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Milliarden-Übernahme, Millionen Fans, aber kein Kurs Richtung Formel 1: MotoGP-Sportdirektor Carlos Ezpeleta erklärt, warum der Sport bewusst anders bleiben will

Zwischen Wachstum und Identität: MotoGP will keine F1-Kopie werden

Die MotoGP befindet sich seit Mitte 2025 offiziell in den Händen von Liberty Media

Foto: AFP

Die Übernahme der MotoGP durch Liberty Media für kolportierte 4,2 Milliarden Euro hat die Motorsportwelt aufhorchen lassen. Angesichts von rund 632 Millionen Fans weltweit, 3,6 Millionen Zuschauern an den Rennstrecken allein in der vergangenen Saison und einem jährlichen Wachstum der Reichweite von neun Prozent kommt dieser Preis jedoch nicht von ungefähr.

Für Carlos Ezpeleta, Sportdirektor der MotoGP, ist die zentrale Herausforderung nun eine andere: Wachstum generieren, ohne die DNA des Sports zu verwässern. "Das ist genau die Aufgabe", erklärt er im Gespräch mit Business of Sport.

"Viele tun so, als müsse man sich zwischen Sport und Entertainment entscheiden, aber wir glauben nicht, dass sich das ausschließt." Vielmehr gehe es darum, auf einem stabilen Fundament aufzubauen, und dieses umfasse über 75 Jahre Geschichte, eine riesige globale Fanbasis und einen ikonischen Markennamen.

Wo wirtschaftliches Potenzial liegt

Insbesondere in Märkten wie Großbritannien und den USA sieht die MotoGP noch erhebliches Wachstumspotenzial. Während der Sport historisch im Vereinigten Königreich verwurzelt ist, habe das Interesse zuletzt mangels lokaler Stars nachgelassen. "Wir müssen dieses Interesse wieder entfachen", sagt Ezpeleta.

Carlos Ezpeleta

Carlos Ezpeleta hat eine Schlüsselrolle dabei, die MotoGP global weiterzuentwickeln

Foto: Getty Images South America

Aus wirtschaftlicher Sicht denkt die Führungsebene klar in Kennzahlen: Fanbasis, Konsumverhalten und Markenattraktivität bestimmen den Wert des Sports. "All das multipliziert würde unser geschäftliches Potenzial in diesem Moment widerspiegeln", so Ezpeleta. Aktuell gebe es "Low Hanging Fruits", also leicht zu erschließende Einnahmequellen, etwa bei Vermarktung und Monetarisierung.

Klare Abgrenzung zur Formel 1

Vergleiche mit der Formel 1 sind dabei unvermeidlich, und doch will man sich bewusst differenzieren. "MotoGP ist nicht Formel 1 auf zwei Rädern", stellt Ezpeleta klar. "Es ist ein eigenständiger Sport mit eigenen Werten und Eigenschaften."

Die Sorge, die MotoGP könne im Zuge der Übernahme "formel-1-isiert" werden, weist er deutlich zurück. Stattdessen liege der Schlüssel zum Erfolg darin, die Unterschiede zu betonen. Auch Liberty Media selbst habe von Beginn an betont, dass der Sport "nicht kaputt" sei und keiner grundlegenden Reparatur bedürfe.

Sportlich auf hohem Niveau

Tatsächlich befindet sich die MotoGP sportlich momentan in einer starken Phase. Die Leistungsdichte ist hoch: In der vergangenen Saison standen zehn von elf Teams mindestens einmal auf dem Podium. Gleichzeitig sieht Ezpeleta jedoch eine notwendige Entwicklung bei der technischen Ausrichtung der Königsklasse.

"Der Sport ist gefährlich", betont er. "Wir wollen nicht, dass die Motorräder immer schneller werden." Die physische Belastung für die Fahrer sei bereits extrem. Rennen dauern nicht ohne Grund maximal 45 Minuten. "Der menschliche Körper hält nicht mehr aus. Diese Athleten trainieren wie Profiradfahrer."

Daher müsse man die technische Entwicklung künftig stärker regulieren, um Tempo und Sicherheit in Balance zu halten - etwa durch die neue Regelära ab 2027.

Fokus auf Marke und Vermarktung

Während der sportliche Wettbewerb aktuell nicht im Zentrum der Wachstumsstrategie steht, sieht Ezpeleta großes Potenzial in der kommerziellen Entwicklung. MotoGP sei "noch keine große Lifestyle-Marke" und bislang nicht optimal monetarisiert.

Insbesondere in den Bereichen Hospitality und Sponsoring gebe es Nachholbedarf. "Das kommt aber nur über den Aufbau einer Premium-Marke", erklärt der MotoGP-Sportdirektor. Sponsoring-Deals auf höchstem Niveau entstünden nicht über Nacht, sondern durch langfristige Markenentwicklung.

Die ersten Effekte der Übernahme durch Liberty Media seien jedoch bereits spürbar: "Wir sehen einen enormen Zustrom an Investoren, die Teams kaufen wollen, und führen Gespräche mit deutlich größeren und cooleren Marken", verrät Ezpeleta.

Ein Kreislauf des Wachstums

Er beschreibt die Entwicklung als zyklischen Prozess: Mehr Investitionen führen zu stärkerer Markenbildung, die wiederum neue Sponsoren und Fans anzieht. "Es ist wie ein Riesenrad."

Die MotoGP steht aus der Sicht der Verantwortlichen damit an einem entscheidenden Punkt: wirtschaftlich im Aufbruch, sportlich auf hohem Niveau und entschlossen, ihre Identität zu bewahren. Oder, wie Ezpeleta es formuliert: "Unser Erfolg wird daraus entstehen, dass wir das bleiben, was wir sind."

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