Thailand und Brasilien auf Eis gelegt wurde. KTM bittet nun um Zeit für eine Entscheidung, was Vinales hinsichtlich seines Vertrags für die kommenden beiden Jahre in eine schwierige Situation bringen könnte.
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